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  • Fr., 12. August 2022, 14:08 Uhr
    Freude am Dialekt: Treffen der „Lômbadda Babbler“ und „Bäschdädder Babbler“ beweisen Anziehungskraft der Mundart

    Einheimische Sprache mit Humor, Erinnerungen und Tiefsinn verbunden

    Die „Lômbadda Babbler“ sind eine lose Gruppe, die mit der Volkshochschule zusammenarbeitet und sich auf mundartbegeisterte Gäste und ihre Geschichten stützen kann. Foto: Hannelore Nowacki


     

    LAMPERTHEIM/BÜRSTADT – Keine Frage, in den beiden Städten des Rieds spricht man auch heute noch gerne Dialekt, diese ganz eigene Muttersprache mit Herz und dem Hochdeutschen gegenüber erweiterten Ausdrucksmöglichkeiten. Sprechen wie es gerade heraussprudelt, wie einem der Schnabel gewachsen ist, das macht den Dialekt aus, man pflegt ihn, indem er gesprochen wird wie bei den Babblern. Kennern entgehen die linguistischen Unterschiede nicht, den „Lômbadda Babblern“ in der Spargelstadt und den „Bäschdädder Babblern“ in der Sonnenstadt sind sie jedoch ziemlich egal, es gibt einen teilweisen personellen Gleichklang die gemeinsame Begeisterung. Wobei die Lampertheimer Babbler mit Initiator und Chef-Sprecher Karl-Heinz „Kalle“ Horstfeld, politisch als Stadtrat engagiert, vor etwa vier Jahren für sich die Vorreiterrolle in Anspruch nehmen können. Die Bürstädter mit Frank Gumbel als Ideengeber zogen nach. Dann kam die Corona-Krise und Pause. Zum ersten Mal nach über zwei Jahren gingen die „Lômbadda Babblern“ mit ihrem Treffen an die Öffentlichkeit, räumlich vergrößert dank Fürsprache des Kirchenvorstandes im Saal des Martin-Luther-Hauses, mit verdoppelter Fangemeinde gegenüber der Zeit im Alten Rathaus. Auch die Bürstädter freuen sich über Zuwachs. In Lampertheim waren zur Freude der Babbler auch Lokalpolitiker gekommen, Stadtverordnetenvorsteher Franz Korb bewies in seinem Beitrag mundartliche Eloquenz auf der Bühne und begeisterte die Zuhörer mit flotten Sprüchen. In Bürstadt wurde das Fehlen der Lokalpolitiker beklagt. Kalle Horstfeld kamen Tränen der Rührung in die Augen, als er den vollen Saal vor sich sah, eine wunderbare Überraschung nach so langer Zeit. Die über 100 Besucher hatten Spaß an den Wortbeiträgen auf der Bühne, wie die Vortragenden selbst. Mit Kerstin Zecher führte Kalle Horstfeld durch das Abend füllende Programm, das Matthias Karb am Keyboard musikalisch bereicherte. Dass eine fröhliche Gesellschaft versammelt war, hörte man draußen vor Beginn der Veranstaltung durch die geöffneten Fenster schon von weitem. „Wie bei der Kerwe“, meinte ein Besucher, der die Treppe zum ersten Stock nehmen wollte, weil’s schneller geht. Helmut Schollmeier vom Kirchenvorstand der Martin-Luther-Gemeinde, der selbst vortrefflich Mundart spricht und im zweieinhalbstündigen Programm mitwirkte, machte die Besucher darauf aufmerksam, dass es einen Fahrstuhl gebe: „Für alle, die es noch nicht gemerkt haben“. Kalle Horstfeld machte zu Beginn deutlich: „Es geht drum Spaß zu habe, es geht um den Lampertheimer Dialekt, der ist unsere Seele und unsere Heimat“. Als kleiner Stammtisch mit einem Treffen Anfang September 2018 hatten sich interessierte Mitstreiter zusammengefunden, erzählte Kalle Horstfeld rückblickend. Kerstin Zecher dankte ihm für die letzte Zeit, als er alles alleine geregelt habe. Grußworte richtete sie an Rolf Hecher von cultur communal, der auch in seiner Freizeit ansprechbar sei, an den Ersten Stadtrat Marius Schmidt, an Manfred Scholz für die Zusammenarbeit mit der VHS und den gesamten Kirchenvorstand sowie Matthias Karb für die musikalische Begleitung. Schmidt als gebürtiger Lampertheimer grüßte mit „Schee, dass es die Babbler gibt“, beließ es aber bei dieser Kostprobe. Das Publikum hatte viel zu lachen bei den ausgewählten Geschichten und Erinnerungen, die durch ausgefeilten Humor und Vielfalt und auch philosophischen Tiefgang glänzten. Waren sich die Bewohner der beiden Städte im letzten Jahrhundert nicht ganz grün, so hat sich das durch Familienbande und vielfältige Verflechtungen im modernen Leben geändert, wie Helmut Schollmeier in seinem heiteren Vortrag erklärte und damit großen Applaus erntete. „Isch heb nix gegen Bäschdädder“, verriet er vorab. Mit seiner Geschichte aus der Kindheit über den Sunndagspreddiger, den örtlichen Pfarrer, und die Großmutter landete Stadtverordneter Helmut Hummel einen Kracher. Für heitere Stimmung, auch mal mit nachdenklichen Tönen, sorgten weiter Kerstin Zecher, Käthe Lahr-Bachert, Andrea Krüger, Karin Tiefel, Frank Gumbel, Ruth Hartmann, Jürgen Jakob, Herbert Tiefel und Karin Kraus sowie der wortgewaltige Kerweredner Heinz „Clever“ Eichenauer und Erika Krämer-Tomczak, bekannt durch ihre Mundartpredigten bei den sommerlichen Gottesdiensten der Martin-Luther-Gemeinde unter der Linde.

    Geschichten, die das Leben schrieb, waren beim Treffen der „Bäschdädder Babbler“ im Vereinsheim des MGV Bürstadt zu hören. Das Orga-Team hatte viel zu erzählen, unterstützt von zahlreichen Beiträgen aus dem Publikum. Foto: Hannelore Nowacki


    Bäschdädder Babbler“ in Aktion

    Bei den „Bäschdädder Babblern“ am Mittwochabend im Saal des MGV 1902 Bürstadt in der Waldgartenstraße waren auch wieder Teilnehmer aus Lampertheim anzutreffen, von denen einige im Programm zum Thema „Kersche und Parrer, wie se sellemols ware“ eingeplant waren. Kalle Horstfeld hatte die „Babbelkaad“ für Wortmeldungen zwischendurch gezogen und am Ende über seine Sicht des Themas Pfarrer und Kirche gesprochen. Auch hier war die Freude über die gewachsene Besucherzahl groß, auch wenn im Vergleich mit Lampertheim nur halb so viele Freunde der Mundart gekommen waren. Von Frank Gumbel, Initiator der „Bäschdädder Babbler“ und deren Sprecher, bekamen die „Lômbadda Babbler“ für ihr Programm vom Vorabend ein dickes Lob: „Also ich muss eich sache, des war großes Kino geschdern Owend bei eisch“. Aber auch „mer henn e scheenes Programm zammegschdelld“, versprach er dem Publikum. Manfred Winkler begleitete das Programm schwungvoll mit dem Akkordeon, an passender Stelle mit einem Halleluja pointiert. Sogar eine Erkennungsmelodie von Hermann Hofmann haben die Bürstädter Babbler. Dass hier Lokalpolitiker fehlten, bedauerte Frank Gumbel, immerhin ist Magistratsmitglied Roland Weinz Teil der Babbler-Familie und im Orga-Team. Das Thema bot reichlich Stoff aus dem Reich der Kindheits- und Jugenderinnerungen, die meistens viele Jahrzehnte zurücklagen. Konfessionell gemischte Brautpaare mussten sich etwas einfallen lassen. Wie die Wortbeiträge zeigten, waren Kirche und Pfarrer damals, vor ganz langer Zeit, waren offenbar Anhänger des strengen Zeitgeistes, mit Ausnahme einiger lebensfroher junger Kaplane, die jedoch bald von der Bildfläche verschwanden, wie zu hören war. Die namentlich genannten Geistlichen von St. Michael und St. Peter hatten jedenfalls bleibende Eindrücke hinterlassen, sie ruhen heute auf dem Friedhof. Von der schlagenden Zunft war mancher Pfarrer, da wurde unbegründet geballert. Aber „frieher war die Kersch noch richtig voll“. Die Erfahrungen waren unterschiedlich, es gab auch „beschde Erinnerungen“. Jürgen Manske, als Prädikant bei der evangelischen Kirchengemeinde in Bürstadt in kirchlichen Themen zuhause, erzählte unter anderem eine lustige Geschichte von den Mönchen im Kloster Lorsch. „Heute haben wir viel über Kersch gebabbelt“, meinte Manske und appellierte abschließend als engagierter Kirchenmensch an die Zuhörer: „Gebt der Kirche eine Chance für die Zukunft“. Im Orga-Team sind neben Frank Gumbel dessen Bruder Hans-Jürgen Gumbel, Monika Kroker, Roland Weinz und Jürgen Manske. Geschichten erzählten auch Siegfried Gebhardt, Burkhard Vetter, Gisela Meyer, Herbert Tiefel und Karin Tiefel und Walter Kohl. Kalle Horstfeld erzählte von einem Erlebnis in einer Kirche, das ihn dazu brachte, sich in der Kirche geerdet zu fühlen. Hannelore Nowacki 
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