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Mo., 08. November 2021, 09:23 Uhr
GEDENKEN: Ausstellung „Namenssteine – die Stolpersteine in Lampertheim” bis 27. November im Schillercafé
Einblicke in das Leben früherer jüdischer Mitbürger
„Namenssteine“ – die Ausstellung in den Schaufenstern des Schillercafés am Schillerplatz, Kaiserstraße 28a, ist noch drei Wochen zu sehen. Im Bild: Bürgermeister Gottfried Störmer (links) bei der Ausstellungseröffnung mit Silke Reis und Manfred Scholz, den beiden Organisatoren vom Fachbereich 40. Foto: Hannelore Nowacki
LAMPERTHEIM – „Verwehte Spuren – Jüdisches Leben in Lampertheim“ heißt die Bildungs- und Aktionswoche zum Thema Antisemitismus der Amadeu Antonio Stiftung und des Anne-Frank-Zentrums, die zum ersten Mal in Lampertheim mit einer eigenen Veranstaltungsreihe stattfindet. Doch es gibt sichtbare Spuren in Lampertheim, die vom Schicksal der jüdischen Mitbürger in Lampertheim Zeugnis ablegen. Die jüdischen Opfer des Nationalsozialismus sind nicht vergessen, nach und nach werden Stolpersteine an ihrenletzten freiwillig gewählten Wohnsitzen verlegt. Zurzeit sind schon 46 Stolpersteine in die Gehwege eingefügt, jährlich wächst ihre Zahl. Seit einigen Wochen erinnern Stolpersteine auf dem Gehweg vor der Kaiserstraße 19 an die Familie Althausen. Beim Blick auf diese Messingsteine mit den Namen und kurzer Schicksalsgeschichte stolpert man plötzlich hinein in die Vergangenheit, sofern man innehält und liest was dort geschrieben steht. Wenn Künstler Gunter Demnig sie frisch verlegt hat, springen sie golden glänzend ins Auge, später bekommt das Messing eine Patina und man muss aufmerksamer schauen. Für die Ausstellung haben sich die Organisatoren der Stadt Lampertheim für „Namenssteine“ als Titel entschieden. Eine kleine Geschichte gab den Anstoß: Ein kleines Mädchen hatte seine Mutter gefragt: „Mama, was sind das für Namenssteine?“ Antworten will die Ausstellung geben, die noch drei Wochen zu sehen ist. Die Texte aus ihrem Buch „Der Erinnerung Namen geben“ haben Karl Klemm und Volker Ochs für die 13 Rollups in den Schaufenstern des Schillercafé zur Verfügung gestellt. „Wirmöchten den jüdischen Mitbürgern gedenken, die Qualvolles erlebt haben“, sagte Bürgermeister Gottfried Störmer in seinen einführenden Worten, „auch in Lampertheim wurden jüdische Mitbürger Opfer von Schreckenstaten“. Sie wurden verfolgt, deportiert, ermordet, vertrieben und in den Suizid getrieben. Eine jüdische Gemeinde hat es in Lampertheim bis 1938 gegeben, im 17. Jahrhundert wurden erstmals Juden in Lampertheim in Dokumenten erwähnt. Neben der Synagoge gab es ein rituelles Bad und eine Religionsschule, im 19. Jahrhundert wurde der jüdische Friedhof angelegt. Der erste Stolperstein wurde 2007 im Gedenken an Pater Delp verlegt, ab 2014 wurde auf Beschluss der Stadtverordnetenversammlung aus dem Jahr 2012 jährlich mindestens ein Stolperstein ins Pflaster eines Gehweges integriert. Geplant ist mit jeder Verlegung eines neuen Stolpersteins auch die Ausstellung wachsen zu lassen, die nach Ankündigung des Bürgermeisters von Schulen und anderen Einrichtungen ausgeliehen werden kann. Bürgermeister Störmer betonte, es liege in unseren Händen und unserer Verantwortung, dass niemals wieder Menschen wegen ihrer Rasse und Herkunft, Überzeugung und Glauben, Gesundheit und Leistungsfähigkeit selektiert werden.Hannelore Nowacki