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  • Mo., 05. Oktober 2015, 10:19 Uhr
    Wassersportverein feierte zum Saisonabschluss mit zwei Europameisterinnen und Bootstaufe

    Erfolgreich, aber der Altrhein verschlammt

    Die sportlichen Erfolgsnachrichten des WSV trafen beim Publikum in der voll besetzten WSV-Halle auf große Resonanz. Unter den Ehrengästen waren Verbandsvertreter, Bürgermeister Gottfried Störmer, Stadtverordnetenvorsteherin Brigitte Stass, Erster Stadtrat Jens Klingler sowie Vertreter der Fraktionen. Foto: Hannelore Nowacki


    LAMPERTHEIM – Der Wassersportverein Lampertheim (WSV) feierte zum Saisonabschluss seine zahlreichen Erfolge. Zwei Europameisterinnen  hat der WSV in seinen Reihen: Emily Bildat und Annika Adler siegten mit der U-21-Nationalmannschaft in Essen. Ein wahrer Medaillenregen war über den Verein gekommen - die Bilanz ist beeindruckend, auch was die Nachwuchsarbeit betrifft. Das zurückliegende Jahr bezeichnete Vereinsvorsitzende Erika Gabler in ihrer Begrüßungsrede als „hervorragend“. Einzig das Regenwetter hatte dem WSV am Sonntagvormittag einen Strich durch die Rechnung gemacht. Bei der Saisonabschlussfeier in der WSV-Halle mit Bootstaufe saßen die Sportler und Gäste zwar im Trockenen, aber der Blick auf den Altrhein fehlte. Das Thema Altrhein bewegte die Gemüter allerdings wegen der möglicherweise trüben Aussichten für Training und Regatten. Dazu nahm auch Bürgermeister Gottfried Störmer Stellung. Wie die Vorsitzende in ihrer Begrüßungsansprache feststellte, waren überraschend viele Gäste Vereinsmitglieder und Angehörige, gekommen - so zahlreich, dass sie von einem „riesigen Ansturm“ sprach. Helfer hatten weitere Tische und Stühle herbeigeschafft, die Tischreihen wurden länger und länger. Unter den Ehrengästen waren neben dem Bürgermeister Stadtverordnetenvorsteherin Brigitte Stass, Erster Stadtrat Jens Klingler und Vertreter der Fraktionen sowie Kreisbeigeordneter Heinz Klee in Vertretung des Landrats. Aus der Welt des Sports begrüßte Gabler einen Vertreter des Landessportbundes Hessen, den Präsidenten des Hessischen Kanuverbandes (HKV) Christian Rose sowie dessen  Vizepräsidenten des Leistungssports Thomas Sommer. Zu den Erfolgen zählte die Vereinsvorsitzende die vor einem Jahr gegründete Kanu-Akademie, Förderpreise, die Nachwuchsarbeit und als Zukunftssicherung den Kauf der Ruderhalle für Hänger, Bootsmaterial und andere Zwecke. Als „herausragende sportliche Leistungen“ insbesondere im Nachwuchsbereich und „als Sahnehäubchen“ nannte Gabler den Titelgewinn der beiden Kanu-Polo-Spielerinnen bei den Europameisterschaften der U-21-Damen-Kanu-Polo-Mannschaften in Essen. „Dies alles erfüllt uns mit Stolz und ist Lohn für das Engagement unserer Trainer und Übungsleiter, der Sportler und Eltern und nicht zuletzt der Förderer und Unterstützer unseres Vereins“, betonte Gabler. Eine lange Liste von Unterstützern verlas Gabler, darunter große und kleinere Firmen aus Lampertheim und der Metropolregion, Privatleute und die Stadt Lampertheim im Rahmen ihrer Sportförderungsrichtlinien. 25 Neueintritte bei den Nachwuchssportlern verzeichnet der WSV, weitere Boote waren daher nötig. Den Ankauf von vier Schülerbooten ermöglichten Sponsoren. Hilfe durch Leihgaben von Bootsmaterial war auch dem Wassersportverein Worms und Kanuverein Ginsheim-Gustavsburg zu verdanken. Dieter Brechenser, Trainer und WSV-Sportwart, fasste die Erfolge zusammen: Bei 10 Regatten errang der WSV 154 Siege, 80 zweite Plätze und 57 dritte Plätze. Bei den Süddeutschen Meisterschaften brachten die WSV-Sportler 5 Mal Gold nach Hause. Sein Fazit: „Wir haben die besten Schüler-B-Mannschaften in Süddeutschland“.

    Die Europameisterinnen Emily Bildat (links) und Annika Adler (rechts) sind der Stolz des Wassersportvereins Lampertheim und seiner Vorsitzenden Erika Gabler. Foto: Hannelore Nowacki


    Bei den Hessenmeisterschaften in Wiesbaden holten die WSV-Sportler 32 von insgesamt 38 Titeln, 47 Sportler kamen mit einer Goldmedaille zurück. „Unsere Mühe hat sich gelohnt“, teilte  Brechenser den Zuhörern mit. Auch der 1. Vorsitzende der Kanu-Akademie Bernd Brechenser legte dem Publikum zahlreiche Erfolgsmeldungen vor, die aus der  Nachwuchsförderung resultierten und beschrieb das erfolgreiche Konzept der drei Säulen mit Vereinsarbeit, Talentförderung und Kanu-Akademie. Allerdings: Ohne finanzielle Unterstützung verschiedener Seiten wäre der Zustrom neuer junger Talente nicht möglich gewesen. Eltern hätten wohl kaum 300 Euro für die nachmittägliche Schülerbetreuung mit Training bezahlen wollen.

    Muss gespart werden - wird der Altrhein verlanden?  

    Wie Kreisbeigeordneter Klee sprach auch HKV-Präsident Rose das Problem Altrhein mit der fortschreitenden Verschlammung an. „Sehenden Auges würde die erfolgreiche Arbeit des WSV beendet“, warnte er und appellierte an die Stadt Lampertheim wie auch an das Land Hessen „sich zum Altrhein und Sport zu bekennen“. Sein Vorwurf: „Wenn Ehrenamtliche etwas wollen, wird abgewunken“ - wobei die Gesellschaft ohne dieses ehrenamtliche Engagement ärmer wäre. Bürgermeister Störmer nannte in seiner Stellungnahme die Gründe, weshalb auch im nächsten Jahr nicht mit Fortschritten bei der Altrheinsanierung zu rechnen sei. Störmer verkündete diese „unangenehme Wahrheit“: Im Haushalt 2016, der gerade aufgestellt werde, könne kein Geld für den Altrhein bereitgestellt werden, denn der  Genehmigungsbehörde müsse ein ausgeglichener Haushalt vorgelegt werden. „Das können wir uns in diesem Jahr nicht erlauben“, sagte Störmer. Dennoch sei der Altrhein nicht von der Agenda gestrichen. „Ich stehe auch persönlich dafür, dass wir den Altrhein erhalten wollen“. Störmer nannte im Vergleich weitere Vorhaben, die wegen des Sparens entfallen müssten - weder Straßen noch Kanalisation könnten saniert werden. Vereinsvorsitzende Gabler zeigte sich enttäuscht von einem Gespräch am Freitag im Stadthaus, bei dem diese Nachricht bereits bekannt wurde. Selbst seit 2003 in der Initiative „Rettet den Altrhein“ aktiv, will sie dennoch für weitere Unterstützung werben. Hannelore Nowacki

    Der WSV-Nachwuchs braucht Boote. Diese vier Schülerboote wurden mit Unterstützung von Sponsoren angeschafft. Energieried spendierte zwei Boote, Bob und Stuart, die Geschäftsführer Frank Kaus taufte. Die Sparkasse Worms-Alzey-Ried spendete ein Boot wie auch Jürgen Sand. Foto: Hannelore Nowacki


     

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