Zweiter Betreuungszug des DRK Bergstraße im Aufnahmelager für Flüchtlinge in Bensheim im Einsatz
Ein Einsatz der ganz besonderen Art
Im Einsatz für die Flüchtlinge:Das DRK beweist in Bensheim Engagement und Menschlichkeit. Foto: oh
BENSHEIM – Von Samstag bis Mittwoch waren die Helfer des zweiten Betreuungszuges Bergstraße im Aufnahmelager für Flüchtlinge in Bensheim im Einsatz. Als die Mitglieder des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) in der vergangenen Woche eine Anfrage des Regierungspräsidiums Darmstadt zur kurzfristigen Betreuung der Flüchtlingsunterkunft in Bensheim bekamen, gab es nur wenig Zeit, um das Material und die Fahrzeuge zu richten. Auf die ehrenamtlichen Helfer warteten Aufgaben von der Betreuung, Registrierung bis hin zur Essensausgabe.
Dieser Einsatz für die Katastrophenschutzeinheit im Kreis Bergstraße, welche in der DRK Ortsvereinigung Heppenheim stationiert ist, sollte kein ganz normaler Einsatz werden. Die Rotkreuzler berichten von neuen Erfahrungen und bewegenden Geschichten. „Zum ersten Mal hatte ich in einem Katastrophenschutzeinsatz das Gefühl wirklich gebraucht zu werden“, so eine Helferin der Ortsvereinigung Heppenheim.
Unterstützung bekamen die Helfer aus Heppenheim von vielen anderen DRK Ortsvereinigungen im Kreis Bergstraße sowie von Helfern des Technischen Hilfswerks (THW) und der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG), welche sofort Ihre Unterstützung angekündigt hatten. Der Einsatzleiter und Zugführer des Betreuungszuges, Konrad Eisenhauer, berichtete von einem starken Zusammenhalt und einer hohen Einsatzbereitschaft der Hilfsorganisationen im Kreis.
Bei der Ankunft der ersten Flüchtlinge am Samstag bekamen die ehrenamtlichen Helfer, welche teilweise von ihrem Arbeitgeber freigestellt wurden, einen ersten Eindruck von der persönlichen Situation einzelner Asylbewerber. Viele Flüchtlinge stiegen in kurzer Kleidung und ganz ohne Gepäck aus dem Bus, das Leid war ihnen ins Gesicht geschrieben, so das DRK. Einige Kleinkinder hatten nicht einmal Schuhe zum Anziehen.
Die aufgenommenen Flüchtlinge in Bensheim kommen aus unterschiedlichsten Regionen und nur wenige beherrschen die englische Sprache. Dank zahlreicher Übersetzer konnten die Rotkreuzler den Anliegen der Flüchtlinge nachgehen. Zu Beginn wurde klar, dass die Lagerbewohner auf neue und warme Kleidung angewiesen sind. Mitglieder der Wohlfahrts und Sozialarbeit des DRKs kümmerten sich sofort um die Errichtung einer Kleiderausgabestelle, diese wurde von den Flüchtlingen dankbar angenommen.
Ganz ungefährlich war der Einsatz in Bensheim für die Rotkreuzler nicht. Schon alleine durch die unterschiedlichen Religionen und Kulturen, die im Camp aufeinanderstoßen, konnten die Helfer nicht ganz unbedarft in den Einsatz gehen. Die Zusammenarbeit mit dem Securitydienst wurde ebenfalls positiv hervorgehoben. Familien und Frauen hingegen drückten ihre tiefste Dankbarkeit gegenüber den Ehrenamtlichen aus. „ Es ist unglaublich, wie glücklich man einen Menschen mit einer Decke und einem Kissen machen kann“, so ein Rotkreuzler.
Dreimal am Tag gab es für alle Bewohner eine Mahlzeit, welche im Essenszelt eingenommen werden konnte. Schon lange vor dem Start der Essensausgabe bildeten sich lange Schlangen auf dem Platz, um als erstes etwas abzubekommen. Essen und Trinken war für einige Flüchtlinge keine Selbstverständlichkeit. Ein Helfer berichtete von einem kleinen Jungen, der seinen Eltern eine Tasse mit heißem Wasser holen wollte und gestolpert ist. Trotz der Schmerzen aufgrund des heißen Wassers auf seiner Hand wollte er die Tasse nicht loslassen, um sich versorgen zu lassen. Die Angst, er könne seinen Eltern kein Getränk mitbringen, überwog.
Einige Familien haben ihren Vater oder ihre Mutter auf der Flucht verloren oder mussten Freunde und Angehörige zurücklassen. Eine Frau im Camp erwartet im September ihr Baby. Diese und viele weitere Schicksale warteten auf die Mitglieder des Betreuungszuges. Erstaunlich war die große Resonanz der Mitbürger in Bensheim und umliegenden Städten, welche auf unterschiedlichste Art und Weise ihre Hilfe anboten.
Am Mittwochmorgen verabschiedeten sich die ehrenamtlichen Rotkreuzler des zweiten Betreuungszuges Bergstraße nach fünf anstrengenden und bewegenden Tagen aus dem Flüchtlingscamp und blicken positiv auf die geleistete Arbeit zurück. Übernommen wurde die Arbeit im Lager von der hauptamtlichen Service GmbH des DRK Landesverbandes Hessen. ZG