
LAMPERTHEIM – Bei schönstem Hochsommerwetter trafen die rund zwanzig Teilnehmer der SPD-Sommertour mit dem SPD-Fraktionsvorsitzenden Jens Klingler an der Spitze am frühen Dienstagabend vor der Kirche Mariä Verkündigung ein, um von Pfarrer Christian Rauch aus erster Hand zu erfahren, wie es mit dem Ensemble aus Kirche, Alten- und Pflegeheim und Kita weitergeht. Von der Abendsonne angestrahlt, leuchtete der Kirchturm, der zur stadtprägenden Silhouette gehört. Auch das baufällige frühere Jugendheim, das wie das nicht mehr genutzte Pfarrhaus irgendwann abgerissen werden soll, gehört zu diesem Areal am Alfred-Delp-Platz. „Ein Sahnestück, was ihr als Kirche hier habt“, meinte Klingler angesichts der flächenmäßigen Ausdehnung. Diese Einschätzung bekräftigte Pfarrer Rauch, der die Pfarrei Alfred Delp Südliches Ried leitet: „Wir reden hier über ein Filetstück in Lampertheim“. Es gehe hier um ein Quartier in Verbindung mit dem neu angelegten Alfred-Delp-Platz, nicht nur um ein Grundstück.
Foto: Hannelore Nowacki
Nach sieben mageren Jahren
Seit sieben Jahren habe er das Areal entwickeln wollen, doch es seien „magere Jahre“ geworden, bedauert Pfarrer Rauch. Rückschläge habe es gegeben. Mit Blick auf die Bibel könnten die „fetten Jahre“ jetzt folgen. Tatsächlich rechnet Pfarrer Rauch mit einem Zeitraum von nicht weniger als sieben Jahren für wegweisende Entscheidungen, an denen der ehrenamtliche Verwaltungsrat der Pfarrei unter seinem Vorsitz beteiligt sei. Nachdem das Kirchendach baufällig wurde, sei die Kirche seit Ende 2020 geschlossen, im Inneren sei alles wie damals in der Coronazeit geblieben, auch die markierten Wege. Das Dach sei mittlerweile für 80.000 Euro repariert, denn auch ein Abriss wäre nur bei sicherem Dach möglich. Profanisiert sei die 1954 eingeweihte Kirche jedoch nicht. Allerdings ärgert sich Pfarrer Rauch über den Vandalismus, Fenster sind eingeschlagen und der Blitzableiter teilweise als den Halterungen gerissen. Gottesdienste mit einladendem Glockenläuten werden weiterhin in der Kapelle im Alten- und Pflegeheim gehalten, zu denen auch auswärtige Besucher willkommen seien. Von Stadträtin Petra Brandt auf den kürzlich erfolgten Verkauf des betreuten Wohnens mit 50 Wohnungen an einen privaten Eigentümer angesprochen, meinte Rauch, dass er vom neuen Eigentümer persönlich einen guten Eindruck habe. Weiterhin könnten die Bewohner an den Angeboten des Alten- und Pflegeheims teilnehmen. Die 1973 für 123 Bewohner eröffnete Senioreneinrichtung komplett neu bauen oder sanieren? Das waren über Jahre die Fragen beim Caritasverband Darmstadt. Die Sanierungspläne platzten 2019 wegen zu hoher Kosten von etwa 15 Millionen Euro, berichtete Pfarrer Rauch. Im Vorfeld der geplanten Sanierung wurde die Zahl der Pflegeplätze auf rund 80 reduziert und zwei Etagen bis heute stillgelegt. Glücklich ist Pfarrer Rauch nicht beim Blick auf das Hochhaus, das auf ihn eher wie ein Krankenhaus wirke und keinen modernen Pflegebetrieb biete. Doch jeden Tag erhalte die Pflegeleitung über 30 Anfragen. Der Neubauplan für ein dreistöckiges Gebäude mit 72 Pflegeplätzen zu Gesamtkosten von 13 Millionen Euro auf dem Gelände des abzureißenden Jugendheims, den der Caritasverband 2024 den politischen Gremien der Stadt Lampertheim vorgestellt hatte, wurde bald darauf wegen explodierender Baukosten auf Eis gelegt. Der Mitgliederschwund habe zum Projektstopp beigetragen, vor allem wegen der Sanierung der Suchtklinik Falkenhof bei Bensheim habe der Caritasverband kein Geld für Mariä Verkündigung. In die Sanierung werden nun 400.000 Euro gesteckt, 2029 soll erneut das weitere Vorgehen geprüft werden. „Niemand näht neuen Stoff auf ein altes Kleid“, meint Pfarrer Rauch dazu.
Foto: Hannelore Nowacki
In alle Richtungen denken – ein Traum für Jung und Alt
Für die Zukunft habe die Großpfarrei vom Bistum Mainz grünes Licht für Entscheidungen bekommen: „Ermuntert, in alle Richtungen zu denken“. Wie Pfarrer Rauch erläuterte, könne das den Abriss von Gebäuden ebenso betreffen wie den Verkauf von Grundstücken. Was aus seiner Sicht manches erleichtern könnte, denn sein Traum sei hier Alte und Junge zusammenzubringen. Zum Thema Kindergarten werde er mit Bürgermeister Alexander Scholl (CDU) Anfang August ein Gespräch zu belastbaren Zahlen haben, denn neuerdings stelle sich die Frage nach Mehrbedarf weniger. Den Platz der bisherigen Kita Mariä Verkündigung würde er bei einem Neubau durch die Stadt als „Haus im Haus“ in der Gebäudehülle der Kirche der Goetheschule geben, die mehr Platz brauche. Bei einem Neubau des Alten- und Pflegeheims könnte der Altbau weiter für diverse Einrichtungen der Caritas genutzt werden, es könnten Sozialwohnungen entstehen und im Penthaus hoch oben würde sich eine Gastronomie mit Blick über die Stadt gut machen. Aber, falls alles nicht komme, werde der Verwaltungsrat weitere Vorschläge machen. Als Joker nennt Pfarrer Rauch eine Mehrzweckhalle des Kreises Bergstraße für die Goetheschule und einiges mehr. Stadtverordnete Carola Biehal findet Entscheidungen überfällig und Stadträtin Petra Brandt bemängelt, dass seit 2020 nichts mehr passiert sei. Als Vorsitzende des Seniorenbeirats gibt Ute Striebinger zu bedenken, dass ohne das Pflegeheim Mariä Verkündigung in Lampertheim ein Notstand entstünde. In der Frage „mehr Kita-Plätze“, zeigte sich der SPD-Fraktionsvorsitzende Klingler zurückhaltend. Im Bestand zu sanieren sei jedoch nach den Erfahrungen bei den Kitas Europaring und Guldenweg nicht zumutbar, ein Vorteil sei hier ein Neubau, wobei es nicht um neue Plätze gehe. Anschließend hatte Pfarrer Rauch zu einem gemütlichen Picknick im Pfarrgarten eingeladen, für das die Teilnehmer einiges vorbereitet hatten.
Hannelore Nowacki
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