
BIBLIS – Ein eigenes Schullied hat die Bibliser Grundschule, die den schönen Namen „Schule in den Weschnitzauen“ trägt. Und wenn etwas Neues geschieht, wird eine neue Strophe gedichtet. Bei der feierlichen Einweihung des neuen Schulgebäudes in der Freiherr-vom-Stein-Straße mit vielen Ehrengästen aus Biblis und Umgebung schmetterten die 220 Kinder fröhlich ihr Lied mit aktuellem Bezug „Kran und Bagger rollten hier, für die Klassen 1 bis 4. Es entstand ein neues Haus, da freuen wir uns alle drauf“ und dem Refrain „Bei uns geht es rund, unsre Welt ist kunterbunt“, musikalisch begleitet von den Lehrerinnen Kathrin Kalkowski und Nora Snaschel, die den neuen Text geschrieben hat. Anschließend saßen die Kinder im weiträumigen Empfangsbereich auf dem Boden und hörten ziemlich aufmerksam zu, was ihre Schulleiterin Simone Kurt, Landrat Christian Engelhardt und Bürgermeister Volker Scheib zu sagen hatten. Der Bürgermeister teilte mit, dass die Kinder morgens wegen der Verkehrssicherheit auf die kommunale Polizei zählen können. Geschenke hatte der Landrat mitgebracht, Spielsachen, die noch nicht ausgepackt wurden, weitere seien bestellt. Die Aufkleber mit dem Nibelungendrachen Nila, die Engelhardt verteilte, kamen bei den Kindern gut an. Fröhlich und Energie geladen zeigten sich die Kinder bei der gemeinsamen Tanzvorführung. Damit war die Feier schon beendet und der Unterricht ging weiter. Bei einer Einweihung darf das rote Band nicht fehlen, schnell wurde ein breites rotes Band vor dem Treppenaufgang mit der freischwebenden Betontreppe zum Obergeschoss und den Sitztreppen ausgerollt, Scheren ausgeteilt und gemeinsam mit vier Kindern der letzte Einweihungsakt vollzogen. Getränke und Schnittchen standen an der Mensa für die Gäste bereit. Man stand noch einige Zeit beisammen oder schloss sich dem Rundgang mit Architekt Marek Lindemann bis ins Obergeschoss an.
Foto: Hannelore Nowacki
Ein besonderer Tag
„Heute ist ein besonderer Tag“. Mit diesen Worten begann Simone Kurt ihre Rede. Für ein Jahr ist sie kommissarische Schulleiterin. Schule sei ein Raum für neugierige Fragen und die Antworten, Schule sei mehr als ein Gebäude – sie sei ein Ort der Freude, des Lernens und vor allem der Gemeinschaft. Die erfreulichste Veränderung sei aber: In der großen Schule seien jetzt alle zusammen. Das Lehrerteam und die Kinder gemeinsam hätten es geschafft, diese Schule mit Leben zu füllen. Für die Erstklässler hatte die Schule mit ihrer Einschulungsfeier schon am Samstag begonnen, ein paar Tage später, am Donnerstag, wurde das neue Schulgebäude offiziell eingeweiht. Alle Kinder und Lehrkräfte sind nun an einem Ort vereint, die Zeit der Trennung zwischen zwei Schulstandorten ist mit dem Umzug aus der Viktoriastraße während der Sommerferien vorbei. Und bald ist auch das über 60 Jahre alte Schulgebäude Geschichte, das jetzt noch gegenüber dem Neubau hinter Bauzäunen auf den Abriss wartet. Bis Dezember soll das geschehen, zuerst wird innen daran gearbeitet, dann beißen sich die Bagger durch den Beton, alles wird sortenrein zur Wiederverwertung getrennt. Bauzäune überall rund um das Schulgelände und die Bauarbeiten an den Außenanlagen am Haupteingang noch im Gange. Eine Lage, die bei einigen Eltern für Unmut sorgt und Landrat Christian Engelhardt Beschwerden auch per E-Mail einbrachte. Vom technischen Leiter der Gebäudewirtschaft des Kreises Bergstraße Johannes Kühn war zu erfahren, dass der neue Schulhof erst nach dem Abriss gebaut werden könne, die Planung sei gemacht, die neuen Geräte beauftragt. Der erste Bauabschnitt sei bis September geplant, im Frühjahr oder zu Anfang des nächsten Sommers soll der neue Schulhof fertig sein.
Warum feiert man Einweihung, wenn noch Gerüste stehen?
Auf diese Frage von Eltern hatte Landrat Christian Engelhardt eine Antwort: Nach dem Umzug während der Sommerferien in das neue Schulgebäude war dies der passende Zeitpunkt. Und warum ist es so grau im Schulhaus? Das sei Absicht, erklärte Engelhardt, denn die Wände werden bunt durch die Kinder, die das Haus beleben. Auch eine Übergangslösung für den Schulhof gebe es: Mit Bürgermeister Scheib sei besprochen, dass bei Regen auch die Riedhalle genutzt werden könne. Bis dahin ist schon mal ein Teil des Parkplatzes vor der Riedhalle mit Bauzäunen gesichert und hinter der alten Schule wird die asphaltierte Fläche wie bisher schon in den Pausen genutzt. Den Kindern und Gästen berichtete Engelhardt von den Problemen beim Schulbau: „Da war sehr der Wurm drin“. Wasser hatte die Baugrube geflutet, Mängel am Beton des Rohbaus wurden entdeckt, doch das Bauunternehmen machte Pleite – es musste neu geplant werden und noch ist nicht alles fertig. Vier Jahre dauerte der Bau, der einschließlich Abriss des alten Gebäudes wie geplant 15 Millionen Euro kostet. Nachhaltig sei der Bau mit Geothermie zum Heizen und Belüftung über Wärmetauscher bei Nutzung der Nachtkühle. Auch könnten die Fenster des Oberlichts über dem Atrium geöffnet werden. Die Wärme bei der Einschulungsfeier erklärte sich Johannes Kühn von der Gebäudewirtschaft damit, dass die Tageshitze durch offene Fenster hereinkam.
Hannelore Nowacki
































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