Neujahrsempfang 2019 der Ahmadiyya Muslim Jamaat Lampertheim mit Anhängern und Ehrengästen
Einsatz für ein friedvolles Miteinander
Jörg Lüling (r.) von der Baptistengemeinde sprach sich für ein respekt- und vertrauensvolles Miteinander mit der Ahmadiyya Muslim Gemeinde aus - hauptverantwortlich Vorsitzender (l.) Iftikhar Ahmad und Imam / Theologe Afaq Ahmad. Foto: Sigrid Samson
LAMPERTHEIM – Bereits zum dritten Mal luden die Mitglieder der Lampertheimer Ahmadiyya Muslim Jamaat am vergangenen Dienstag Interessierte in das Alte Rathaus ein, um im Rahmen eines Jahresempfangs grundlegende Informationen über die Organisation und ihre Aktivitäten zu geben. In Zeiten der Unsicherheit und Bedrohung durch Gewalt und wirtschaftliche Umwerfungen sowie der Schwierigkeiten, einander zu verstehen, geben die Mitglieder die Hoffnung auf Lösungsmöglichkeiten und ein friedliches Miteinander nicht auf.
Die Ahmadiyya Muslim Jamaat (auf deutsch: A. M. Gemeinschaft bzw. Gemeinde) ist eine aus der Ahmadiyya-Bewegung hervorgegangene Religionsgemeinschaft, die in Indien ihren Ursprung hat und sich auf den Islam und Mirza Ghulam Ahmad, einen Inder, beruft. Sie wird von einem Kalif genannten spirituellen Oberhaupt geführt. In Deutschland hat sie nach eigenen Angaben etwa 40.000 Mitglieder und betreibt 50 Moscheen. Die Lampertheimer Gemeinschaft zählt derzeit etwa 120 Mitglieder. Die Geschichte der Religionsgemeinschaft geht bis ins Jahr 1889 zurück. Der Kalif tritt für den gesellschaftlichen Frieden ein; seine Botschaft ist das friedliche Miteinander und der Dialog mit den Mitbürgern. Diese Botschaft des Kalifen findet auch in Deutschland positiven Anklang. Viele Menschen in unserem Land wurden durch die vielfältigen Aktivitäten in 2018 beeindruckt.
Der Vorsitzende Iftikhar Ahmad Shaikh nahm gemeinsam mit Afaq Ahmad, zuständiger Imam und Theologe der Gemeinde, den Jahresempfang zum Anlass, an dem Nachbarn, Freunde und Förderer zusammenfinden und sich austauschen konnten. Neben zahlreichen Mitgliedern der Gemeinschaft sowie Jugendleiter Taha Ahmad begrüßten die Verantwortlichen auch Ehrengäste, darunter Bürgermeister Gottfried Störmer, Polizeihauptkommissar Gerald Gürtelschmied vom Polizeirevier Lampertheim, Jörg Lüling von der Baptistengemeinde sowie Sven Behnke von der Evangelischen Lukasgemeinde in Lampertheim.
Nach einem kurzen Auszug aus dem Koran, dessen Text auch in's Deutsche übersetzt wurde, hieß Shaikh die Anwesenden mit „Friede sei mit ihnen“ willkommen. Der Jahresrückblick mit den Highlights aus 2018 wurde in einem anschließenden Video dargestellt. Zu den Aktionen in 2018 gehörten unter anderem die Einsätze am Neujahrstag mit Aufräum- und Kehraktionen. Die Muslime traten auch häufig in Dialog mit deutschen Mitbürgern, um über ihre Religionsgemeinschaft mit friedlichem Hintergrund zu informieren. „Muslime gehören zu unserem Land“, merkte Shaikh an. Auch die Frauen der Gemeinschaft, die sich komplett eigenständig organisieren, stellten in 2018 vielfach für Kontakte zu der Bevölkerung her. In 30 Städten suchten sie den Dialog und beantworteten Fragen der Passanten. Das Verhältnis von Männern und Frauen wird bei der Gemeinschaft generell als gleichberechtigt gehalten. Die Muslime versorgten auch Obdachlose, Frauen und Männer spendeten Blut für Bedürftige; man lief für einen guten Zweck und pflanzte Bäume, um einen Beitrag für die Umwelt zu leisten. Zu den Aktivitäten in 2018 zählte auch das Projekt der Mobilen Augenstation; ein Wagen, der Augen-OPs in Afrika ermöglichte. Für die Bildung in fernen Ländern wurden ebenfalls Beiträge geleistet und ein muslimischer Wohlfahrtsverband startete in 2018. Die Grundsteinlegung für die Errichtung einer Moschee in Erfurt erfolgte im November. Die seit 10 Jahren in Berlin existierende Moschee findet inzwischen Akzeptanz bei der Bevölkerung und stellt einen Beweis für die Vielfalt der Religionen in unserem Land dar. Friedensbotschafter werden ausgebildet, die für ein offenes tolerantes Deutschland stehen. Auch sportliche Events standen auf dem Programm im vergangenen Jahr.
Bürgermeister Gottfried Störmer sah die Veranstaltung als gute Gelegenheit, miteinander ins Gespräch zu kommen. „Nur, wer sich kennenlernt, kann Vertrauen entwickeln“, betonte er und lobte den regelmäßigen Kontakt zur Ahmadiyya-Gemeinde, beispielsweise durch die alljährliche Neujahrs-Säuberungsaktion. Es gefalle ihm besonders, dass die Mitglieder informieren und nicht missionieren – das sei ein ganz entscheidender Punkt. Die Entwicklung in den letzten Jahren mit dem Trend, sich zu distanzieren, könne er nicht nachvollziehen. Mit den Worten „weiter so!“ machte er den Mitgliedern Mut für die Zukunft. „Im Namen Allahs, des Bahrmherzigen“ begrüßte der Imam-Theologe Ahmad die anwesenden Gäste. „Wir möchten ein Teil Deutschlands sein“ fügte er hinzu. Die Ängste in der Bevölkerung zu nehmen sei ein besonderes Anliegen der Gemeinschaft. Er gab eine kurze Zusammenfassung des Heiligen Korans mit den Rechten gegenüber Gott und den Mitmenschen. Der Fokus liege darin, die friedliche Lehre des Islams zu präsentieren. Der Dschihad teile sich in zwei wesentliche Punkte: zum einen in den Kampf des Menschen gegen sein eigenes Ego, zum anderen in das Streben, die friedliche Botschaft des Islam zu verbreiten. Die Mitglieder der Ahmadiyya-Gemeinde genießen die Religionsfreiheit, wofür sich Ahmad sehr dankbar zeigte. Auch Jörg Lüling von der Baptistengemeinde Lampertheim erwähnte in seiner Rede die unterschiedlichen Positionen der Religionsgemeinschaften; trotzdem sei ein Miteinander erkennbar und lobenswert. Für Lüling ist der Dreiklang von Glaube, Liebe und Hoffnung essentiell wichtig. Die heutige komplexe Welt fordere Vertrauen; jeder Mensch habe Respekt und Liebe verdient. „Es ist wichtig, anders lebende und gläubige Menschen zu respektieren und ihnen zu vertrauen“ teilte er mit. „Die Liebe ist das A und O des Lebens“ ergänzte er; die Hoffnung sei der positive Blick nach vorne. Er wünschte den ortsansässigen Kirchengemeinden und der Ahmadiyya-Gemeinde sowie der Stadt Lampertheim, in diesem Dreiklang miteinander zu leben - „das ist mein Segen für Sie als Gemeinde“.
Shaikh gab einen kurzen Ausblick auf bevorstehende Veranstaltungen, darunter die Veranstaltung der Frauen „Anno 610 – Revolution der Frauenrechte“ am 22. März, um 18 Uhr, im Alten Rathaus in Lampertheim.
Weitere Informationen sind unter www.ahmadiyya.de zu finden. Die Kontaktadresse lautet ahmadiyya.lampertheim@gmail.com. Das Gebetszentrum der Gemeinde befindet sich in der Römerstraße 36 in Lampertheim.
Im Anschluss wartete eine kleine Erfrischung mit Kaffee, Kuchen und kleinen Häppchen auf alle Gäste während es ausreichend Gelegenheit gab, miteinander in's Gespräch zu kommen. Sigrid Samson