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  • Di., 04. Februar 2020, 09:32 Uhr
    Gedenkveranstaltung anlässlich des 75. Todestages des Lampertheimer Ehrenbürgers Pater Alfred Delp und offizielle Übergabe des umgestalteten Alfred-Delp-Platzes 

    „Ein leuchtendes Beispiel in einer dunklen Zeit“

    Kranzniederlegung vor dem Stolperstein und der Erinnerungstafel an Alfred Delp am Haus „Zum Schwanen" durch Staatssekretär Thomas Metz und Bürgermeister Gottfried Störmer. Foto: Sigrid Samson


    LAMPERTHEIM – Einem besonderen Menschen, der in einer schweren Zeit Mut und Rückgrat bewiesen hatte, wurde am vergangenen Sonntag in gebührender Art und Weise gedacht; nämlich dem Lampertheimer Ehrenbürger Pater Alfred Delp. Er wurde am 15. September 1907 in Mannheim geboren und war aufgewachsen im Lampertheimer Stadtteil Hüttenfeld. Pater Delp war ein deutscher Jesuit und Mitglied des Kreisauer Kreises im Widerstand gegen den Nationalsozialismus. Exakt am 2. Februar vor 75 Jahren wurde er durch das Nazi-Regime getötet – hingerichtet in Berlin-Plötzensee. 

    Auf Einladung von Bürgermeister Gottfried Störmer fand im Anschluss an den Gottesdienst in der St. Andreaskirche am 2. Februar im Sitzungssaal des Stadthauses eine Gedenkveranstaltung anlässlich seines 75. Todestages statt. „Pater Delp ist ein Beispiel dafür, sich aktiv einzusetzen, um die Demokratie zu schützen – ein Mensch, der mit seinem Mut ein leuchtendes Beispiel in einer dunklen Zeit setzte“, wie Landrat Christian Engelhardt ihn lobend bezeichnete. Für die musikalische Untermalung sorgten Cathrin Ambach an der Querflöte, begleitet von Joachim Sum an der Gitarre. Nach der musikalischer Eröffnung der Veranstaltung hieß Störmer die Anwesenden im voll besetzten Sitzungssaal herzlich willkommen, auch im Namen der Stadtverordneten-Vorsteherin Brigitte Stass und dem Ersten Stadtrat Jens Klingler. 17 Jahre lang hatte Delp in Lampertheim gelebt, wie Störmer mitteilte, der ihn als großes Vorbild bezeichnete. Auch Familienmitglieder des Ehrenbürgers wohnten der Veranstaltung bei. Wenn man die politische Entwicklung in jüngster Zeit betrachte, merkte Störmer an, spüre man, dass sich das Klima ändert. „Das dürfen wir nicht zulassen“ appellierte er an die Anwesenden. Delp leistete damals Widerstand und blieb standhaft, was er schlussendlich leider mit seinem Leben bezahlen musste. Die Mahnung an die Gesellschaft sei es, sich für die Demokratie einzusetzen und für die Grundrechte, die uns zustehen. 

    Staatssekretär Thomas Metz ließ in seiner Gedenkrede die einzelnen Stationen im Leben von Alfred Delp Revue passieren. Aus tiefer innerer Überzeugung katholisch, setzte sich Delp stark für die Ökumene ein. Mit seinem Eintritt in den Jesuitenorden stellte er sich in den Dienst der Nächstenliebe. 1937 wurde er zum Priester geweiht und war ab 1939 als Seelsorger in München-Bogenhausen tätig. Er war Mitarbeiter der Zeitschrift „Stimmen der Zeit“, die 1941 durch die NS verboten wurde. Von 1942 an arbeitete er im Kreisauer Kreis um Graf von Moltke mit, um ein Modell für eine neue Gesellschaftsordnung nach dem Ende der Zeit des NS zu entwickeln. Nach dem Scheitern des Umsturzversuches am 20. Juli 1944 wurde Delp festgenommen, obwohl er an den Vorbereitungen des Attentats nicht beteiligt war. Der Prozess gegen ihn wurde eingeleitet, dessen Urteil im Vornherein feststand – „die Demütigung stand hier im Vordergrund“, merkte Metz an. Am 11.1.1945 verurteilte der Volksgerichtshof ihn wegen Hof- und Landesverrat zum Tod am Strang. Der Vorwurf der Mitwisserschaft am Attentat wurde zwar fallen gelassen, doch sein Engagement im Kreisauer Kreis, sein Wirken als Jesuitenpater und seine christlich-soziale Weltanschauung genügten, um ihn zum Opfer der NS-Justiz zu machen. „Es ist unsere gemeinsame Aufgabe, gegen Diktatur einzustehen“ merkte Metz an. Das Einstehen für den Rechtsstaat und die Demokratie sowie eine pluralistische Gesellschaft ist laut Metz aktueller denn je – auch wichtig, der jüngeren Generation zu vermitteln. „Es ist unsere Aufgabe, sein Vermächtnis in die Zukunft zu tragen“ lauteten die Schlussworte seiner beeindruckenden Festrede. 

    Staatssekretär Thomas Metz hielt stellvertretend für den Ministerpräsidenten des Landes Hessen, Volker Bouffier, eine beeindruckende Gedenkrede anlässlich des 75. Todestages von Pater Alfred Delp. Foto: Sigrid Samson


    Landrat Christian Engelhardt bezeichnete Delp in seiner Ansprache als einen „strahlenden Stern und ein leuchtendes Beispiel in einer dunklen Zeit“. „Ich möchte mich verneigen vor ihm“ führte er fort. Die damalige Gesellschaft mit ihren humanistischen Werten und Zielen wurde aufgehetzt durch eine Propaganda, ohne es zu bemerken. Engelhardt stellte unter anderem die Frage, ob wir heute klüger sind, was er persönlich mit einem klaren Nein beantwortete. Meinungs- und Handlungsfreiheit und Schutz von Minderheiten sind nicht selbstverständlich, gab er zu bedenken. Er schloss mit einem Zitat von Dietrich Bonhoeffer „Man muss dem Rad in die Speiche greifen“. Das sei wichtig, wenn unsere Gesellschaft in die falsche Richtung fährt. Die Botschaft Delps sei von  Nächstenliebe und Gottvertrauen gezeichnet. „Als Gesellschaft mahnt uns der Mord an Alfred Delp jedoch auch, wachsam zu sein und Freiheit sowie Menschenwürde zu verteidigen“. Pater Werner Holter SJ erwähnte in seinen Grußworten, dass sich Delp als Geselle Jesu verstanden hatte und dass er ein lebensbejahender Mensch gewesen sei. Auch er lobte das Engagement Delps.

    Im Anschluss fand die Kranzniederlegung vor dem Stolperstein und der Erinnerungstafel  am Haus „Zum Schwanen“ statt. Der Blumenkranz war vom Land Hessen gespendet worden. Viele der Anwesenden machten sich anschließend gemeinsam auf den Weg zum neu gestalteten Alfred-Delp-Platz, wo die Bürgerstiftung ab 12.30 Uhr zur offiziellen Übergabe Platzes eingeladen hatte. Dort fand sich eine neue Info-Tafel, das Denkmal war gesäubert; neue Basaltsteine und zusätzliche Bänke verschönern ab sofort den öffentlichen Platz. Sigrid Samson

     

     

     

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