
LAMPERTHEIM – Vier Jahrzehnte Engagement für Menschen, zahlreiche bewegende Geschichten und ein gemeinsamer Blick in die Zukunft: Am 8. Oktober feierte die AWO Bergstraße das 40-jährige Jubiläum ihrer Suchthilfe & Prävention PRISMA. Rund 80 Gäste aus Politik, Kommunen, Fachverbänden und sozialen Einrichtungen kamen in der Notkirche der Evangelischen Lukasgemeinde in Lampertheim zusammen, um auf das Erreichte zurückzublicken und über die Zukunft der Suchthilfe zu diskutieren.
Menschen begleiten, Perspektiven schaffen
Zu den Gästen zählten unter anderem die Erste Kreisbeigeordnete Angelika Beckenbach, Lampertheims Bürgermeister Alexander Scholl. Durch die Veranstaltung führte Nikita Girard, Leiterin des Fachbereichs Suchthilfe & Prävention PRISMA. Nach den Grußworten nahm sie die Gäste mit auf eine Reise durch die 40-jährige Geschichte der Einrichtung und gab einen Ausblick auf aktuelle Herausforderungen und zukünftige Entwicklungen. Die Geschichte von PRISMA begann am 5. März 1986 mit der Eröffnung der ersten Jugend- und Drogenberatungsstelle in der Wormserstraße in Lampertheim. Was zunächst als Beratungsangebot für Menschen mit Problemen im Zusammenhang mit illegalen Drogen begann, entwickelte sich über vier Jahrzehnte zu einem um- fassenden Hilfsangebot für Menschen mit substanzgebundenen Abhängigkeiten und Verhaltensabhängigkeiten sowie deren Angehörige. Mit dem Ausbau der Beratungsangebote in Viernheim und Bensheim, der Einrichtung einer Fachstelle für Suchtprävention und weiteren spezialisierten Angeboten hat sich PRISMA zu einer wichtigen Anlaufstelle im Kreis Bergstraße entwickelt. Dabei steht der Mensch im Mittelpunkt. „Wir begegnen allen Menschen mit Respekt, Empathie und auf Augenhöhe“, betonte Fachbereichsleiterin Nikita Girard bereits im Vorfeld des Jubiläums. Ziel sei es, Betroffenen einen geschützten Raum zu bieten, in dem sie Vertrauen fassen und individuelle Wege aus schwierigen Lebenssituationen entwickeln können.
520 Steine – 520 Menschen – 520 Geschichten
Ein bewegendes Zeichen für die Bedeutung der Suchthilfe setzten 520 Steine, die stellvertretend für die 520 Menschen standen, die im Jahr 2025 Unterstützung durch die Suchtberatung von PRISMA erhalten hatten. Jeder einzelne Stein symbolisierte einen Menschen mit seiner persönlichen Geschichte, seinen Herausforderungen und seinem individuellen Weg. Diese Darstellung machte auf besondere Weise sichtbar, wie viele Menschen auf die Unterstützung der Suchthilfe angewiesen sind und welche Bedeutung die Beratungsangebote für die Region haben.
Jugend. Konsum und Medien: Neue Herausforderungen für die Suchtprävention
Einen fachlichen Höhepunkt bildete der Vortrag „Jugend, Konsum & Medien“ von Stefanie Bötsch, Suchttherapeutin und Gründerin von Psychoaktiv. Sie beschäftigte sich mit aktuellen Konsumformen Jugendlicher und den Herausforderungen, die insbesondere digitale Medien für die Suchtprävention mit sich bringen. Auch abseits des offiziellen Programms nutzten die Gäste die Gelegenheit, miteinander ins Gespräch zu kommen, Erfahrungen auszutauschen und bestehende Netzwerke zu stärken.
Zukunftswerkstatt: Wie muss sich Suchthilfe weiterentwickeln?
Ein zentraler Bestandteil des Jubiläums war die anschließende Zukunftswerk- statt. An drei thematischen Stationen diskutierten die Teilnehmenden über aktuelle Herausforderungen, bestehende Unterstützungsangebote und Perspektiven für die zukünftige Ausrichtung der Suchthilfe. Ein Schwerpunkt lag auf der Beratung von Angehörigen. Dabei wurde deutlich, dass die bestehenden Angebote noch zu wenig bekannt sind. Vielen Menschen ist nicht bewusst, dass die Beratung von PRISMA kostenfrei ist und auch Angehörigen offensteht. Ein weiteres Thema war die Stärkung der Suchtprävention. Angesichts sich verändernder Konsumformen und gesellschaftlicher Entwicklungen wurde die Bedeutung frühzeitiger, bedarfsgerechter Präventionsangebote hervorgehoben. An einer dritten Station standen die Anliegen und Herausforderungen der Klientinnen und Klienten im Mittelpunkt. Die Ergebnisse der Zukunftswerkstatt zeigten, wie wichtig es ist, Beratungsangebote kontinuierlich weiterzuentwickeln, Zugangsbarrieren abzubauen und Menschen möglichst frühzeitig zu erreichen.
Starke Suchthilfe braucht verlässliche Finanzierung
Neben der fachlichen Weiterentwicklung rückte auch die langfristige Finanzierung der Suchthilfe in den Fokus. Denn der Erhalt und Ausbau bedarfsgerechter Beratungs- und Präventionsangebote erfordert eine verlässliche finanzielle Grundlage und die Unterstützung von Politik und Gesellschaft. Bereits im Vorfeld des Jubiläums hatte AWO-Geschäftsführer Marius Schmidt auf die Bedeutung einer kostendeckenden Refinanzierung hingewiesen: „Die Bürger müssen sich darauf verlassen können, Unterstützung zu erhalten, wenn sie diese benötigen.“ Auch während der Jubiläumsveranstaltung wurde sichtbar, dass die Sicherung der Suchthilfe eine gesamtgesellschaftliche Verantwortung ist. Der Kreis Bergstraße setzte dabei ein wichtiges Signal, dass die Unterstützung der Suchthilfe weiterhin einen hohen Stellenwert einnimmt. Für die kommenden Jahre möchte PRISMA insbesondere die Jugend-, Familien- und Elternarbeit sowie niedrigschwellige Unterstützungsangebote weiterentwickeln. Zusätzliche Mittel des Kreises Bergstraße eröffnen hierfür bis 2028 neue Möglichkeiten. red
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