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Mo., 09. September 2019, 20:55 Uhr
Landrat Christian Engelhardt informiert sich vor Ort bei landwirtschaftlichen Betrieb von Rigo Strauß
„Digitalisierung und Modernisierung der Landwirtschaft fördern”
Landrat Christian Engelhardt (l.) und Philipp Strauß (r.) tauschten sich über die Digitalisierung in der Landwirtschaft aus. Foto: Benjamin Kloos
LAMPERTHEIM – Die Landwirtschaft ist für das Ried von großer Bedeutung – wirtschaftlich, aber auch mit Blick auf den Tourismus und besonders auch in Bezug auf die Ernährung der Menschen, die hier leben. Die gesamtwirtschaftlichen Rahmenbedingungen haben jedoch bei vielen landwirtschaftlichen Betrieben Erneuerungsprozesse ausgelöst. Zahlreiche Landwirte aus der Region setzen beispielsweise auf Innovationen, etwa aus dem technischen Bereich, auf moderne Vermarktungsstrategien oder gezielte Spezialisierungen, um ihren Fortbestand zu sichern. Um sich ein Bild von diesen technischen Neuerungen zu machen, aber auch um auf aktuelle Probleme der Landwirtschaft hinzuweisen, besuchte Landrat Christian Engelhardt am Montag landwirtschaftliche Betriebe im Kreis – darunter auch den Betrieb des Lampertheimer Landwirtes Rigo Strauß.
„Der Fokus der heutigen Tour, die ich zweimal im Jahr durchführe, liegt auf Betrieben, die ausbilden und auf Betrieben, die sehr modern sind und auf Digitalisierung setzen, denn es geht mir heute um die Zukunft der Landwirtschaft”, stellte Landrat Engelhardt gleich zu Beginn seines Besuches in Lampertheim klar. Dabei sei es „wichtig, dass wir eine Landwirtschaft haben, der es gelingt, durch moderne Techniken Ressourcen zu schonen und nachhaltig mit der Umwelt umzugehen. Ich bin stolz darauf, dass wir das ganze Jahr über Produkte aus dem Kreis Bergstraße und besonders auch aus dem Ried genießen können, die gleichzeitig auch noch sehr gesund sind. Diese Regionalität trägt auch zur Nachhaltigkeit bei.”
Landrat Engelhardt zeigte sich im Rahmen der Führung über das Betriebsgelände äußerst interessiert und folgte den Ausführungen von Rigo Strauß zum Anbau und der aktuellen Ernte von Zwiebeln, Buschbohnen und auch Blumenkohl. Letzterer wird beispielsweise für den hessischen Markt produziert, wobei als besondere Herausforderung die Anforderungen der Einzelhändler bezüglich der Größe des Blumenkohls angesehen werden müssten. „Es ist eine schwierige Situation bezüglich der niedrigen Stückpreise für landwirtschaftliche Erzeugnisse. Daher ist es wichtig, den Betrieb gut zu strukturieren“, erläuterte Philipp Strauß. Auch die Situation bezüglich der Saisonarbeitskräfte sei schwieriger als früher, da die osteuropäischen Länder, aus denen diese zumeist stammen, mittlerweile – glücklicherweise – wirtschaftlich gut dastehen. „Insgesamt sind es vielfältige Herausforderungen, denen wir uns stellen müssen”, so Rigo und Philipp Strauß.
Und so nutzten Rigo und Philipp Strauß den Besuch, um nicht nur den Betrieb und die hier verwendete moderne Technik zu zeigen, sondern auch um auf aktuelle Probleme der Landwirtschaft vor Ort hinzuweisen. „Relevant ist, was und wie wir produzieren. Das Hauptproblem ist hierbei der Flächenverlust, sowohl durch den Straßenbau als auch durch die drohende ICE-Trasse. Mittlerweile binden wir bereits sechs bis acht Betriebe mit ein, um die benötigen Buschbohnen und Zwiebel anzubauen, da wir dies alleine nicht mehr leisten können. Durch den geplanten ICE-Trassen-Bau würde es zu einem weiteren Flächenverlust für die Landwirtschaft kommen, durch den Arbeitsplätze real gefährdet sind.”
„Die ICE-Trasse darf nicht zu Lasten der Landwirtschaft und von Biotopen gehen. Egal welche Traue, es darf keinen Flächenverlust geben – weder für die Landwirtschaft noch für den Naturschutz”, stellte Landrat Engelhardt seine Sicht hierzu dar und ergänzte: „Wir brauchen eine moderne Landwirtschaft, die durch moderne Technik nachhaltiger als in der Vergangenheit arbeitet, sozusagen eine Ökolandwirtschaft durch moderne Digitalisierung. Dazu müssen wir die Modernisierung vorantreiben und es somit der Landwirtschaft ermöglichen, weiter zu existieren und konkurrenzfähig zu bleiben.”
Interessiert folgte Landrat Christian Engelhardt (l.) den Ausführungen von Rigo Strauß (r.) zum Zwiebelanbau. Foto: Benjamin Kloos
Eines sei in diesem Zusammenhang aber auch klar, wie Philipp Strauß betonte: „Wir können trotz aller Modernisierung im Bereich der Digitalisierung auf Arbeitskräfte und besonders auf Saisonarbeitskräfte nicht verzichten.” Und eines sei ebenfalls klar: „Nur Verbote sind nicht zielführend, wichtig wäre vielmehr, Alternativen zu entwickeln und aufzuzeigen”, kritisierte Philipp Strauß die aktuelle politische Entwicklung bezüglich der Landwirtschaft.
Landrat Engelhardt unterstützte diesen Wunsch: „Wir brauchen die regionale Ernährung und müssen die Landwirtschaft fördern – in Partnerschaft mit dieser, denn Landwirtschaft ist auch Landschaftspflege.” Ein gute Beispiel für diese Zusammenarbeit hinsichtlich von Nachhaltigkeit und Umweltschutz seien die Blühstreifen, die an immer mehr Feldern Lebensräume für Insekten und Nagetiere sowie Vögel bieten. „Diese werden durch die Digitalisierung möglich, da man sie genau einprogrammieren kann. Im gesamten Kreis Bergstraße haben wir mittlerweile 150 Hektar Blühstreifen in der Landwirtschaft. Diese sind nicht durch Verbote, sondern durch Förderung entstanden. Denn wir fördern die Blühstreifen als Kreis ganz bewusst finanziell und schaffen so mehr Fläche, als sie je im Straßenbau, beispielsweise auf Kreisverkehren, je entstehen kann” brach Landrat Engelhardt abschließend eine Lanze für die Landwirtschaft. Benjamin Kloos