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Fr., 21. August 2020, 10:33 Uhr
Kreisspitze informiert / Mehr als 75 Prozent der aktuellen Infektionen auf Reiserückkehrer zurückzuführen / Klasse der Heinrich-Metzendorf-Schule in Quarantäne
„Durchschnittsalter bei aktuell Infizierten liegt bei 29 Jahren”
Masken müssen nicht nur im Bus, sondern auch an Haltestelen getragen werden – auch bei der Schülerbeförderung. Foto: www.pixabay.com
KREIS BERGSTRASSE – Am Freitag informierte die Kreisspitze einmal mehr im Rahmen einer Videoepressekonferenz über die aktuelle Corona-Situation im Kreis. Die Zahlen steigen dabei besonders aufgrund von Reiserückkehrern weiter an. Und auch auf die Schulen im Kreis gibt es erste Auswirkungen: Da sich eine infizierte Person in den vergangenen Tagen in der Heinrich-Metzendorf-Schule in Bensheim aufgehalten hatte und hier enge Kontaktpersonen ermittelt wurden, musste eine Klasse sowie entsprechendes Lehrpersonal in Quarantäne gestellt und weitere Schritte in die Wege geleitet werden.
Landrat Christian Engelhardt betonte zu Beginn, dass „die Zahlen wieder steigen, was in der Öffentlichkeit als zweite Welle bezeichnet wird. Dies führt dazu, dass wir die Situation wieder mit einem ganz anderem Fokus beobachten als in den Sommerferien, als die Zahlen sehr niedrig waren. Zudem wird signifikant mehr getestet. So gab es in der Kalenderwoche 23 bundesweit rund 340.000 Tests, in der vergangenen Woche aber alleine 875.000 Tests – eine deutliche Zunahmen. Dies alleine erklärt aber noch nicht die Zunahme der Fallzahlen: Dazu gehört nämlich auch, dass in den Wochen mit niedrigen Infektionszahlen etwa 0,6 Prozent der Getesten positiv waren, jetzt sind es ein Prozent.
Das heißt, dass die Quote höher ist und somit mehr Menschen infiziert sind. Gestiegen ist die Anzahl der Tests, weil sich das Testschema geändert hat: Am Anfang wurden nur Personen, die aus Risikogebiet kamen oder Symptome hatten, getestet. Jetzt werden auch Personen getestet, bei denen es eigentlich unwahrscheinlicher ist, dass sie positiv sind, weil viele dieser Personen keine Symptome und keinen Kontakt zu Infizierten hatten. Dennoch steigt die Quote der Infizierten an. Wir müssen wirklich vorsichtig sein: Wenn wir die Gesellschaft und die Wirtschaft schützen wollen, müssen wir bei Achtsamkeit eine Schippe drauflegen. ” Bezüglich der Schulen betonte Landrat Engelhardt: „Wir sind eine Bildungsnation. Es gibt das Anrecht und die Pflicht, in die Schule zu gehen. Lernen ist für die Zukunft der Kinder unendlich wichtig. Wir müssen versuchen, unter entsprechenden Bedingungen und Schutzmaßnahmen das Lernen in der Schule wieder zu ermöglichen. Natürlich wird es immer wieder Situationen wie jetzt in Bensheim geben, aber mit diesen haben wir gerechnet und auf diese sind wir eingestellt.” An die Gastronomen im Kreis wandte sich Landrat Engelhardt mit dem Aufruf, dass es noch Hygienepakete für Gastronomen gibt. „Diese können gerne bei Kreisverwaltung abgerufen werden.”
Altersdurchschnitt sinkt weiter
Die Erste Kreisbeigeordnete Diana Stolz bezog zu den aktuellen Fallzahlen Stellung: „Es gibt erneut eine deutliche Altersverschiebung bei den jungen Fällen: Der Durchschnitt bei den aktuellen Fällen liegt bei 29 Jahren, das Alter hat sich deutlich nach untern verschoben. Bei den aktuellen Fällen haben wir nur noch eine Person über 60 Jahren zu verzeichnen. Auffällig ist die Situation bezüglich der Reiserückkehrer: Mehr als 75 Prozent der aktuellen Fälle sind auf Reiserückkehrer oder Infektionen im Ausland zurückzuführen.” Hierbei gab es ebenfalls eine Verschiebung: Die meisten Infektionen sind auf Kroatien als Hauptinfektionsort im Kreis zurückzuführen. „Daher bin ich froh, dass Teile von Kroatien zum Risikogebiet erklärt wurden”, erläuterte Diana Stolz. „Auch das Kosovo und die Türkei sind weiterhin Infektionsorte, aber es gibt auch andere Länder, die deutlich aufholen, so etwa Frankreich und Spanien, aber auch Bulgarien, Rumänien und die Niederlande sind mittlerweile dabei. Darüber hinaus gibt es unter den Personen, die sich im Landkreis oder in Deutschland infizieren haben, einige, die sich bei Reiserückkehrern angesteckt haben.”
Ein Thema, das die Kreisverwaltung aktuell stark beschäftig, sind die Schulen: „Hierfür haben wir eigene Teams gebildet, ebenso wie für Kindertagesstätten und Pflegeeinrichtungen. Wir haben an verschiedenen Schulen Kontaktkonstellationen und stehen in Kontakt mit allen Betroffenen”, so die Kreisbeigeordnete auch mit Blick auf die Situation an der Heinrich-Metzdendorf-Schule.
„Akzeptanz vorhanden”
Der Kreisbeigeordnete Karsten Krug äußerte sich zur Schülerbeförderung: „Es hab in dieser Woche wenig Beschwerden bezüglich der Kapazitäten, eine große Akzeptanz ist vorhanden. Die Einhaltung der Maskenpflicht wird überwiegend umgesetzt, wir haben hierzu mehrere Kontrollen durchgeführt, auch an Haltestellen selbst. Das einzige Problem ist hierbei das Verhalten an den Haltestellen: Bitte setzen Sie auch an Haltestellen Masken auf, nicht erst beim Einstieg in den Bus, dies ist sehr wichtig.” Bei der Bußgeldstelle gibt es weiterhin kontinuierlich langsam wachsende Fallzahl, zehn Verstöße gab es in der letzten Woche. „Wir haben in diesem Zusammenhang die Ordnungsämter der Kommunen gebeten, die Kontrollen angesichts der steigenden Fallzahlen wieder verstärkt aufzunehmen”, so Karsten Krug abschließend. Benjamin Kloos