Kerwe in Lampertheim – das unterhaltsame Großereignis des Jahres / Zweiter Zapfhahn musste her
„Drei Tag lang in gesunde Dorscht“
Gleich ist es soweit, das Freibier fließt brav in die Krüge. Zuvor stellte sich der Zapfhahn jedoch auf Widerstand ein, zum großen Vergnügen der Zuschauer. Foto: Hannelore Nowacki
LAMPERTHEIM – Kerwe - darauf fiebern die Vereine hin und dann kommen die Menschen von überall her, um im Kerwedorf zwischen Domkirche und der Pfarrkirche St. Andreas und auf der Kerwemeile in der Römerstraße bis zum Heimatmuseum zu erleben, wie die Lampertheimer ihr größtes Ereignis feiern. Da geht es rund mit dem rasenden Karussell auf dem Europaplatz, es wird geschlemmt und getrunken. Die Kinder können endlich wieder auf dem Karussell mit dem Feuerwehrauto und der Polizei mitfahren oder unternehmen eine Fahrt auf Lok und Motorrad über Berg und Tal. Schon vor der offiziellen Eröffnung der Kerwe am späten Samstagnachmittag begann das bunte Treiben. Bei der DLRG kamen die großen Haxen von der Metzgerei Blüm auf den Grill, damit die Gäste nach der Kerweredd gleich in die schöne Kruste beißen konnten. Da leuchten die Augen, während die Herren am Grill zum Wohle der Gäste ins Schwitzen kommen. Die kulinarische Vielfalt ist unübertroffen und die Düfte verführerisch. Bei den Siebenbürger Sachsen hielten sich das vielköpfige Küchenteam und die Grillmeister für den großen Ansturm der hungrigen Gäste bereit – im Angebot besondere Spezialitäten, auf die sich die Kenner jedes Jahr freuen.
Spanisch kommt einem die Speisekarte beim FC Olympia vor – hier schneidet der Vereinschef persönlich die Scheiben vom guten Serranoschinken und belegt die Tappasteller. Hinter ihm steht eine ganze Mannschaft am Tresen. Am Sonntag zauberten die Spargelköche vom Männerkochklub die berühmte Paella in der Riesenpfanne. Die Kerweborscht vergaben, wie es Tradition geworden ist, ihr Testurteil durch Plaketten für die beste Verköstigung mit flüssiger Nahrung. Zur Kerwe gehört in Lampertheim die saftige, mundartliche Kerweredd. Mit Spannung erwarteten die Zuhörer auf dem Europaplatz vor dem Alten Rathaus die Kerweborscht, die sich vom Heimatmuseum ausgehend mit dem Kerwekranz auf den Weg machten. Um die Kräfte aufzutanken, legten sie Zwischenstopps ein, den ersten bei der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft, kurz DLRG.
Los geht’s mit dem Kerwekranz zum Alten Rathaus. Spargelkönigin Melanie I. verlieh dem Umzug majestätischen Glanz und die „Zwoa Spitzbuam“ sorgten musikalisch für die Aufmerksamkeit der Kerwebesucher. Foto: Hannelore Nowacki
Spargelkönigin Melanie I. in langer festlicher Robe begleitete den Umzug, der ausnahmsweise ohne Traktor und Rolle stattfand. Die „Zwoa Spitzbuam“ gingen fröhlich musizierend voran und spielten zum Geschehen am Alten Rathaus. Hoch oben auf dem Balkon stand das Dreigestirn der Kerwe, in der Mitte Kerweborscht Heinz Eichenauer, an seiner Seite Spargelkönigin Melanie I. und der Erste Stadtrat Jens Klingler. Kerweborscht Steffen Trimborn hatte den Kranz aufgehängt und hielt dort oben auf der Leiter die Stellung. Es kam wie es kommen musste – Heinz Eichenauer schenkte der Politik in der Stadt und im ganzen Land gehörig ein, witzig und wortgewaltig in der Lampertheimer Sprooch. Den Blick aufmerksam nach oben gewandt, lauschte das Publikum seinen Anmerkungen zur Kostentransparenz der Müllabfuhr bis zum verwehrten Ölbohren und lachte nach Kräften. Klar, dass der Erste Stadtrat humoristisch kontern musste, nachdem Heinz Eichenauer mit viel Lust seine eindrucksvoll lange Tätigkeitsliste vorgetragen hatte.
Den Kerwebesuchern rief er zu: „Dann sag ichs nochmol liewe Leit, des Kerwedorf, des steht bereit, dort kriegt er, un des is nit verkehrt, alles was das Herz begehrt“. Und Freibier „fer uns Kerweborscht“ natürlich, denen er „drei Tag lang in gesunde Dorscht“ wünschte. Freibier gab es dann auch für alle Kerwebesucher, die sich in die Schlange stellten. Dafür sorgte Jens Klingler mit vielen geübten Hammerschlägen. Allerdings floss das Bier erst nach dem Einsetzen eines zweiten Zapfhahns. Zuvor spritzte das kühle Nass in alle Richtungen und sammelte sich zu einem Schaumsee vor dem Fass. Nun darf nicht unerwähnt bleiben, dass dieses ausführliche Missgeschick das Publikum erheitern musste, ja, man schüttete sich aus vor Lachen. Somit wurde diese Szene zur ernsten Konkurrenz für jede zukünftige Kerwerede. Wie es Brauch ist in Lampertheim überreichten die netten Kerweborscht den Damen schöne Rosen, solange der Vorrat reichte.
Hannelore Nowacki
Die Kerwerede ist gehalten, ein letzter Schluck auf dem Balkon, dann war Freibier für alle im Angebot. Foto: Hannelore Nowacki
Info: Die Kerweborscht – ein bewährtes Team mit Zuwachs. Rainer Anthes, seit 25 Jahren Kerweborscht (aber am Samstag verhindert), Kerweredner Heinz Eichenauer, Markus Gutschalk, seit 10 Jahren Kerweborscht, Stefan Gutschalk (ebenfalls verhindert), Martin Schneider, Horst Ströbel und Steffen Trimborn, der seit 10 Jahren mitmacht und den Kranz aufhängt. Neu im Team ist Gregor Wörner.