Kreis Bergstraße schließt Kooperation mit der klinisch-forensischen Ambulanz des Universitätsklinikums Heidelberg
Ein Meilenstein für den Kinderschutz
KREIS BERGSTRASSE – Das Thema Gewalt gegen Kinder und Jugendliche rückt immer mehr ins Bewusstsein der Öffentlichkeit.
Dennoch zeigen die von der deutschen Kinderhilfe veröffentlichten Opferzahlen und die weitaus höhere Dunkelziffer wie wichtig der Kinderschutz ist.
Die Gesellschaft ist aufmerksamer geworden und die Meldungen im Verdachtsfall auf Kindesmisshandlung an das Jugendamt nehmen zu. Jedoch können nur Experten entscheiden, ob Verletzungen durch Misshandlungen entstanden sind oder beispielsweise durch einen unspezifischen Unfall wie einen Treppensturz.
Deshalb hat die Erste Kreisbeigeordnete Diana Stolz gemeinsam mit Prof. Dr. Kathrin Yen, der Ärztlichen Direktorin am Institut für Rechts- und Verkehrsmedizin des Universitätsklinikums Heidelberg, und dem Leiter des Jugendamts, Kai Kuhnert, einen Kooperationsvertrag mit der klinisch-forensischen Ambulanz unterzeichnet.
„Nach der Einrichtung der Stelle des Kinderschutzkoordinators, der im Juni seine Stelle angetreten hat, ist die Zusammenarbeit mit dem Universitätsklinikum Heidelberg ein weiterer Meilenstein zum Schutz des Kindeswohls. Um betroffene Kinder zu schützen, benötigt das Jugendamt die objektive Einschätzung von Verletzungs- und Misshandlungsmustern sowie eine gerichtsfeste Spurensicherung“, erklärte die Erste Kreisbeigeordnete und zuständige Dezernentin Diana Stolz. Der Vertrag zwischen der klinisch-forensischen Ambulanz und einem Jugendamt ist die erste institutionelle Zusammenarbeit dieser Art, betonten Yen und Stolz.
Die Heidelberger Gewaltambulanz ist 24 Stunden am Tag erreichbar. Für die Untersuchung gibt es nur ein enges Zeitfenster, oft muss sie innerhalb weniger Stunden durchgeführt werden. Die Untersuchungsergebnisse werden anschließend ein Jahr lang aufbewahrt. Die Gewaltambulanz ist ein niederschwelliges Angebot für von Gewalt betroffene Menschen, unabhängig von Alter, Geschlecht, Herkunft oder finanzieller Situation. Eine Abklärung in der Gewaltambulanz sorgt für Gewissheit und kann auch für Eltern entlastend wirken. Die ärztlichen Befunde sind zwar gerichtsfest, führen aber nicht automatisch zu einer Anzeige.
Die Meldungen von Kindeswohlgefährdungen im Kreis Bergstraße haben sich in den vergangenen 5 Jahren um 25 Prozent reduziert. 2016 wurden im Jugendamt Heppenheim 157 vermutete Kindeswohlgefährdungen angezeigt. 2012 waren es noch 211 Fälle. Von den im Jahr 2016 als gefährdet gemeldeten 157 Kindern und Jugendlichen gab es für 90 nach der Risikoeinschätzung Entwarnung: Es wurde keine akute Gefährdung sondern ein Beratungsbedarf festgestellt. Bei weiteren 54 Kindern wurde eine unzureichende Förderung wahrgenommen. Eine Kindeswohlgefährdung durch psychische oder physische Schädigungen lag in 13 Fällen vor.
Jeder Meldung wird je nach Gefahrenlage mit einem unangemeldeten Hausbesuch und persönlicher Einbeziehung des Kindes nachgegangen. Dabei werden Kinder und Eltern beteiligt, wenn es die Situation erlaubt. Eltern dürfen immer bei der Überprüfung mitwirken und über die Schulter der Kinderschützer schauen. Diese transparente Vorgehensweise beugt Konflikte vor.
Jeder Einzelfall wird individuell betrachtet mit dem Ziel, herauszufinden, was dem Kind wirklich passiert ist.
„Wir haben das Wohl des Kindes besonders im Blick. Kinderschutz ist jedoch nicht nur eine Aufgabe der Institution Jugendamt, sondern vielmehr ein gesamtgesellschaftlicher Auftrag. Es geht darum, zu sensibilisieren und hinzusehen anstatt wegzuschauen, wenn Kinder in Not sind“, appelliert die zuständige Dezernentin abschließend. zg