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  • Di., 15. April 2014, 10:08 Uhr
    Theatergruppe „Die Sainäwwel“ erfolgreich mit 15 ausverkauften Aufführungen

    „Do helfe blous noch Pille!“ – Lustspiel mit viel Lust am Spiel

    „Sainawwl“ Gabi Schäfer-Bauer, 1. Vorsitzende der Theatergruppe, wurde zum Bühnenjubiläum mit dem 250. Auftritt mit Beifall, Blumen und Erinnerungsbildern geeehrt. Foto: Hannelore Nowacki


    RIEDRODE – Während das Publikum am vergangenen Donnerstag bei der 13. Aufführung im voll besetzten Bürgerhaus Riedrode reichlich Gelegenheit zum Amüsieren erhielt, spielten sich auf der Bühne lustvoll zwischenmenschliche Dramen ab. Überraschende Wendungen und aus dem Leben gegriffene Eigenarten - witzig aufbereitet - reizten zum Lachen. Die Geschichte nach einem Stück von Bernd Gombold mit dem Titel „Die Gedächtnislücke“ wurde in schönster  Bürstädter Mundart aufgeführt und hatte von der Theatergruppe „Die Sainäwwel“ den einzig passenden Titel bekommen: „Do helfe blous noch Pille!“ Doch bevor der rote Vorhang sich teilte und das Bühnenbild freigab, begrüßten Gabi Schäfer-Bauer und Frank Gumbel die Zuschauer mit der Einladung sich ins Gästebuch einzutragen, denn „ein schöner Eintrag erhöht die Chance auf einen Platz in der ersten Reihe“. Klar ist, wer sich nicht an diese freundliche Empfehlung hält und sich auch nicht rechtzeitig und mit dem nötigen Ehrgeiz um Eintrittskarten kümmert, wird in der nächsten Spielsaison wieder Pech haben. Dann helfen  bloß noch die Hoffnung auf die nächste Saison – oder vielleicht Pillen. Ein tiefer Blick der beiden Darsteller und Vorstandsmitglieder in den Saal ergab, dass der erwartete Lampertheimer Bürgermeister a. D. Erich Maier nicht gekommen war, doch zur Schlussvorstellung, der 15. Aufführung am vergangenen Samstag, sei er vorgesehen. Handlungen und Personen seien frei erfunden, betonte die Theatergruppe in ihrem Programmheft. Doch auch das ist nicht ganz ernst gemeint. Das Lokalkolorit kam sogar über Bürstadt hinaus zur Geltung und traf zumindest lautsprachlich den besagten Bojermaschder a. D., wenn auch leicht verfremdet als Erich Mayer mit Ypsilon im Namen. Die Bildergalerie in der Amtsstube zeigte Bürgermeisterin Schader als Amtsvorgängerin. Als Bürstädter Bürgermeister hatte Erich Mayer, gespielt von Frank Gumbel, keinen leichten Stand. Gattin Gerda Mayer, dargestellt von Gabi Schäfer-Bauer in ihrem 250. Bühnenauftritt, wusste jedoch Abhilfe und griff zu bunten Pillen. Im Bademantel und Eisbeutel auf dem Kopf schlurfte der Bürgermeister in seine Amtsstube und stöhnte: „Was war das für eine Nacht heute“. Da helfen bloß noch Pillen! Seine energische und mitfühlende  Sekretärin Hannelore Kohl (Simone Kipfstuhl) griff zum Pillenglas. Den Hochzeitstag hat er vergessen, Amtsdiener Seppl Keinz (Markus Winkler) schläft am Bürgermeisterschreibtisch seinen Rausch aus, den er sich im Ratskeller geholt hat und dann das Magendrücken oder „Ronzereiße“, das den Bürgermeister immer wieder ins nahe gelegene WC führt. Auch do helfe blous noch Pille!

    „Do helfe blous noch Pille!“ Kein Wunder bei allem, was dem Bürgermeister widerfuhr. Mit dem Lustspiel in drei Akten hatte die Bürstädter Theatergruppe „Die Sainäwwel“ beim Publikum vergnügliche Stunden bewirkt – eine Wirkstoffmischung aus Können, Lokalkolorit und Situationswitz. Foto: Hannelore Nowacki


    Den letzten Nerv raubt ihm die renitente Bürgerin Hildegard Becker (Doris Tannenberger) mit Ehemann Heinz-Harald im Schlepptau. Die Kirchenglocken sind ihnen zu laut, ebenso die Kirchenmusik und die krähenden Giggl von Anton Stockmann (Karl-Hans Reischert). Der Bürgermeister selbst macht sich an die Arbeit – mit Blut an der Stirn kehrt er zurück. „Der hot de Glockeschwengel an die Rieb griegt“, weiß der Seppl zu berichten. Erst als der Amtsdiener listig das Schoßhündchen der Beckers, Nofretete, „die gelockte Ratt“, mit Pillen ins temporäre Koma befördert, wendet sich das Schicksal des gebeutelten Bürgermeisters. Er kann sich zwar an nichts mehr erinnern, zähmt aber die aufmüpfige Hildegard Becker jetzt mit Klartextansagen. „Der Bojermaschder hot denne oigeschenkt“, freute sich der Seppl und der ergebene Gatte Heinz-Harald sagt auch diesmal: „Des is vollkommen rischdich, Hildegard“. Brenzlich wird es für den Rathauschef, als die Gattin glaubt, er habe mit Rosemarie Schmidt (Anita Reischert) ein Verhältnis, doch das ist wieder eine andere Geschichte, die mit dem schusseligen Professor Gottlieb von Heyl (Michael Reischert) nach etlichen Verwicklungen gut endet. Von Amtsdiener Seppl nach Bedarf mit frei erfundenen Neuigkeiten versorgt, hat Emma Ofenloch (Roswitha Gebhardt) in ihrem Laden gegenüber vom Rathaus für ihre Kunden und Freundinnen stets die passende Nachrichtenlage im Angebot. Am Ende war alles gut, statt Pillen kam die Axt ins Spiel und das Publikum hatte vergnügliche Stunden erlebt. Anhaltender Beifall folgte. Hannelore Nowacki

     

     

     

     

     

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