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  • Mo., 06. Mai 2019, 09:34 Uhr
    Projektidee für ein „Europäisches Figurenmuseum“ in Lampertheim

    Eine Million Figuren und bedeutende Bibliothek

    Stadtrat Gottlieb Ohl (von links) ist ein begeisterter Fan dieser kleinen Figuren, denen sich die Brüder  Alfred Umhey und Roland Umhey seit Kindertagen verschrieben haben. Bürgermeister Gottfried Störmer bietet der kleinen Ausstellung Platz im Stadthaus. Foto: Hannelore Nowacki


    LAMPERTHEIM – Bei 500.000 Figuren haben die beiden Lampertheimer Brüder Alfred Umhey und Roland Umhey mit dem Zählen aufgehört. Das sei vor zwanzig Jahren gewesen, berichteten sie beim Pressetermin am Donnerstagvormittag im Stadthaus mit Bürgermeister Gottfried Störmer, Gottlieb Ohl, Stadtrat mit besonderer Aufgabe, und Dirk Dewald, beim Stadtmarketing der Stadt Lampertheim für City- und Eventmanagement zuständig. Über eine Million Figuren müssten mittlerweile in ihrer Sammlung vereint sein, schätzen die beiden, weltweit handele es sich um eine der größten Figurensammlungen. „Unsere Sammlung hebt sich heraus, weil wir enzyklopädisch gesammelt haben“, erläuterte Alfred Umhey die Besonderheit, „wir können Geschichte mit historischen Figuren darstellen“. Ein ganzes Haus vom Keller bis zum Dach brauchen die Figuren und doch reicht der Platz nicht aus, manches haben die Brüder ausgelagert. Die Brüder haben viel zu erzählen, das tun sie unspektakulär, bescheiden. Die geschilderten Fakten sind eindrucksvoll, denn was die Brüder sich als Lebensaufgabe erarbeitet haben, begann schon früh im Kindesalter. Der 58-jährige Roland Umhey sammelt Figuren seit er laufen kann, berichtete er. „Ich habe nie etwas Anderes als Spielzeug gekannt“. Der Vater habe Bücher vorgelesen und im Haus sei das größte Spielwarengeschäft am Platz gewesen. „Lesen, schreiben und malen habe ich gleichzeitig gelernt“. Und der sieben Jahre jüngere Alfred Umhey erinnert sich, dass er seit seinem dritten Lebensjahr Figuren gesammelt hat. Schon ein paar Tage vor dem Pressetermin standen zwei Schauvitrinen im Foyer des ersten Obergeschosses des Stadthauses, voller Figuren, die dicht gedrängt stehen, einige als Solisten, andere in Ensembles, die eine Geschichte erzählen. Münchhausen saust auf einer Kanonenkugel dem Betrachter entgegen, König Heinrich VIII. in authentischer Kleidung, Napoleon in typischer Pose, römische Legionäre, arabische Krieger auf dem Kamel, Soldaten aus verschiedenen Epochen posieren, ein Sultan empfängt seinen Harem. Über allen thront in einer Vitrine Clio, die griechische Muse der Geschichtsschreibung. Detailgetreu nach historischen Vorbildern sind die Figuren aus Zinn, Papier, Pappmaché, Holz, Kunststoff und Porzellan bemalt, die kleinsten in der Schauvitrine messen winzige 6 Millimeter. Die größten in der Sammlung erreichen 60 Zentimeter. Aus dem Jahr 1792 ist die älteste Figur der Sammlung. Alfred Umhey spricht von einer Wechselwirkung, wenn beim Lesen von Geschichten die Frage auftauchte: „Gibt es dazu Figuren?“ Dasselbe geschah umgekehrt, wenn die Brüder Figuren sahen. So entstand beim Figurensammeln eine historische Bibliothek mit Spezialwissen zu vielen Themen. „Ein breites Feld, man muss sich mit Geografie, Architektur und Landschaften befassen“. Eine der größten militärischen Spezialbibliotheken in Deutschland entstand im Laufe der Jahre, geschätzt und genutzt von Regisseuren weltweit, die nach fundierter Information suchen. Zum Sammeln kam die eigene Herstellung von Figuren. Die Brüder informierten sich über die Entstehung von Plastikfiguren, entdeckten Zinnfiguren und haben Figuren aus einer Zinn-Blei-Legierung selbst gegossen. „Man lernt die richtige Zusammensetzung des Materials, damit es richtig fließt“, erklärte Alfred Umhey. Alle Kulturkreise hätten Miniaturen geschaffen, ab dem 19. Jahrhundert seien Figuren als Spielzeug „demokratisiert“ worden, im 20. Jahrhundert seien  Figuren zum Sammlerobjekt geworden, häufig als Rohling zum Bemalen angeboten. Die Brüder stellen Figuren häufig in Gruppen als Dioramen dar, die bildlich Geschichte und Geschichten erzählen. 1977 präsentierten sie ihre erste Ausstellung in Lampertheim im Sitzungssaal, 1979 beim Hessentag und seit über 20 Jahren bestücken sie eine Vitrine im Heimatmuseum mit relevanten Themen. Im niederländischen Ommen hätten sie das dortige Figurenmuseum konzipiert und beim Deutschen Zinnfigurenmuseum Plassenburg in Kulmbach seien sie im Förderverein. „Schon früh waren wir fleißige Museumsbesucher“, erzählte Roland Umhey.

    Münchhausen auf der Kanonenkugel ist eine der Figuren in den Schauvitrinen im Stadthaus. Foto: Hannelore Nowacki


    Ein „Europäisches Figurenmuseum“ könnte nun in Lampertheim entstehen, hoffen die beiden Brüder, verbunden mit einer Werkstatt für Workshops und einer kleinen Forschungseinrichtung in einer noch zu klärenden Rechtsform mit einem Förderverein. Als Pendler zwischen Frankreich und Deutschland sind sie selbst in Bewegung, sie haben auch gerne ihre Sammlung in Bewegung. Zum Thema „Guerre et paix“ bieten sie in den Ardennen Workshops mit Figurenbemalen an. „Ein Erlebnis für Kinder und Jugendliche“, erzählte Roland Umhey, der ein Museum als Platz zur Kommunikation sieht. „Gibt es eine Sammlerszene“, wollte Bürgermeister Störmer wissen. Eine sehr aktive sogar, erfuhr er von Alfred Umhey, gerade hier in der Region gebe es eine hohe Sammlerdichte. Ein Sammlerkreis treffe sich bei den Umheys. Gottlieb Ohl wundert das nicht, weil sich in dieser Region viel Geschichte abgespielt habe. Die Zusammenarbeit mit Schulen finde er wichtig. Fasziniert berichtete Ohl vom Besuch im Haus der Brüder Umhey. Dass die meisten Figuren aus dem militärischen Bereich kommen sieht Ohl als Mahnmal gegen den Krieg und als Teil der Geschichte, die mehr Konflikte als Frieden kannte. Begeistert von der Museumsidee, wies Ohl auf das Alleinstellungsmerkmal eines solchen Museums in Lampertheim hin. Ihm sei aber bewusst, dass dieser Plan nicht von heute auf morgen zu verwirklichen sei. Bürgermeister Störmer sprach sich dafür aus, das Angebot zu nutzen und die Sammlung der Nachwelt zu erhalten, wenn sich eine Möglichkeit finde. Mit einem solchen Museum wäre Lampertheim wieder ein Stück interessanter. Citymanager Dewald sprach von Gedankenspielen, so könne er sich die Stadt Lampertheim als Schnittstelle zu Schulen und anderen vorstellen, Leerstände könnten als Zwischennutzung dienen. Einig waren sich die Gesprächspartner, dass es nicht einfach sein werde, geeignete Räume zu finden, am liebsten jedoch in der Nähe des Heimatmuseums.  Hannelore Nowacki

     

     

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