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  • Di., 28. April 2015, 09:14 Uhr
    SPD hatte mit großer Resonanz zur öffentlichen Diskussion eingeladen

    Einigkeit beim Thema „Bürstadt braucht einen Kinderarzt“

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    BÜRSTADT – Der SPD-Ortsverband hatte am Mittwochabend zu einer öffentlichen Diskussionsrunde zu einem Thema eingeladen, das in Bürstadt die Gemüter bewegt und Eltern Sorge macht. Denn es könnte passieren, dass die Sonnenstadt in Zukunft keinen Kinderarzt mehr hat, wenn Kinderarzt Dr. Joachim Freund nicht bald einen Nachfolger für seine Praxis findet. Der „Kuhstall“ des Ratskellers war voll geworden. Offensichtlich war das Interesse bei allen Generationen vorhanden. Besonders viele bekennende Mütter waren der Einladung gefolgt und einige Ärzte. Vertreter aller politischen Parteien aus der Lokalpolitik waren gekommen, was den parteiübergreifenden Konsens andeutete. „Wir brauchen einen Kinderarzt“ war das Thema und zugleich eine Feststellung und Forderung, die alle Anwesenden einte. Auf dem Podium rahmten SPD-Fraktionsvorsitzender Franz Siegl und Ortsvereinsvorsitzender Boris Wenz die drei Gäste ein. Kinderarzt Dr. Freund berichtete von den Schwierigkeiten und seinen bisherigen Erfahrungen bei seiner Nachfolgersuche. Ein ernsthafter Interessent, der schon in der Praxis mitarbeitete, sei vor wenigen Monaten überraschend abgesprungen. Ein Problem sei auch die „Verweiblichung“ des Arztberufes, mit der Folge, dass weniger Ärzte als Bewerber zur Verfügung stehen und andererseits die Ärztinnen aus familiären Gründen meistens keine Vollzeittätigkeit anstreben. Die verbliebenen Ärzte blieben lieber im Krankenhaus. Erster Stadtrat Walter Wiedemann untermauerte mit Zahlen und Fakten, dass ein Kinderarzt in Bürstadt auch zukünftig sein Auskommen haben werde. Zurzeit leben hier 850 Kinder unter 6 Jahren, insgesamt sind in Bürstadt 2.300 Kinder und Jugendliche bis 15 Jahre zu Hause. Zudem stehen die Zeichen auf weiteren Zuwachs durch weitere 60 Bauplätze. Allerdings habe die Stadt nur wenige Einflussmöglichkeiten auf die Bedarfspläne der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) – „aber die wollen wir nutzen“, kündigte Wiedemann an. Ziel sei der Bestandsschutz für die Praxis. Von der Kassenärztlichen Vereinigung stand Alexander Noll Rede und Antwort, der im Beratungscenter Darmstadt tätig ist. Teamleiterin und Beraterin Patricia Kaczmarek nahm ebenfalls zum Thema Stellung. Die beiden KV-Experten klärten über die komplexen Sachverhalte auf, die bei der Nachfolge zu beachten sind. Man könnte auch provokativ von einem Bürokratiemonster sprechen, doch die Entscheidungen folgen der Logik der zu beachtenden Vorschriften. Zusätzlich entstehen durch eine geplante gesetzliche Neuregelung durch den Bundestag im Sommer weitere Unsicherheiten. Dieses Gesetz heißt „Versorgungsstärkungsgesetz“, könnte aber das Gegenteil für die kinderärztliche Versorgung in Bürstadt bedeuten. Das zumindest befürchtet nicht nur Dr. Freund. Obwohl schon im Rentenalter, will er weiter praktizieren, bis er einen Nachfolger gefunden hat. Durch Bescheid der KV vor einem Jahr wurde Dr. Freund eine Zweijahresfrist für einen Nachfolger gesetzt. Wenn diese Frist in einem Jahr endet, solle er einen neuen Antrag stellen, war der Rat der KV-Experten. Die Idee einer Fünfjahresfrist aus dem Publikum fand Beifall, lässt sich nach Auskunft von Noll aber nicht realisieren. Kaczmarek gab zu bedenken, dass der Zulassungsausschuss für Ärzte den Bescheid erteilt und die KV neben den Krankenkassen und Sachverständigen nur ein Partner unter anderen sei. Eine erstaunliche Rechnung liegt seit 1. Februar 2015 für die Bedarfsplanung des Kreises Bergstraße vor: Mit 16,5 Arztsitzen oder 20 Ärzten liegt im Kreis eine Überversorgung von 172,32 Prozent im Bereich der Hausärzte vor, zu denen auch die Kinderärzte zählen. Schon ab 110 Prozent ist die Überversorgung erreicht. Noll und Kaczmarek erklärten, dass sich die KV auf Bundesebene als Vertretung der Kassenärzte nicht für einen Abbau einsetze, Änderungen jedoch von den Krankenkassen gewünscht werden. Einig war sich die Diskussionsrunde in der Einschätzung, dass es im Kreis keine Überversorgung gebe. „Bürstadt braucht einen Kinderarzt“, das war auch am Ende der Diskussionsrunde klar. Hannelore Nowacki

    Partei- und Generationen übergreifend setzte sich die Diskussionsrunde zusammen. Foto: Hannelore Nowack


     

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