Amateur-Theatergruppe „Die HerbstZeitLosen“ hat viel vor / Dringend männliche Mitspieler gesucht
Dramen mit den Damen
Margit Kühn, Gabriele Schuster, Ute Brozio und Monika Schlappner (v.l.) gehören zu den Hauptakteurinnen des D(r)amenstücks „Der Damenclub“. Foto: Petra Gahabka
LAMPERTHEIM – „Annegret, Maria, Liese und Margret wohnen zusammen in einer Wohngemeinschaft. Sie sind alle rüstige Rentnerinnen und leben in einer streng strukturierten Woche. Während alle alleinstehend sind, hat Annegret seit einiger Zeit einen Lebenspartner“. Konflikte sind im neuen Projekt der Amateur-Theatergruppe „Die HerbstZeitLosen“ vorprogrammiert, nicht umsonst ist der Titel „Der Damenclub“ mit dem Zusatz „ein D(r)amenstück versehen.
Am vergangen Montag traf sich die Gruppe von theaterbegeisterten Menschen, Ü50 und älter, zur wöchentlichen Probe in der Zehntscheune. Ab 50 Jahren deshalb, weil im Laien- und Amateurbereich kaum Skripts für diese Altersgruppe zur Verfügung stehen. Bestenfalls könnten dort noch die Rollen einer alten Oma oder eines gebrechlichem Opas besetzt werden, ansonsten stehe man quasi im theatralen Abseits, sagt Regisseur Heiner Kraft, der 1957 das erste Mal auf der Bühne stand und dessen Leidenschaft bis heute dem Amateurtheater gehört. Es werden ganz gezielt zeitgenössische Dramen, ernste soziale und politische Stücke, aber auch anspruchsvolle Komödien ausgesucht, deren Rollenfigurenvon den älterenSpielerinnen und Spieler glaubhaft besetzt werden können.
Die HerstZeitLosen sind vor zwei Jahren aus einem Workshop des Lampertheimer Seniorenbeirats entstanden und waren bis Ende letzten Jahres unter dessen Dach. Jetzt ist die Gruppe eine AG der hiesigen Volkshochschule. Acht Frauen und ein Mann gehören zur aktuellen Besetzung, nicht allen ist das Theaterspielen fremd, auch wenn bei manchen schon einige Jahrzehnte dazwischenliegen. Unter dem Motto „Neues entdecken. Bewährtes vertiefen“ nutzen die Akteure, die Mitglied im Verband Hessischer Amateurtheater und im Bund Deutscher Amateurtheater sind, dort zusätzlich weiterbildende Seminare, wo unter professioneller Anleitung, Übungen zu Improvisation, Stimme, Text, Darstellung, Bewegung und Bühnenpräsenz angeboten werden. Darüber hinaus ist eine aktive Teilnahme am Senioren-Workshop und am Senioren-Festival des Verbandes Hessischer Amateurtheater im Herbst in Wetzlar geplant. „Am Theaterspiel Interessierte können ganz zwanglos in die Gruppenstunden hinein schnuppern, bei der Rollenarbeit einfach nur mal zuschauen oder sich gerne einmal probehalber in einer Rolle versuchen“, so der Regisseur. Auch wer nicht auf der Bühne stehen möchte, sich aber für die Licht- und Tontechnik interessiert, sich am Kulissenbau, der Bühnenmalerei oder bei den vielseitigen Dingen vor und hinter der Bühne beteiligen möchte, sei willkommen.
Angst vorm lernen? „Nicht bei uns“, sagt der 83-Jährige, der mit der Gruppe nach der Seniotech-Methode arbeitet, bei der spielend jede Texthürde genommen wird. Die Dramen-Eigeninszenierung nach Christian Knieps „Der Damenclub“ könnte die Fortsetzung des 2019 mit großem Erfolg gezeigten Stücks „Mitbewohnerin gesucht“ sein, merkt er an. Die Aufführung soll am 3. und 4. Oktober im Schwanensaal stattfinden. Wann es mit den Proben angesichts der aktuellen Lage und den damit verbundenen Einschränkungen weitergeht, ist ungewiss. Davon betroffen ist auch die Veranstaltung am 25. April mit dem Hessen-Ensemble im Schwanensaal in Zusammenarbeit mit dem städtischen cultur communal.
Neben Kurzstücken und Sketchen sowie der Lesung „Empfänger unbekannt“ von Kressmann Taylor, die auch künftig in unregelmäßiger Folge und an verschiedenen Orten aufgeführt werden soll, möchte die Gruppe 2021 etwas ganz besonderes auf die Bühne bringen. Anlässlich des Jubiläums „500 Jahre Martin Luther vor dem Reichstag in Worms“ soll „Die Gerichtssache Dr. Martin Luther“ aufgeführt werden, ein historisches Theaterstück, in der die Weggefährten um Luther ins Kreuzverhör genommen werden und das einige Informationen zum Reformator und anderen Persönlichkeiten dieser Zeit beinhaltet. Um das Stück überhaupt aufführen zu können, suchen die HerbstZeitLosen noch dringend drei männliche Mitspieler. Die Mitwirkenden würden natürlich intensiv auf ihre Rollen vorbereit, versichert der Regisseur. Daher könnten die Rollenfigurenauch von Laien und Anfängern besetzt werden. Petra Gahabka
Kontakt
Informationen zu den HerbstZeitLosen gibt es bei Heiner Kraft, Telefon 06241/80 284