Die Gratiszeitung für Lampertheim und das hessische Ried
Sie sind hier: Startseite » Nachrichten » Drei Oscar der Bürgerstiftung für „Courage in Lampertheim 2017“
Fr., 03. November 2017, 08:58 Uhr
Auszeichnung für Hospiz-Initiative, Flüchtlingshilfe und Christian Schmitt
Drei Oscar der Bürgerstiftung für „Courage in Lampertheim 2017“
Die Bürgerstiftung Lampertheim zeichnete Hospiz-Initiative Ried und die Flüchtlingshilfe Lampertheim mit ihrem Oscar und einem Geldpreis aus, als engagierte Einzelperson wurde Christian Schmitt geehrt. Foto: Hannelore Nowacki
LAMPERTHEIM – In der glamourösen Szene Hollywoods wird der Oscar verliehen, auch die Bürgerstiftung Lampertheim ehrt alljährlich Menschen für ihre besonderen Leistungen mit einem Oscar und einem Geldpreis, nun zum neunten Mal. Doch bei der Auszeichnung „Courage in Lampertheim 2017“ am Mittwoch im Sitzungssaal des Stadthauses ging es um den ehrenamtlichen Einsatz für andere Menschen, der nicht mit hohen Gagen vergoldet wird, sondern unentgeltlich erfolgt. Zur Auszeichnung ausgewählt hatte die Bürgerstiftung die Hospiz-Initiative Ried mit Sitz in Bürstadt, die Flüchtlingshilfe Lampertheim und Christian Schmitt, der sich als Fußballtrainer für die Integration der Flüchtlinge auch in die Vereinsarbeit des TV Lampertheim engagiert. „Wenn es ums Ehrenamt geht, ist oft die Rede vom menschlichen Gesicht und auch vom Rückgrat unseres Landes“, sagte Gottfried Störmer in seiner Begrüßungsrede. Das Ehrenamt nehme Kraft in Anspruch, gebe aber auch viel zurück. Die Bürgerstiftung „ hat unser Gemeinwesen im Blick und ist ein Sammelbecken für gemeinnützige Ideen“ erklärte Störmer, Vorsitzender des Stiftungsrates und Bürgermeister, ihr Wirken unter dem Motto „Bürger für Bürger“. Der Tod gehöre zum Leben wie die Geburt, doch sei der Weg des Sterbens mitunter für Angehörige nicht einfach. Die Hospiz-Initiative stehe ihnen und den Betroffenen mit Rat und Tat zur Seite. Die Flüchtlingshilfe mit Kurt Stass als Kopf sei aus der Not heraus geboren, als 2015 eine Flut von Menschen nach Deutschland kam. Ohne das ehrenamtliche Engagement dieser rund hundert Helfer hätte es die Stadtverwaltung nicht geschafft. Auch eine einzelne Person könne etwas bewegen wie Christian Schmitt, der jungen Menschen Teamgeist nahebringe. Manchmal brauche es für ein Engagement nicht mehr als „ich mache das jetzt“. Störmer drückte seinen Dank ausdrücklich mit einem großen Ausrufezeichen aus. Die Laudatio für die Hospiz-Initiative, die vor 20 Jahren in Bürstadt gegründet wurde, hielt Erich Maier, Vorstandsvorsitzender der Bürgerstiftung und ehemaliger Bürgermeister. Ein wesentliches Anliegen sei damals gewesen, das Tabuthema Tod und Sterben in die Wahrnehmung der Öffentlichkeit zu rücken, Schwerstkranken und Sterbenden Beistand und Fürsorge zu schenken, wie Gaby Weiß-Szpera, Koordinatorin der Hospiz-Initiative, in einer Fachzeitschrift geschrieben habe. In ihrem Bericht, den Maier ausführlich zitierte, heißt es: „Mit dieser Motivation wurde eine der bedeutendsten Bürgerbewegungen überhaupt gegründet. Dass es heute für schwerstkranke Menschen die Möglichkeit der palliativen Versorgung gibt, ist einzig und allein diesem bürgerschaftlichen Engagement geschuldet“. Zu 90 Prozent werde dies von Ehrenamtlichen geleistet, die eine lange Ausbildung und ständige Weiterbildung auf sich nehmen. Maier machte deutlich, dass die Hospiz-Initiative Ried keine Pflegedienste und hauswirtschaftliche Hilfen ersetze, aber vieles zur Entlastung leiste, vor allem Zeit haben und zuhören, mit Patienten sprechen, über das, was sie bewegt oder einfach nur da sein. Dieses „segensreiche Wirken“ der „Initiative mit Herz“ würdigte die Bürgerstiftung zusätzlich mit einem Geldpreis von 600 Euro. Vorstandsmitglied Dieter Goll hielt die Laudatio für die Flüchtlingshilfe Lampertheim. „Wir schaffen das“, diese Aussage der Kanzlerin stellte er voran. Eine noch da gewesene Anzahl von Menschen sei in Bahnhöfen und Grenzstationen gelandet, in den beiden Jahren 2015 und 2016 mussten 1,2 Millionen Menschen versorgt werden. Die Verwaltungen vor Ort wären völlig überfordert gewesen ohne die Menschen, die ehrenamtlich tätig wurden. „Keine leichte Aufgabe“ für die rund hundert Helfer der Flüchtlingshilfe in Lampertheim, die sich aktuell um etwa 600 Menschen kümmern. Sie brauchen eine Menge Energie und Empathie, betonte Goll, und müssten belastbar sein. „Wie so oft können gemeinschaftliche Aufgaben nur gelöst werden durch Menschen, die sich ehrenamtlich engagieren – wir können stolz sein, auf das, was die Flüchtlingshilfe geleistet hat“. Die ehrenamtlichen Leistungen, die Christian Schmitt bei der Integration und Unterstützung der in Lampertheim lebenden Flüchtlinge erbringt, beschrieb Erich Maier. Seit Oktober 2014 leitet Schmitt eine eigene Fußballabteilung im Sportzentrum Ost beim Turnverein. Jeden Montag trainieren unter seiner Leitung regelmäßig dreizehn bis fünfzehn Personen auf dem Kunstrasenplatz, manchmal kommen sogar 25 Mitspieler. Neben dem Training versuche Schmitt, die Flüchtlinge in die Vereinsarbeit einzubinden. Ein Jugendbetreuerlehrgang mit acht Lehrabenden in diesem Jahr, explizit für Flüchtlinge auf dem TV-Gelände, haben alle 16 Teilnehmer bestanden und ein Zertifikat des Hessischen Fußballverbandes erhalten. Für diese gelungene Integrationsarbeit erhielt Christian Schmitt neben dem Oscar einen Geldpreis von 300 Euro. Kurt Stass dankte der Bürgerstiftung im Namen der Flüchtlingshilfe für die Auszeichnung. Als Vorsitzender der Hospiz-Initiative Ried dankte Wolfgang Zeißner der Bürgerstiftung für diese Anerkennung der Arbeit. Matthias Karb begleitete den Festakt musikalisch am Keyboard mit gefühlvoll vorgetragenen Songs. Hannelore Nowacki