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Di., 13. Juni 2023, 09:31 Uhr
CHANCEN: Abendschule Heppenheim – Erwachsene holen Schulabschluss nach
Eindrucksvoller Lebenserfolg – Patricia Seitz will jungen Leuten Mut machen
Landrat Christian Engelhardt (links) hatte den Schulleiter der Abendschule Heppenheim Stephan Dröscher und Patricia Seitz mit ihrer Mutter Claudia Seitz zum Gespräch ins Landratsamt eingeladen. Foto: Hannelore Nowacki
HEPPENHEIM – Der richtige Schulabschluss bietet Chancen für das ganze Leben, öffnet die Tür zum beruflichen Erfolg oder ermöglicht zunächst ein Studium. Was aber tun, wenn die Schule in jungen Jahren keinen Spaß gemacht hat oder eine Krankheit dazwischenfunkt und der angestrebte Schulabschluss verpasst wurde? Die gute Nachricht – der Schulabschluss kann an der Abendschule Heppenheim nachgeholt werden. Für den Hauptschulabschluss ist in der Regel ein Jahr nötig, für den Realschulabschluss braucht man zwei Jahre, ebenso für die Fachhochschulreife, für das Abitur sind drei Jahre die Regel. In Eingangstest wird der Kenntnisstand ermittelt, für das Abi werden die Hauptfächer Deutsch, Mathe und Englisch getestet. Für diesen zweiten Bildungsweg im Erwachsenenalter wie überhaupt für die schulische Bildung setzt sich Landrat Christian Engelhardt mit Leidenschaft ein, wie er bei einem Pressegespräch mit eben dieser Leidenschaft zu verstehen gab. Eingeladen hatte er den Schulleiter der Abendschule Heppenheim Stephan Dröscher und die 27-jährige Patricia Seitz mit ihrer Mutter Claudia Seitz, die aus ihrem Leben erzählten. Die Mutter sei es gewesen, die ihm geschrieben hatte, damit er von der Lebensgeschichte ihrer Tochter erfahre, berichtete Landrat Engelhardt. Der Lebensweg der jungen Frau habe ihn sehr beeindruckt, denn aus einer fast aussichtslos wirkenden Abwärtsspirale nach einer gescheiterten Schullaufbahn habe sie über die Abendschule Heppenheim mit besten Ergebnissen schließlich ihr Traumstudium beginnen können. Das erfüllt die Mutter mit Stolz auf die Tochter, die mittlerweile im zweiten Semester Politikwissenschaft in Heidelberg studiert und Journalistin werden will. Was ihr als Kind und als Jugendliche in ihrer Schulzeit widerfahren ist, erzählt Patricia Seitz selbstbewusst und redegewandt, der Schmerz des Erlebten wird beim Zuhören dennoch spürbar, allein die Fakten wiegen schwer. Eine Krankheit, die erst vor einem Jahr sicher diagnostiziert wurde, hatte ihr das Leben in den Schulen schwer gemacht, eine Art des Autismus, das Asperger-Syndrom, das mit ungewohntem Interaktions- und Kommunikationsverhalten verbunden sei. Auch seien für sie tägliche Routinen wichtig. Sie selbst, aber auch Lehrer und Mitschüler hätten es nicht verstanden, Mobbing und viele Fehlzeiten folgten, am Ende schaffte sie den Realschulabschluss, das angestrebte Abi rückte in weite Ferne. Eine Schulpsychologin habe ihr den Rat gegeben, sich anzupassen oder unterzugehen. Nahegelegt wurde ihr behördlicherseits die Frühverrentung, ohne jemals berufstätig gewesen zu sein, ein Leben auf dem Abstellgleis. Tatsächlich ist sie hochbegabt und hat erfolgreich die Abendschule Heppenheim besucht und nach Punkten das Abitur mit der Note 0,7 abgelegt, also besser als eine Eins und als Beste in der Prüfung. Das freut auch Schulleiter Dröscher, der darauf hinweist, dass das Schulkonzept auf Erwachsene ab 18 Jahren ausgerichtet ist und die persönliche Förderung durch die Lehrkräfte dazugehört. Neben den Chancen für die eigene Zukunft ist der Besuch der Abendschule Heppenheim auch vorteilhaft, weil sie als öffentliche Schule kostenfrei ist, die Schulbücher werden vom Land Hessen gestellt und das Nahverkehrsticket ist ebenfalls kostenfrei. Mit dem Schülerausweis seien zudem viele Vergünstigungen verbunden. Dröscher wies auch darauf hin, dass die Abendschule mit ihren Unterrichtsräumen im Starkenburg-Gymnasium über modernste Ausstattung verfüge. Vor der Coronazeit seien etwa 200 Studierende insgesamt in der Abendschule gewesen, aktuell seien es etwa 90 Studierende. Man spreche nicht von Schülern, weil es im Gesetz Studierende heiße. Hannelore Nowacki