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So., 01. Februar 2015, 20:32 Uhr
Tag der offenen Tür des Litauischen Gymnasiums bot Einblick in das vielseitige Schulleben
„Eine Schule, in der Europa bewusst gelebt wird“
Einige Schülerinnen und Schüler der neunten Klasse stellten ihr Projekt „Wolfskinder“ am Tag der offenen Tür des Litauischen Gymnasiums vor. Foto: Sigrid Samson
HÜTTENFELD - Der traditionelle, jährliche „Tag der offenen Tür“ des Litauischen Gymnasiums im Lampertheimer Stadtteil Hüttenfeld bot auch in diesem Jahr den Eltern und Kindern ein breit gefächertes Spektrum an Informationen mit Besichtigungen, Führungen und Workshops, um die Privatschule näher kennenzulernen.
Die Veranstaltung wurde mit einer musikalischen Begrüßung im Schlosssaal eröffnet. Nach einer litauischen Tanzdarbietung wurde ein kleines Theaterstück in französischer Sprache von den Schülern der 8. Klasse aufgeführt. Darauf folgte ein Musikstück der Siebtklässler mit Klarinette und Schlagzeug unter Gitarrenbegleitung. Auch der Gesangvortrag und der Hip-Hop-Tanz der etwas älteren Schüler fand viel Beifall bei den Anwesenden. Janina Vaitkiené, seit Beginn diesen Jahres neue Schuldirektorin, richtete ihre Grußworte an die Anwesenden und gab den Eltern wichtige Informationen über die Schule bekannt. „Denken, tanzen, träumen und singen gehören hier eng zusammen“, hob die Schulleiterin hervor und wies auf die Mehrsprachigkeit der Vorführungen hin – in lateinischer, deutscher, englischer und französischer Sprache. In diesem Jahr kann die Schule ihr 65-jähriges Bestehen feiern. „Wir sind stolz darauf, das einzige Gymnasium zu sein, dessen Ziel es ist, eine Brücke zwischen Ost und West zu bauen – zwischen Deutschland und Litauen.“ Seit 1999 ist die Schule staatlich anerkannt und bietet den Schülern grundsätzlich kleine Schulklassen, in denen die Kinder täglich Kontakt zu anderen Kulturen finden. „Durch diese persönlichen Erfahrungen werden unsere Schüler zu Toleranz und gegenseitiger Beachtung bewogen“ betonte Vaitkiené und ergänzte „hier wird Europa bewusst gelebt“. Ein Mädchen- und Jungeninternat, welches 1972 errichtet wurde, sind an die Schule angeschlossen.
Zahlreiche Projekte, darunter ein Elternfonds, zusätzlich angebotene AG’s und ein Schüleraustausch mit Frankreich wurden in der jüngsten Vergangenheit ins Leben gerufen und werden langfristig ausgebaut. Ergänzt wird das Angebot der Schule auch durch die Teilnahme an Sprachwettbewerben sowie einer Skifreizeit.
Es fanden zahlreiche Workshops für die neuen Schülerinnen und Schüler statt sowie Besichtigungen und Führungen – im Schloss, in der Schule und im Internat. Die neu angemeldeten Schüler wurden von ihren zugeordneten Paten unter Begleitung einiger Lehrer durch die Schule geführt. Alle Anwesenden konnten sich auf dem gesamten Schulgelände mit den Angeboten der Schule vertraut machen. So gab es unter anderem eine Geschichtswerkstatt, eine Kreativ-AG, naturwissenschaftliches Experimentieren und geführte Rundgänge durch das Internat.
Unter dem Motto „anders sein“ hatten sich die Schülerinnen und Schüler der neunten Klasse mit dem Thema „Wolfskinder“ auseinandergesetzt. Hierbei ging es um die Waisenkinder, die am Ende des 2. Weltkrieges durch die Zerstörung der damaligen Provinz Preußen ihre Familien verloren hatten und aus ihrer Heimat vertrieben wurden oder geflohen sind. Tausende ostpreußische Kinder, die ihre Eltern verloren hatten oder von ihnen getrennt wurden, versuchten damals, Litauen zu erreichen. Manche hatten Glück und wurden von litauischen Familien aufgenommen, obwohl dies verboten war. Erst nach der Wende 1990 (als Litauen unabhängig wurde) durften die Wolfskinder über ihre Nachkriegserfahrungen berichten – teilweise fanden sie ihre Familien in ihrer Heimat wieder, andere wiederum wurden dort als Fremde angesehen und konnten sich nicht einmal mehr in ihrer Muttersprache unterhalten. Derzeit leben noch 72 Wolfskinder in Litauen und etwa 3000 in Deutschland.
Seit diesem Jahr bietet die Schule auch eine „Schnupperwoche“ an, in der alle Interessenten den Alltag der Schüler hautnah erleben und einen Tag am Probeunterricht der Schule teilnehmen können. Nähere Informationen finden Sie auf der Homepage der Schule unter www.litauischesgymnasium.de oder telefonisch unter 06256/859900. Sigrid Samson