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  • So., 15. November 2015, 20:56 Uhr
    5. kreisweiter Afrikatag am 14. November im Evangelischen Gemeindezentrum Groß-Rohrheim unter dem Motto „Die Suche nach der eigenen Identität“ fand großen Zuspruch

    „Eine Willkommenskultur der Gastfreundschaft fördern“

    Afrikanische Klänge und Tänze gab es bei der offiziellen Eröffnung der Afrikatage im Evangelischen Gemeindezentrum in Groß-Rohrheim – zur Einstimmung der Gäste auf die Themen Integration und die Suche nach der eigenen Identität. Foto: Sigrid Samson


    GROSS-ROHRHEIM – Einwanderer stehen vor der großen Herausforderung, eine Balance zu finden zwischen Kultur und Werten der Herkunftskultur und der Annäherung der Aufnahmegesellschaft. Gleichzeitig bleibt die wachsende Zahl von Einwanderern nicht ohne Einfluss auf die deutsche Bevölkerung und erfordert hier ebenso eine Bereitschaft zur Veränderung. „Das eigene nicht verlieren – offen sein für Neues und bereit sein für Veränderungen“ – darum ging es beim diesjährigen Afrikatag, der am vergangenen Samstag im Evangelischen Gemeindezentrum in Groß-Rohrheim stattfand. Bereits zum fünften Mal wurde die Veranstaltung dort ausgetragen, die diesmal den Titel „Die Suche nach der eigenen Identität“ trug. Viele interessierte Gäste waren erschienen, um sich mit dem Thema auseinanderzusetzen und nach dem offiziellen Programm in verschiedenen Arbeitsgruppen Gedanken und Anregungen auszutauschen – und das aus erster Hand, denn Einwanderer aus verschiedenen Regionen Afrikas waren anwesend, um ebenfalls ihre Erfahrungen mitzuteilen. Gemeinsame Veranstalter waren Brigitte Paddenberg, Ausländerbeauftragte des Kreises Bergstraße, Mitglieder aus Débout Congolais e.V., dem Eritreischen Kulturverein e.V., der Evangelische Kirchengemeinde Groß-Rohrheim, die Integrationslotsinnen Intisar Mahfood und Tsahaynesh Tesfay, Fritz Hempler vom Nord-Süd-Forum Bensheim, der Somalische Kultur- und Familienverein e.V. und die Werkstatt Interkulturelles Lernen Worms.

    Brigitte Paddenberg, entwickelte die Idee einer solchen Veranstaltung aus eigenen Erfahrungen heraus. Auf die Frage, was die eigene Identität ausmache war eine spannende Diskussion entstanden und sie wollte das Thema aufgreifen. Zum Einen wollte sie herausstellen, mit welchen Erwartungen die Menschen nach Deutschland kamen und zum Anderen die Deutschen befragen, wie sie auf dunkelhäutige Mitmenschen zugegangen sind und was das ausgelöst hat. „Wo findet man die größten Distanzen und was macht das für eine Gemeinschaft aus?“ – auch dieser Fragestellung wollte sie nachgehen. Der Sinn liegt nach Aussage Paddenbergs darin, das „Wir"-Gefühl zu stärken und den afrikanischen Mitmenschen Zukunftsperspektiven zu geben, auch in beruflicher Hinsicht.

    Afrikanische Klänge unter Mitwirkung einer elektronischen Leier waren zu Beginn der Eröffnungszeremie zu vernehmen, zu denen zqwi Afrikanerinnen temperamentvoll tanzten, um die Gäste auf das Thema einzustimmen. Pfarrer Martin Müller, erst seit fünf Tagen in seinem neuen Amt, erwähnte die schöne Tradition der Afrikatage und hofft gleichzeitig auf deren Fortführung in der Zukunft. „Die Afrikaner gehören zu unserer Kultur und bringen gleichzeitig vieles aus ihrer eigenen Kultur mit – wir können uns gegenseitig bereichern“, teilte er mit. Bürgermeister Rainer Bersch betonte ebenfalls die Gastfreundschaft auch Groß-Rohrheims – seinen Worten schloss sich Kreisbeigeordneter Matthias Schimpf an. „Vielfalt ist besser als Einfalt“, merkte Schimpf an mit dem Hinweis, dass grundsätzlich ein gewisses Maß an Verunsicherung bei den Menschen herrsche, teilweise auch aus Unkenntnis heraus. Die Aufgabe bestehe darin, diese Skepsis ernst zu nehmen, aber auch gleichzeitig die Veränderungen annehmen, um gegenseitig voneinander lernen zu können. „Integration hat bereits begonnen, aber ist ein weiter Weg“ fügte er hinzu und bedankte sich bei allen ehrenamtlichen Helfern in diesem Zusammenhang und für die Sachspenden, die einen großen Teil zur Bewältigung der vielfältigen Aufgaben beitragen. Nicht eine Gefahr oder Bedrohung in der Integration ausländischer Mitbürger zu sehen, sondern sie auch als eine Bereicherung aufzunehmen – darum gehe es. Im Anschluss stellten sich die beiden afrikanischen Integrationslotsinnen vor sowie der Gesprächspartner von deutscher Seite: Fritz Hempler vom Nord-Süd-Forum. Paddenberg teilte mit, dass den gesamten Nachmittag über verschiedene Arbeitsgruppen gebildet werden, um herauszuarbeiten, „was uns verbindet, was uns trennt und was uns wichtig ist."

    Als Gesprächspartner war Heinrich von Reventlow, Leiter des Fachdienstes Beratung und Therapie für Flüchtlinge im Evangelischen Zentrum für Beratung und Therapie am Weißen Stein, eingeladen. Als ausgebildeter Psychologe war er ehemals an einer psychiatrischen Klinik tätig, bevor er dann zur Beratungsstelle überwechselte. Er wies auch auf die schrecklichen Ereignisse in Paris hin und gab den Gästen als Botschaft mit, möglichst viele Gegenveranstaltungen – wie diese – zu bringen, um gemeinsam beieinander zu sein. Dieser Denkanstoß wurde auch für die Arbeitsgruppen aufgenommen. „Es gilt, eine Willkommenskultur der Gastfreundschaft zu fördern“, lautete sein Appel an die Anwesenden. Er gab auch einen Hinweis auf die Gastarbeiter, die vor vielen Jahren nach Deutschland kamen, um vorübergehend hier zu arbeiten – viele davon sind in unserem Land geblieben und Teil von uns und unserer Kultur geworden. Migranten und Zuwanderer erfolgreich zu integrieren gehört zu den Zielen unserer Gesellschaft.

    Nach dem Gespräch mit Heinrich von Reventlow wurde der Austausch in Arbeitsgruppen vertieft. Hierbei wurde Fragen nachgegangen wie „Welche Vorstellungen hatten Einwanderer von Deutschland und wie haben sich diese Veränderungen im Laufe der Zeit verändert?“. Aber auch „Welche Vorstellungen und Erwartungen wiederum hatten und haben Deutsche gegenüber dunkelhäutigen Einwanderern? Wo erlebt der Einzelne momentan die größten (kulturellen) Unterschiede oder auch Hindernisse, auf welchen Gemeinsamkeiten können wir aufbauen? Welche Beiträge des Einzelnen sind erforderlich?“ Der gemeinsame Nachmittag klang mit Musik von dem aus Eritrea stammenden Amine Goitom und seinen Mitspielern aus. Die Frauen des Vereins Somalische Kultur- und Familienverein e.V. sorgen mit einem Imbiss für das leibliche Wohl. Sigrid Samson

     

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