Howwemer Kerb mit gereimter Rede, hohen Sprüngen und Genussmeile
„Drum bleibt in Howwe, da habt ä Ruh“
Kerwevadder Florian Herzog brachte mit dem richtigen Zungenschlag die örtlichen Besonderheiten auf den Punkt. Foto: Hannelore Nowacki
HOFHEIM – Heitere Gemütlichkeit und die eindrucksvolle kulinarische Vielfalt gehören bei der Hofheimer Kerb zur Tradition. Die gute Laune vergeht den Hofheimern auch nicht, wenn graue Wolken den Himmel verdüstern und der Regen pünktlich zur feierlichen Eröffnung kommt, so wie es am Samstagnachmittag geschah. In weiser Voraussicht hatten viele Kerwebesucher ihre Regenschirme mitgebracht oder zogen schnell die Kapuze ihrer Wetterjacken über den Kopf. Der Evangelische Posaunenchor spielte trotz Regen zur Einstimmung auf die drei Kerwetage, nur die empfindlichen Holzblasinstrumente hätten mehr Nässe übel genommen. Bald war die Straße vor dem Alten Rathaus wieder trocken und sogar die Sonne ließ sich blicken. Mit Stabführerin Stefanie Bär an der Spitze zog der Musikzug der Spielgemeinschaft der Freiwilligen Feuerwehren Hofheim und Bürstadt ein und unterhielt die große Runde mit beschwingten Melodien. Die Kerweborsch und Kerwemädel führte Kerwevadder Florian Herzog an, stilgerecht mit Blütenkranz gekrönt. Sogar beim Sprung auf die weiche Matte hielt sich der Kranz im Haar fest. Im Hofheimer Wind flatterten die bunten Bänder des prächtigen Kerwekranzes, den Kerwevadder Florian nach der Rede taufte. Aus Lampertheim war Erster Stadtrat Jens Klingler angereist, um seine Grußworte bodenständig neben der Leiter zu sprechen. Er sei froh, nicht mehr auf die Leiter steigen zu müssen, gab er bekannt. Den Hofheimern hatte er als ausgewiesener Kenner der Howwemer Kerb eine Botschaft mitgebracht: „Ihr habt was Besonderes“. Nämlich eine Kerb, die von den Vereinen organisiert und veranstaltet wird.
Die Energie des Aufpralls auf die weiche Matte ließ den Regenschirm wenig später umklappen. Keine Panik, die Panikstaffel hatte alles im Griff, auch die Hochstimmung beim Publikum. Foto: Hannelore Nowacki
Ortsvorsteher Alexander Scholl dankte den Hofheimer Vereinen und teilte den Zuschauern mundartlich mit, dass die Kerwezeit „unser greeschdes Fest im Ort“ sei. Noch bevor das gesprochene Wort zur Geltung kam, zeigten die Stud Buttons und die Panikstaffel vom HofheimerTurnverein ihr überragendes Können, eine Unterhaltungsshow mit akrobatischen und witzigen Vorführungen auf dem Asphalt, die es so nur in Hofheim gibt. Mit turnerischer und tänzerischer Eleganz begeisterten die Stud Buttons. Atemberaubende Höhenflüge und Überschläge, eine einfallsreiche Choreografie und akrobatische Geschichtenerzählung mit witzigen Pointen und Kostümen brachten das Publikum zum Lachen und zum jubelnden Applaus - ein Zuschauervergnügen für jedes Alter. Wie schon vor einem Jahr stieg Kerwevadder Florian trittsicher auf die Leiter, eine Bühne, die Stehvermögen verlangt, ihm aber auch den Weitblick gestattete. Einig war er sich mit dem Publikum, dass „das einzig Schöne an Lampertheim, der Ortsteil Hofheim sein soll“. Angesichts der Widrigkeiten in aller Welt wie Erdogan, Ägypten, Donald Trump, Kim Jung Un und die steigenden Preise in Malle, lautet sein bejubelter Rat: „Drum bleibt in Howwe, da habt ä Ruh, im Notfall mache mä offach die Schrongge zu“. Alfred Klippel begleitete die Kerwerede am Akkordeon. Nahtlos wartete das nächste Vergnügen – im Alten Rathaus standen gut gefüllte Becher mit Freibier bereit. Je später der Tag, umso mehr Besucher strömten zum Kerwedorf. In den Festzelten der Vereine konnten die Geschmacksknospen aufblühen, eine zarte Versuchung war beispielsweise das Pulled Pork mit Cole Slaw in knuspriger Weizentasche beim FV Hofheim. Beim Verein der Howwemer Kerweborsch und –mädels hatte die Bar geöffnet, dort konnten sich die Fans der Howwemer Kerb auch mit T-Shirts (Achtung: toller Spruch auf der Rückseite) und Fahnen in drei Größen eindecken. Täglich wechselte dort der DJ bis zum Montag, wenn die Kerb mit dem Schubkarrenrennen in die letzte Runde geht. Hannelore Nowacki