Fr., 03. Juni 2016, 11:26 Uhr
Stadtverordnetenversammlung stimmte der Planung am Bahnhof zu
Ein Meilenstein der Stadtentwicklung mit Kompromissen

Das heutige Bahnhofsumfeld wirkt eher trostlos. Das soll sich durch die Neugestaltung ändern. Archivfoto: Hannelore Nowacki
BÜRSTADT – Die Pläne zur Neugestaltung des Bahnhofsumfeldes hat die Stadtverordnetenversammlung am Donnerstagabend nach längerer Debatte gegen die vier Stimmen der Grünen beschlossen. Alexander Bauer (CDU) nannte die Neugestaltung „einen Meilenstein der Stadtentwicklung“. Nach dem Marktplatz sei dies das zweite große Infrastrukturprojekt der Stadt Bürstadt in Verbindung mit dem Förderprogramm „Aktive Kernbereiche“. Seit 2008 habe die Stadt Bürstadt 5,2 Millionen Euro Fördermittel erhalten. Zur Neugestaltung des Bahnhofsumfeldes gehöre die Anpassung an moderne Mobilität, das Gebäude in privater Nutzung und die ehemaligen Raiffeisen-Lagerhallen. „In allen Bereichen tut Veränderung Not“, meinte Bauer. Die Landesförderung betrage bis zu zwei Drittel der Kosten. Die Lokale Partnerschaft (LoPa), „ein Bürgergremium“, hätte das Projekt begleitet und versucht, Kritiker einzubinden. Es habe Workshops und Beratungen der LoPa und Bürgerinformationsveranstaltungen gegeben. Die Bürgerinitiative, die eigene Interessen vertrete, sei in der LoPa vertreten. Strittig gewesen sei nicht die Notwendigkeit einer Neugestaltung, sondern das „Wie“. Die Stadtverordnetenversammlung entscheide, welche Maßnahmen zur Bezuschussung eingereicht werden. Ziel sei mehr Aufenthaltsqualität mit mehr Bäumen als vorher. Da Bürstadt eine Pendlerstadt sei, müsse für Barrierefreiheit, Unterstände für Fahrräder, eine Park+Ride-Anlage und Toiletten gesorgt werden. „Der Bahnhof liegt im Herzen unserer Stadt“ und biete Entwicklungschancen für die ganze Stadt. Die optimierte Nutzung müsse in den nächsten fünfzig Jahren funktionieren, meinte Bauer. In der folgenden Debatte äußerte die Opposition Zweifel an dieser Laufzeit. Zu den 32 Längsparkplätzen in der Vincenzstraße kämen 114 neue Park+Ride-Parkplätze. Da die Bahnhofsallee täglich von etwa 2.200 Fahrzeugen befahren werde, seien die Anwohner sogar weniger betroffen als beispielsweise in der Wasserwerkstraße mit 3.000 bis 5.000 Fahrzeugen oder die Mainstraße mit 5.000 bis 9.000 Fahrzeugen täglich. Bauer kündigte an, dass in die Feinplanung Anregungen der Bürgerinitiative aufgenommen werden könnten. Die Bahn wolle am 15. Juli mit der Sanierung und Anhebung der Bahnsteige beginnen. Boris Wenz (SPD) erklärte, dass seine Partei den vorliegenden Plänen zustimmen werde. Das Für und Wider sei in der Fraktion diskutiert worden, alle Bedingungen seien erfüllt. Kompromisse müsse man wie bei den Bäumen eingehen. Uwe Metzner, Fraktionsvorsitzender der Grünen, meinte, „eine Nummer kleiner täte es auch“. Locker hätten 300.000 bis 500.000 Euro gespart werden können. Die Aufenthaltsqualität am Bahnhof sieht Metzner in der Verantwortung der Bahn, die jedoch das Bahnhofsgebäude an einen privaten Investor verkauft habe. Metzner kritisierte auch, dass in der LoPa keine Pendler vertreten seien. Wegen der Kosten lehnten die Grünen die Planung ab. Erhard Renz (Grüne) nannte „zwei Knackpunkte“: Die Kosten zu Lasten der Stadt für eine öffentliche Toilette und dass es kein Notfallkonzept bei Störungen für die Zugänglichkeit des Bahnhofs für Behinderte gebe. FDP-Fraktionsvorsitzender Burkhard Vetter hält den „Ist-Zustand für unbefriedigend“, die Parksituation sei „kreuz und quer“. Die Zukunft erfordere öffentliche Mobilität. In der Planung sieht Vetter einen Kompromiss, dem die Fraktion zustimme. Hannelore Nowacki