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  • Do., 18. Januar 2018, 23:12 Uhr
    Veranstaltung des Behindertenbeirats Lampertheim mit kleiner Einführung in die Gebärdensprache und die Kultur der gehörlosen Menschen

    Einblicke in die Welt der Gehörlosen

    Petra Brandt, Vorsitzende des Behindertenbeirats Lampertheim, gab interessante Informationen über Gehörlosigkeit und eine kleine Einführung in die Gebärdensprache. Foto: Sigrid Samson


    LAMPERTHEIM – Zu einer „Reise in die Welt der Gehörlosen“ lud der Behindertenrat Lampertheim am 18. Januar im barrierefreien Haus am Römer ein. Die Vorsitzende Petra Brandt, gleichzeitig Inklusions- und Präventionsbeauftragte des Deutschen Gehörlosen-Sportverbands, hielt einen interessanten Vortrag über die Gehörlosenkultur, gab Einblicke in die Alltagsschwierigkeiten gehörloser Menschen und lernte mit den Anwesenden erste Vokabeln zur Kontaktaufnahme. Mitmachen und Fragen stellen war hierbei erwünscht. Neben der selbst hochgradig schwerhörigen Brandt waren die beiden Gebärdensprachdolmetscherinnen Eva Zindorf und Roswitha Wagner anwesend, um den Vortrag auch in der Gebärdensprache zu kommunizieren.

    Die Bezeichnung „taubstumm“ sei ein Tabu und gelte laut Brandt als Beleidigung für die Gehörlosen. Sie erwarten von der Gesellschaft, dass sie als gleichberechtigt akzeptiert werden und dass man ihre Sprache und Kultur anerkennt. Die 54-jährige Lampertheimerin, Postbeamtin im Ruhestand, ist selbst ist im Alter zwischen vier und fünf Jahren ertaubt.

    Der Gehörlosensport ist der älteste organisierte Behindertensport – im Jahr 1910 gab es einen Zusammenschluss zum Verband deutscher Taubstummen-Turnvereine. Derzeit gibt es 15 Gehörlosen-Sportverbände mit insgesamt 23 Sportarten – etwa 9 Tausend Mitglieder sind in 150 Vereinen aktiv. Zunächst erklärte Brandt die Abstufungen in Taubheit, mittel- und leichtgradige Schwerhörigkeit. In Deutschland leben etwa 80 Tausend gehörlose Menschen. Nach Angaben des Schwerhörigenbundes gibt es etwa 16 Millionen Schwerhörige, wovon circa 140 Tausend einen Grad der Behinderung von mehr als 70 Prozent haben und somit auf Gebärdensprach-Dolmetscher angewiesen sind. Die Gebärdensprache ist eine eigene Sprache, die erst im Jahr 2002 als vollwertige Sprache offiziell anerkannt wurde. Davor hatte dies auch negative Auswirkungen auf die Bildung der Gehörlosen. „Heutzutage sollten alle Lehrer die Gebärdensprache können“ fügte sie hinzu, wobei es kein Lehrinhalt während des Lehramtsstudiums darstellt. Brandt wies darauf hin, dass es bei den Gehörlosen ebenfalls Kunst, Musik, Schauspiel und Tanz gibt – auch die Pantomime gehört in die Gehörlosenkultur. Interessant ist auch die Tatsache, dass es regionale Unterschiede gibt, ähnlich wie bei gesprochenen Dialekten. Ausgeübte Berufe spielen keine Rolle – sie sind für die Gehörlosen unwichtig. Sie begrüßen sich anstatt mit Handschlag mit einer Umarmung - Körperkontakt ist ihnen wichtig. „Gehörlose Menschen sind sehr direkt, halten Blickkontakt und verfügen über eine starke Mimik“ merkte Brandt an.

    Im Alltag von Gehörlosen gibt es leider viele Barrieren: beispielsweise können sie keinen Notruf absetzen unter 112 oder 110, was laut Brandt ein großes Problem in Deutschland darstellt, da auch keine SMS-Notrufnummer existiert. Weitere Probleme gibt es auch bei zahlreichen Veranstaltungen, bei denen die Dolmetscherkosten selbst zu tragen sind – ein Dolmetscher kostet etwa 75 Euro pro Stunde.

    Wie sollte man reagieren, wenn man einen Gehörlosen trifft? Die Aufmerksamkeit sollte man durch Winken oder leichtes Klopfen auf die Schulter gewinnen. Nur etwa 30 Prozent kann beim Reden von den Lippen abgelesen werden, was häufig zu Verwechslungen führt. Brandt führte lustige Comics als Beispiele an. Ansonsten sind einfache Wörter und kurze Sätze bei der Kommunikation wichtig. Zu den technischen Mitteln im Alltag von Gehörlosen zählen Hörverstärker, Wecker mit Licht, Blitzlichtanlagen und auch spezielle Rauchmelder. Hörgeschädigte können nur eingeschränkt Sport betreiben: Gleichgewichtsprobleme und eventuelle Implantate sind hier hinderlich. Da sie keine körperliche Behinderung haben, nehmen sie nicht an den Paralympics teil – allerdings ist die Teilnahme bei den 'normalen' olympischen Spielen auch nur schwer möglich, da Hilfsmittel erforderlich sind, wie beispielsweise beim Startschuss von Läufen.

    Zum Schluss gab es noch eine gemeinsame Fingeralphabet-Übung: hierzu verteilte Brandt Anleitungen an die Anwesenden, die sich mit ihrem Namen in Gebärdensprache vorstellten. Sie zeigte auch noch den Solidaritätsgruß der Gehörlosen.

    Der Behindertenbeirat Lampertheim führt in regelmäßigen Abständen immer wieder interessante Veranstaltungen durch, um das Thema Inklusion den interessierten Mitbürgerinnen und Bürgern näher zu bringen. Sigrid Samson

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