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  • Do., 10. September 2015, 20:33 Uhr
    Wirtschaftsförderung Bergstraße und Volksbank geben Impulse

    „Elektromobilität für Unternehmen“ – gut für das Image, aber nicht billig

    Das Thema Elektromobilität für Unternehmen ist vielfältig und technisch anspruchsvoll, wie die Vorträge und die anschließende Diskussion zeigten. Im Bild: Klaus Baumgärtner (von links), Dr. Peter Müller, Matthias Martiné, Gottfried Störmer, Jürgen Schilling und Dr. Matthias Zürker. Foto: Hannelore Nowacki


    KREIS BERGSTRASSE – Sind Fahrzeuge mit Elektroantrieb schon heute Alternativen für Unternehmen aus der Wirtschaftsregion Bergstraße? Und wie sehen die Erfahrungen mit der Elektromobilität im Arbeitsalltag aus? Diese und weitere Themenfelder um das Elektrofahrzeug der Gegenwart und Zukunft standen im Mittelpunkt der Informationsveranstaltung am Dienstagabend in den Räumen der Volksbank Darmstadt-Südhessen in der Gewerbestraße 1. Auf Einladung der Wirtschaftsförderung Bergstraße  (WFB) waren fast vierzig Unternehmer und Vertreter von Städten und Gemeinden gekommen, unter ihnen die Bürgermeister aus Lorsch und Einhausen. Aus Biblis kam Bürgermeister Felix Kusicka , aus Bürstadt der Erste Stadtrat Walter Wiedemann. In seinen Grußworten wies der Lampertheimer Bürgermeister Gottfried Störmer darauf hin, dass bei der Stadt Lampertheim bereits ein Elektrofahrzeug in Betrieb sei, die Beschaffung eines weiteren E-Fahrzeugs für den Bauhof sei geplant. Schon öfter habe er sich über dieses innovative Thema ausgetauscht, aber noch führe die Elektromobilität ein Nischen-Dasein. Matthias Martiné, Sprecher des Vorstands der Volksbank Darmstadt-Südhessen, dankte der Wirtschaftsförderung Bergstraße für diese gemeinsame Veranstaltung, in der drei Referenten zum Thema Elektromobilität aus verschiedenen Perspektiven Stellung nahmen. Die Moderation der anschließenden Diskussionsrunde übernahm Dr. Matthias Zürker, Geschäftsführer der WFB.

    Das Land Hessen fördert Akzeptanz und Forschung

    Jürgen Schilling, beim Hessischen Ministerium für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Landesentwicklung in der neu geschaffenen HA Hessenagentur GmbH für die Geschäftsstelle Elektromobilität zuständig, erläuterte die Aufgaben, Projekte und Programme zum Gebiet der Elektromobilität für Unternehmen. Im Vordergrund stehen die Förderung der „Sichtbarkeit“ und „Erfahrungsevaluierung“ sowie die Forschungsförderung. Bei einem Praxistest mit bis zu zweiwöchigen Probefahrten mit 60 Elektrofahrzeugen zeigte sich die starke Resonanz - 1.600 Beschäftigte mehrerer Unternehmen hatten sich beworben. Hessische Kommunen haben eine Förderung von 12 Millionen Euro in drei Jahren erhalten. Fortschritte sollen auch durch die Begleitforschung an der Uni Frankfurt und die Vernetzung durch Graduiertenprojekte erreicht werden. Die HA habe bereits 170 Unternehmen evaluiert, die sich mit der Elektromobilität beschäftigt haben.  Herausragende Kompetenzen gebe es in einigen Branchen wie bei Batterie- und Komponentenherstellern, Recyclingunternehmen sowie Prüf- und Testanlagen. Schiller ist überzeugt: „Die Strategie muss bei der Nachfrage einsetzen“. Unternehmen und Mitarbeiter sollen sich für die Elektromobilität begeistern. Dies soll mit praxisbezogenen, regionale Veranstaltungen und gezielten Workshops mit hochkarätigen Unternehmen erreicht werden. Wichtig seien die Bürgermeister für die Gewinnung von „E-Lotsen“ in den Kommunen, die als Ansprechpartner mit fünftägigen Schulungsprogrammen auf die Elektromobilität vorbereitet werden. Mit über 1 Million Euro pro Jahr werden Förderprogramme bezuschusst. An ein Gütesiegel für Marken ist gedacht, das für Hersteller von Komponenten werben soll, ähnlich wie „Gutes aus Hessen“ oder „Hessen inside“.  Der Referent selbst ist begeistert von der Elektromobilität: „Es macht auch Spaß und ist nicht nur ökologisch sinnvoll“.

    Unternehmen profitieren vom umweltfreundlichen Image 

    Bei der BridgingIT GmbH mit fast 400 Mitarbeitern und einer Dienstwagenflotte von über 150 Fahrzeugen gibt es zurzeit 14 langstreckentaugliche E-Fahrzeuge von Tesla, bis Ende des Jahres sollen es 18 sein. Außerdem sind zwei BMW i3 und ein Smart ED vertreten,  wie Geschäftsführer Klaus Baumgärtner in seinem Vortrag hervorhob. Denn hier liegt der Knackpunkt. Die in Deutschland verfügbaren Fahrzeuge seien keine reinen E-Fahrzeuge und auch nicht für den zuverlässigen und schnellen Langstreckenverkehr ausgelegt. Daher habe man sich für die teure US-amerikanische Marke Tesla entschieden. Zur internen Wertekultur gehöre, etwas anders zu machen und konsequente Nachhaltigkeit nicht nur zu predigen, sondern in der Praxis anzuwenden. Bei der BridgingIT GmbH werden die auf drei Jahre geleasten E-Fahrzeuge den Mitarbeitern persönlich zugeordnet. Die Praxistauglichkeit erfahren sie auch bei Urlaubsfahrten. Baumgärtner sieht einen Vorteil: Die Elektromobilität führe zu einem Image- und Attraktivitätsgewinn des Unternehmens. Allein von Januar bis Juli seien bei einer Fahrleistung von 290.000 Kilometern 39 Tonnen CO2 eingespart worden.

    Kurzstrecken-Mobilität und Ladepunkte

    Dr. Peter Müller, Vorstand der GGEW AG, gab zu bedenken, dass der Verkehr 40 Prozent der Energie verbrauche. Die Energiewende und die Elektromobilität seien noch über viele Jahre wie ein Puzzlespiel, dennoch zeigte sich Müller optimistisch. Allerdings sollten Fördermittel nicht für den Kauf von E-Fahrzeugen, sondern für die Forschung ausgegeben werden, meinte Müller. Für die Kurzstrecken-Mobilität in Bensheim und Umgebung stehen zurzeit 60 Ladestationen zur Verfügung. Bensheim sei überdies Modellkommune für den Aufbau einer wirtschaftlichen und intelligenten Ladeinfrastruktur. Ladekabel mit Internetzugang ermöglichen die Auswahl des Stromversorgers und die Abrechnung. Hannelore Nowacki

     

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