Fr., 28. Januar 2022, 08:51 Uhr
CORONA: Nicht angemeldete „Montagsspaziergänge“ friedlich verlaufen
„Ein Zeichen gesetzt“ - mit Gegendemo und Menschenkette in Lampertheim
BÜRSTADT/LAMPERTHEIM – Am Historischen Rathaus war am Montagabend Treffpunkt für den behördlich nicht angemeldeten „Montagsspaziergang“, für den jedoch durch Zetteleinwurf in die Briefkästen geworben worden war. „Deutschland sagt NEIN zur Willkür. Zeige auch Du deine Meinung“ war darauf zu lesen. In der Nibelungenstraße hatten die meisten Geschäfte schon geschlossen, als die Menschen in langer Reihe auf dem Gehweg in der Nibelungenstraße Richtung Vetter Moden gingen. Ein Pressesprecher des Polizeipräsidiums Darmstadt teilte auf telefonische Anfrage mit, dass diese nicht angemeldete Veranstaltung mit 50 Teilnehmern friedlich und ohne besondere Vorkommnisse verlief. In Lampertheim zählte die Polizei etwa 70 Montagsspaziergänger und 230 Teilnehmer der angemeldeten
Gegendemonstration mit Menschenkette am Schillerplatz und in der Kaiserstraße, zu der der frühere Bürgermeister Erich Maier und Mitorganisator Hans Linke zum zweiten Mal aufgerufen hatten. Auch hier war nach Angaben der Polizei alles friedlich verlaufen. Mit „Montagsspaziergängern“ ins Gespräch zu kommen war nicht schwierig, doch wollte niemand seinen Namen öffentlich preisgeben. „Wir sind Deutsche wie andere auch“, erklärte ein Mann, der auch erzählte, er habe an den Bundespräsidenten geschrieben, um sich gegen die Diffamierung der „Spaziergänger“ zu wenden. Im Antwortschreiben sei nicht auf seine Argumente eingegangen worden, nur von schweren Zeiten die Rede gewesen. Der Medizinsektor solle mehr Geld bekommen und verstaatlicht werden, Gesundheitsleistungen dürften nicht kommerziell sein, dafür trete er ein. Besorgt zeigte er sich, dass immer weniger Krankenschwestern immer mehr Patienten versorgen müssten. Seine Frau fand zudem die berichteten Teilnehmerzahlen in den Medien nicht korrekt wiedergegeben. Die beiden erzählten, dass sie ursprünglich aus dem Osten kämen, damals hätten sie sich für die Wende eingesetzt und jetzt würden wegen des Virus die Grundrechte eingeschränkt. Eine andere Frau warf ein, dass die hohe Impfquote nicht zu reduzierten Inzidenzen geführt habe. Ein junges Paar meinte „das Leben geht doch weiter“. Zum ersten Mal seien sie dabei, früher aber schon mal bei einer Friedensdemonstration in Ramstein gewesen. Medien wie der Spiegel würden nicht korrekt berichten. Erich Maier wollte sich bei der Teilnehmerzahl der Gegendemonstration in Lampertheim nicht exakt festlegen, er schätzte etwa 240, was weniger sei als eine Woche zuvor, aber immerhin habe die Menschenkette bis zur Volksbank gestanden. Mit Schals und Tüchern seien die Abstände gehalten worden. Wie in der Vorwoche habe er die Teilnehmer begrüßt und erklärt, es gehe darum, dass auch die Stillen im Lande Flagge zeigen wie es auch der Bundespräsident formuliert habe. Dies sei auch die Mehrheit in Lampertheim. Das geordnete Ende der Aktion fand nach einer halben Stunde statt, so wie er es zu Beginn angekündigt hatte. Wieder habe es sehr positive Rückmeldungen gegeben, doch erst einmal sei keine weitere Aktion geplant: „Wir haben es zweimal gemacht und ein Zeichen gesetzt“.
Hannelore Nowacki