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  • Di., 01. Oktober 2013, 15:18 Uhr
    200 Jahre Hüttenfeld / Bürger verstehen Jubiläum mit abwechslungsreichem Programm zu feiern

    Ein bemerkenswertes Wochenende

    Strapazierte die Lachmuskeln: „Vollmilch fettfrei“, ein Stück, das Heinrich Karb vor 35 Jahren zur Einweihung des Bürgerhauses veröffentlichte und von Bruno Ehret überarbeitet, wieder auf die Bühne gebracht wurde. Foto: ehr


    HÜTTENFELD – Fast ein Jahr lang hatte sich ein Ausschuss bestehend aus Vertretern der Hüttenfelder Vereine auf die Jubiläumsveranstaltung „200-Jahre liebenswertes Hüttenfeld“ vorbereitet. Anfangs noch unter der Federführung von dem damaligen Ortsvorsteher Walter Schmitt. Als dieser krankheitsbedingt zurücktreten musste, übernahm Erwin Walter mehr und mehr das Zepter und stellte zusammen mit seinem Team und dem neuen Ortsvorsteher Karlheinz Berg und in Zusammenarbeit mit der Stadt Lampertheim und dem Kulturamt ein Programm zusammen, das samstags mit einem 2-gleisigen Angebot startete.

    Für die Jugend gab es eine Disco in den Räumen des Feuerwehrhauses, zu dem DJ Lucas Haas aus Viernheim auflegte. Wobei man bei den modernen Medien, die man heutzutage nutzt, nicht mehr von „Auflegen“ reden kann. Rap, Rave und Techno waren angesagt und recht laut war es natürlich auch. Und es waren durchaus nicht nur Teenies, die den Raum füllten. Auch einige Jungebliebene bewegten sich zu den fetzigen Rhythmen oder pendelten hin und her. Denn nebenan im Bürgerhaus spielten die „Schlagerhasen“ aus Lampertheim. Sie boten dem Publikum ein Mix an deutschen Schlagern der 50er, 60er und 70er Jahre. Und die Stimmung bei Cornelia Froboess, Roy Black oder Wencke Myhre und den Hits „Ich will 'nen Cowboy als Mann“ oder „Er hat ein knallrotes Gummiboot“ war nicht minder groß, als der Kontrast zur Disco.

    Aber Musik verbindet eben die Generationen und so wagten auch die Backfische durchaus einen Schritt ins Bürgerhaus. Die Schlagerhasen stehen schließlich auch seit Jahren in verschiedenen Zusammensetzungen für qualitativ hochwertige Unterhaltungsmusik nicht nur im Schlagerbereich. Helmut Wehe (Gitarre und Gesang), Patrick Embach (Keyboard) und Hans-Jürgen Götz (Schlagzeug) sind über Lampertheims Grenzen hinaus bekannt. Nicht zu vergessen Barbara Boll, die mit ihrer gewaltigen Stimme zeigte, dass sie nicht nur im Genre Rock- und Popmusik glänzen kann, sondern auch den deutschen Schlager zu interpretieren versteht. Sie hatte mit Sabine Murza und Lisa Bund zwei kongeniale Partnerinnen, die sich stimmlich in Nichts nachstanden.

    Immer wieder in wechselndem Outfit nahmen die Musiker das Publikum mit auf eine Reise durch die 50-er bis 70-er Jahre. Kaum jemand blieb auf den Plätzen sitzen – man musste einfach tanzen. Auch das Bühnenbild mit einem Plüschsofa in der Mitte war ein Hingucker. Viel zu früh und leider ohne Zugabe ging das musikalische Programm zu Ende. So wurde halt noch an der Bar der eine oder andere Cocktail genommen oder man wechselte eben zur Jugend in die Katakomben des Feuerwehrhauses.

    Bestens unterhalten wurde das Hüttenfelder Publikum mit vielen Gästen bei der Jubiläumsfeier. Foto: ehr


    Am Sonntag wurde im Bürgerhaus die Veranstaltung fortgesetzt. Kaum ein Verein, der sich nicht in irgendeiner Form an diesem Event beteiligte. Ob bei der Bewirtung, beim Auf- und Abbau oder anderen organisatorischen Belangen. Jeder war mit eingebunden. Mit großem Applaus wurde der frühere Ortsvorsteher Walter Schmitt begrüßt. Er ließ es sich nicht nehmen, sich bei allen Beteiligten und bei den Bürgern zu bedanken, die dieses großartige Fest erst möglich machten. Und auf der Bühne gaben sich Musik-, Tanz- oder Theaterdarbietungen einander die Hand und sorgten beim interessierten Publikum, das sich nicht nur aus Hüttenfeldern rekrutierte, für Kurzweil. Die Moderation des Tages übernahm gekonnt Ulrich Thomas von der evangelischen Kirchengemeinde.

    Gäste aus Neuschloß – der Posaunenchor der Johannesgemeinde – eröffnete den Reigen mit gewaltigen Klängen. Zusammen mit den beiden Hüttenfelder Kirchenchören und dem Chor des Litauischen Gymnasiums intonierte man die „Hüttenfelder Hymne“, die Pfarrer Reinald Fuhr zu englischen Nationalhymne auf Hüttenfeld getext hatte. Auch die kleinsten Hüttenfelder der Kindertagesttätte der evangelischen Kirchengemeinde ließen es sich nicht nehmen, mit ihren Erzieherinnen einige Lieder zum Besten zu geben. Rührend war der Tanz über das „Gänseblümchen“. Dem schlossen sich die Kinder der „Lil‘ Youg Voices“ des Sängerbundes Hüttenfeld unter der Leitung von Ronald Ehret gleich an. Mit Stimme und Tanz setzten sie den musikalischen Blumenstrauß des Nachmittages fort, besangen die „Hexe Trude Trudis“ und krönten ihren Vortrag mit einem afrikanischen Lied.

    Die Kinder der Seehofschule Hüttenfeld erzählten in drei kurzen Theaterstücken Geschichten aus der Historie der Hüttenfelder Grundschule. Die Anfänge in dem Dorf Seehof, von dem die 1907 erbaute Grundschule die Glocke und den Namen erhielt. Auch die Probleme in den 60-er Jahren kamen hier zur Sprache, wo über die Schließung der Hüttenfelder Grundschule nachgedacht wurde. Die Volkstanzgruppe, das Vokalensemble und das Orchester des Privaten Litauischen Gymnasiums präsentierten unter der Leitung von Gintaras Rucys optisch und akustisch die Republik Litauen in ihren malerischen Trachten und den unverwechselbaren Weisen, die man von den Veranstaltungen der baltischen Mitbürger her kennt.

    Cheforganisator Erwin Walter ließ es sich nicht nehmen, zwei selbst gereimte Mundartgedichte zum Besten zu geben. In dem einen erzählte er recht ausführlich über die frühsten Anfänge des Dorfes Hüttenfeld, über das benachbarte und untergegangene Dorf Seehof und wie sich die Hüttenfelder so langsam emanzipierten und sich zu einem eigenständigen Stadtteil Lampertheims entwickelten. Ein paar liebevoll gemeinte Seitenhiebe auf die „Hauptstadt“ waren dabei nicht unbedingt böse gemeint, aber bei Erwin Walter meist obligatorisch. Im zweiten Gedicht erzählt Walter eine Anekdote, die sich bei der Einweihung des Bürgerhauses vor 35 Jahren zugetragen haben soll. Hierbei testeten einige Lausbuben aus, wieviele Leute man in die Toilette der Umkleidekabine bekommen kann. Das Ergebnis: es wurde eindeutig als zu klein empfunden. Die Hüttenfelderin Diana Lay brachte dann mit ihren Mädchen der Sportakrobatik aus Nieder-Liebersbach atemberaubende Kunststücke auf die Bühne. Hier konnte man einige junge Hüttenfelder Mädchen bestaunen, die zum Teil schon recht erfolgreich in ihrer Sportart waren. Darunter Emily Neher, Lara Neher, Luisa Oppelt, Sophia Eichenauer, Fabienne Lay und Seraphina Maul, die mehrmals die Plätze 1 bis 3 bei den Hessischen Meisterschaften erreichen konnte.

    Ein Highlight des Nachmittages war das ersehnte Mundartstück „Vollmilch fettfrei“, das Heinrich Karb vor 35 Jahren zur Einweihung des Bürgerhauses extra geschrieben hatte. Der Zwiburianer Bruno Ehret hat das Stück modifiziert und es konnten fast alle Schauspieler von damals für diese Neuauflage gewonnen werden. Hans-Jürgen Schuster, Erwin Walter, Bruno Ehret, Lothar undAdrian Steier, Gabi und Dietrich Thomas (seinerzeit noch nicht miteinander verheiratet), Wolf Henrichs und Rainer Ehret erfreuten das Publikum mit der Geschichte, die sich einst auf dem „Berghaisel“ an der Milchannahmestelle zugetragen haben könnte. Dieser Ort war seinerzeit der Treffpunkt der Hüttenfelder Milchbauern zum Plaudern und „Dumm Zeig babble“. Der 10-jährige Dane Ehret komplettierte das Ensemble, denn schließlich musste ja einer den Buben spielen. Viele der Älteren im begeisterten Publikum haben auch die eine oder andere Persönlichkeit erkannt, die sich hinter dem Pseudonymen „de Landrat“, „Asse“, „die Rout“oder „de Stobbes“ verborgen haben.

    Die beiden Erwachsenenchöre des MGV 1892 Sängerbund Hüttenfeld rundeten dann den „einheimischen“ Part ab. Der Frauenchor wurde von Marc Bungert geleitet und die Männer standen unter der altbewährten Leitung von Willi Moos. Den Abschluss des Nachmittages bildete das Varietée-Theater „Olga und das Schlossgespenst“, Die Klabauterfrau Olga (Annette Will) lebt auf einem schwankenden Schiffstau. Jeden Morgen kommt der Ostwind (Andrea Engler) durch die Luft gesaust und bringt ihr die Zeitung vorbei. So erfährt sie vom Raub einer Schatzkiste aus dem Schloss. Was dies alles mit dem verdatterten Schlossgespenst Swumpen (Axel Swumpen) zu tun hat, kam erst nach vielen Verwirrungen ans Tageslicht. Das Stück bot lebhaften Unterhaltung nicht nur für die Kinder. Mit akrobatischen Einlagen, atemberaubenden Jonglagen mit Bällen, Keulen und Hula-Hoop-Reifen bildeten sie den glanzvollen Abschluss des offiziellen Programmes. Ortsvorsteher Karlheinz Berg und alle Gäste konstatierten einen bemerkenswerten Nachmittag und zollten Dank an alle Beteiligten. Kulinarisch wurden die Besucher an den beiden  Tagen vom Hüttenfelder Catering-Service Andolfatte verwöhnt, sowie von einem reichhaltigen Kuchenbuffet, das die Kirchengemeinden gemeinsam organisierten. ehr

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