OBDACHLOSENUNTERKUNFT: Standort im Gebiet Steinlache geplant?
„Ein Hilfeschrei der Anwohner“
Die Anwohner im Gebiet der Steinlache wollen keinen sozialen Brennpunkt in ihrer Nähe. Mit einem frühzeitigen „Hilfeschrei“ wenden sie sich an die Verantwortlichen der Stadt Bürstadt. Foto: Hannelore Nowacki
BÜRSTADT – Alarmstimmung in der Steinlache. Plant die Stadt Bürstadt „nördlich der Bobstädter Straße“ eine Notunterkunft für Wohnungslose? Das ist die Vorgeschichte: In der Stadtverordnetenversammlung am 20. Mai wurde der Weg für einen neuen Bebauungsplan freigemacht und am 3. Juni befasste sich der Umwelt- und Stadtentwicklungsausschuss in öffentlicher Sitzung mit dem Thema neue Standorte für die Unterbringung von Obdachlosen. Bei dieser Standortsuche geht es auch um einen Neubau oder Module im Gebiet „nördlich der Bobstädter Straße“. Aus der Zeitung hatten Anwohner davon erfahren und umgehend die Nachbarschaft in den umliegenden Straßen informiert. Karlheinz März und Heinz Huth hatten kaum Mühe 70 Familien für ihre Liste zusammenzubekommen. Der Erfolg zeigte sich am späten Montagnachmittag – pünktlich um 17 Uhr waren etwa 50 Familien und fast 30 Kinder vor allem aus dem Bereich Steinlachstraße bis zur Hammstraße zum Treffpunkt in der Bobstädter Straße gekommen. Das Wetter war nicht gerade einladend sich längere Zeit auf der Straße aufzuhalten, dennoch diskutierten viele Anwohner noch weiter, alsschon viele Familien mit den Kindern nach Hause gegangen waren. Nicht alle Angemeldeten hatten kommen können, was den Erfolg des Anwohnerprotests nicht schmälerte, wie die Organisatoren erklärten. „Ein Hilfeschrei der Anwohner“. So soll über diese Aktion berichtet werden, wünschen sich die Anwohner, wie es Karlheinz März formulierte. Ehefrau Martina März und weitere Anwohner erzählen, was sie früher schon mal in dieser Gegend mit einem sozialen Brennpunkt erlebt haben. Die Gebäude seien später abgerissen worden. „Mittlerweile hat sich hier ein schönes Wohngebiet entwickelt“, meinten die versammelten Anwohner einmütig. Ins Neubaugebiet seien viele junge Familien mit kleinen Kindern gezogen, die in Bürstadt eine Stadt mit Herz und ruhiges Wohnen erwartet hätten. Eine andere Geschichte sei, dass es den bekannten Ärger mit den nächtlichen Fahrten von Lastwagen einer Spedition und Lärm vom hiesigen Gewerbe gebe. Sehr genau haben die Anwohner verfolgt, was seit vielen Jahren von der Obdachlosenunterkunft in der Görlitzer Straße bekannt ist, einschließlich der Probleme mit Drogenabhängigen, Lärm, Polizeieinsätzen und sonstigen Auswirkungen auf das soziale Umfeld. „Sie glauben gar nicht, was wir damals in all den Jahren mitgemacht haben“, meldete sich Margit Held zu Wort, „wir wollen rechtzeitig offengelegt haben, was geplant wird“. Wie Martina März hält auch Monica Wenchel eine Obdachlosenunterkunft in diesem Gebiet „unzumutbar für kleine Kinder – keiner will es“. Kinder sollen sich frei entwickeln können, auch alleine zum Bäcker gehen können, das alles sei gefährdet. An Vorschlägen, wo die Wohnungslosen und Hilfebedürftigen untergebracht werden könnten, mangelt es den Anwohnern nicht, beispielsweise am Standort des bisherigen Bauhofs oder am Freizeitkickergelände. Ihre Argumente richten sich nicht menschlich gegen Wohnungslose, auf diesen Hinweis legen die Anwohner wert. Heinz Huth hatte sich vor einer Woche mit seiner E-Mail persönlich an die Bürgermeisterin gewandt, um zu erfahren, ob die Bobstädter Straße als Standort für die Notunterkünfte der Wohnungslosen zur Debatte stehe und wie gehört, die Stadtverwaltung bereits Gespräche wegen des Standorts mit der Firma Kühn geführt habe. Im Auftrag kam die Antwort von der Assistenz der Bürgermeisterin: „Dies trifft nicht zu. Frau Bürgermeisterin Barbara Schader lässt Sie herzlich grüßen und bleibt in Kontakt mit Ihnen“. Eine Antwort, die Heinz Huth wie auch andere Anwohner nicht zufrieden stellte. Martina März bedauerte zudem, dass sie von Uwe Metzner, der auf Facebook vom Ende der nicht sanierungsfähigen Notunterkunft in der Görlitzer Straße gepostet hatte, auf ihren Kommentar keine Antwort erhalten habe. Bevor sich die Versammlung im Regen auflöste, fasste Martina März die Stimmung zusammen: „Von uns kommt ein klares Nein, ein menschliches Nein – wir haben auch ein Stimmrecht“.Hannelore Nowacki