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Mo., 18. Januar 2016, 14:10 Uhr
Spatenstich der Christophorus Wohnheime eG in Florianstraße erfolgt / Anwohner stehen Bau kritisch gegenüber
Eisige Temperaturen und frostige Stimmung zum Baustart
Die Bagger sind angerollt: Am Montag haben die Arbeiten zum Bau von fünf Gebäuden zur Unterbringung von Flüchtlingen in der Florianstraße begonnen. Foto: Benjamin Kloos
LAMPERTHEIM – Am Montag rollten in der Florianstraße die Bagger an, bei eisigen Temperaturen am kältesten Morgen des Winters waren die Bauarbeiter, welche die ersten Gruben für die künftigen Neubauten zur Unterbringung von Flüchtlingen aushoben, nicht zu beneiden.
„Geplant ist eine Bauzeit von sechs Monaten”, erläuterte Dipl.-Architekt Wolfgang Munstein gegenüber dem TIP. Dann sollen hier durch die Christophorus Wohnheime eG insgesamt fünf Gebäude mit jeweils vier Wohnungen für eine maximale Belegung von sechs Personen pro Wohnung, also für maximal 114 Personen, stehen. Zusätzlich werden am Standort in der Florianstraße für die Betreuung entsprechende Büro- und Gemeinschaftsräume zur Verfügung gestellt. Nach Zusage des Kreises Bergstraße wird bei Belegung der Gebäude eine sozialpädagogische Vor-Ort-Betreuung gewährleistet. Der Kreis Bergstraße hat zusammen mit der Christophorus Wohnheime eG ein Konzept entwickelt, nach dem die Gebäude zunächst für die Unterbringung von Flüchtlingen genutzt werden. Sollte dieser Bedarf nicht mehr bestehen, können die Gebäude in günstigen Wohnraum umgewandelt werden, um zukünftig den sozialen Wohnungsbau zu unterstützen.
Zumindest das derzeitige Wetter sollte dem planungsgemäßen Bauablauf keinen Strich durch die Rechnung machen: „Der Boden ist aktuell fünf Zentimeter tief gefroren, dies stellt kein Problem für uns dar”, betonten die Bauarbeiter. Besonders mit Hinblick auf die bereits am Wochenende wieder zu erwartenden, steigenden Temperaturen ist keine Verzögerung zu erwarten.
Ängste bei Anwohnern
Eisige Temperaturen herrschen indes nicht nur auf der Baustelle, sondern frostig ist auch die Stimmung bei den Anwohnern der Florianstraße: Bereits am Samstag wurde die Baustelle eingerichtet, wobei die ausführenden Bauarbeiter sich starken Anfeindungen gegenüber sahen – zu Unrecht, denn schließlich üben diese hier lediglich ihre Arbeit aus und sind keineswegs die richtigen Ansprechpartner für jedwede Kritik in Bezug auf die Flüchtlingsunterkünfte. Und Kommentare wie „Ich kaufe mir erst mal eine Kalschnikow” sind weder zielführend noch angesichts eines möglichst friedlichen Zusammenlebens mit den künftigen Nachbarn sinnvoll.
Verständlich ist jedoch, dass viele Menschen, die in der Florianstraße wohnen, Angst haben. Angst vor dem, was hinsichtlich ihrer künftigen Nachbarn auf die zukommen mag, Angst, die auch geprägt ist von Ereignissen in Köln und anderen Städten in der Silvesternacht. So kommentieren viele Eltern bei Facebook, dass sie gerade um ihre Kinder Angst haben, besonders auf deren Schulweg zur Bushaltestelle oder zum Bahnhof. Angst besteht aber auch vor ausländerfeindlichen Übergriffen und Brandanschlägen, zumal die neu entstehenden Häuser nahezu direkt an die bereits bestehende Wohnbebauung angrenzen werden.
Sicher sind viele dieser Ängste aller Wahrscheinlichkeit nach unbegründet und werden sich mit Sicherheit auch als solche erweisen, und dennoch – und dies hat nichts mit Fremdenfeindlichkeit zu tun sondern ist eine ganz normale menschliche Reaktion – sind diese Ängste vorhanden. Bei allem Verständnis für die Befürchtungen der Anwohner sollte dennoch vor unnötiger Panikmache gewarnt sein: Denn die absolute Mehrzahl der Flüchtlinge kommt hierher, um ein Leben in Frieden und Freiheit zu führen. Dies haben gerade die Flüchtlinge, die in dieser Region untergekommen sind, gezeigt. Deshalb gilt es von beiden Seiten mit Respekt aufeinander zuzugehen und gemeinsam eine Basis für ein harmonisches Miteinander zu schaffen. Das ist auch genau das, was die Anwohner sich wünschen: Ein friedliches Zusammenleben.
Denn wie heißt es bei einem Facebook-Kommentar so schön: „Haltet doch lieber zusammen, versucht gemeinsam die Flüchtlinge willkommen zu heißen, aber trotzdem Respekt zu haben, vor dem, was passieren könnte. Versucht die, die Angst haben zu verstehen! Jeder Mensch hat das Recht auf Leben, Angst und Gefühle". Benjamin Kloos