
BÜRSTADT – Zum „Wunderwerk Erde“ wie der Vortragstitel des Geowissenschaftlers und leidenschaftlichen Fotografen Dr. Christian Klepp lautete, gehört auch das Universum, ebenso wie der Sternenhimmel und die glühenden Tiefen der Erde, das Gestein und das Wasser, die Vegetation und die Tierwelt – und der Mensch. „Wir sind ein Teil der Erde und die Erde ist ein Teil von uns“, sagt Klepp in seiner „Liebeserklärung an unseren Planeten“ und weist eindringlich darauf hin, dass alles miteinander verbunden ist. Seinem rund anderthalbstündigen Vortrag folgte das Publikum im Bürstädter Bürgerhaus konzentriert, immer wieder begeistert von den Fotos auf der Großleinwand, die Klepp zum Teil geduldig in vielen Nächten in der weiten Natur weitab von künstlichen Lichtquellen aufgenommen hat. Allein die faszinierenden Fotos der Milchstraße im Format eines Panoramabogens über verschiedenen Landschaften in dunkler Nacht hätten sieben Stunden Aufnahmezeit erfordert. Tatsächlich aber haben 80 Prozent aller Menschen diese Milchstraße am Nachthimmel noch nie gesehen, wusste Klepp zu berichten. Wenn Klepp „wir sind die Erde“ sagt, meine er mit „wir“ immer die ganze Menschheit. Neben negativen Nachrichten über die Folgen des Klimawandels und das Artensterben, über den Zustand der Erde, betont Klepp eine gute Nachricht, denn wir hätten noch nie so viel über die Erde gewusst. Seine einzigartigen Fotografien zeigen die Naturwunder in fast überirdischer Schönheit, geben aber auch einen Eindruck vom stetigen Wandel mit Gletscherbildern im Vergleich von dreißig Jahren. Wichtig sei ihm die Natur direkt zu erleben. Vor 4,6 Milliarden Jahren sei unser Sonnensystem entstanden.
Foto: Hannelore Nowacki
Die Zuschauer nahm er auf eine Zeitreise über 750 Millionen Jahre in die Vergangenheit mit, als die Drift der Kontinente die Erdteile neu zu formen begann. In unvorstellbar langen Zeiträumen hätten sich Kontinente, Landschaften und Lebewesen verändert und angepasst. Grand Canyon sei vor fünf Millionen Jahren entstanden, der Gesteinskreislauf dauere 1.500 Millionen Jahre. „Sie trinken von der Ewigkeit“, hörte das Publikum, denn Wasser und Wasserstoff sei der älteste Stoff im Universum. Der Wandel sei permanent, aber bis zum Gleichgewicht über Jahrtausende langsam. Dagegen gingen die gegenwärtigen Veränderungen im Klima viel zu schnell für die erforderlichen Anpassungen. Am Ende spendeten die Zuschauer anhaltend Beifall. Klepp beeindruckte mit seinem breiten Wissen und der mitreißenden Erzählweise. Studiert hat er Meteorologie und Geologie, promovierte an der Uni im Fachbereich Geowissenschaften in seiner Heimatstadt Hamburg, lehrte und forschte dort und am Max-Planck-Institut für Meteorologie bis ihn vor sechs Jahren mit der Liebe zum Planeten die Abenteuerlust packte und seinen Beruf mit der Landschaftsfotografie verschmolz. Als Referent war er der Einladung der VR Bank Ried Überwald für die jährliche Veranstaltungsreihe „Live erleben“ gefolgt, die seit 31 Jahren mit „klugen Köpfen und vor allem Abenteurern“ das Publikum in ihren Bann zieht, wie Vorstandsvorsitzender Claus Diehlmann in seinen einleitenden Worten erklärte und sich mit dem Referenten mit Blick auf den Planeten einig zeigte: „Ein Wunderwerk, das unsere Fürsorge verdient“. Zur Veranstaltung bei freiem Eintritt hatten sich 580 Zuschauer angemeldet.
Hannelore Nowacki
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