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Mo., 10. November 2014, 10:38 Uhr
Lampertheim gedenkt der Opfer der Reichspogromnacht vor 76 Jahren und richtet den Fokus auch auf das Heute
Erinnerung an dunkle Stunden und unermessliches Leid
Mit Musik und Texten gedachte die Projektgruppe „Trialog der Kulturen“ des Lessing-Gymnasiums der NS-Opfer und richtete den Fokus auf das Heute. Foto: Eva Wiegand
LAMPERTHEIM – Am letzten Sonntag hatten sich erneut zum Jahrestag der Reichspogromnacht am ehemaligen Standort der Lampertheimer Synagoge zahlreiche Menschen eingefunden, um an das Leid, das der jüdischen Bevölkerung vor 76 Jahren angetan wurde, zu erinnern. „Wir tun das immer wieder und das ist nicht nur richtig, sondern auch wichtig“, betonte Bürgermeister Gottfried Störmer, der gemeinsam mit der Stadtverordnetenvorsteherin Brigitte Stass sowie dem DGB-Ortsverbandsmitglied Norbert Fuchs zu der Gedenkstunde eingeladen hatte. „Die Untaten, die damals geschahen, erfüllen uns mit Trauer und Scham. Und sie werfen uns bis heute quälende Fragen auf: wie konnte es dazu kommen? Wie hätten wir uns damals verhalten? Was können wir tun, damit sich solch schreckliche Verbrechen nie wiederholen?“. In jener Nacht vom 9. Auf den 10. November sei genau an dieser Stelle die Synagoge in Flammen aufgegangen, Geschäfte und Wohnungen jüdischer Inhaber seien zerstört, zahllose Juden brutal attackiert und verletzt worden, erinnerte der Bürgermeister. Gedenken bedeute sich der Geschichte zu stellen und sensibilisiere so dafür, die Anzeichen von Antisemitismus, Intoleranz und Gewalt zu erkennen. „Gedenken schließt ein, für eine Gesellschaft einzutreten, die von Menschlichkeit, Toleranz und Gewaltlosigkeit geprägt ist“, so Störmer. Das bedeute, sich mit dem alltäglichen Antisemitismus, dem Nationalismus und Rechtsextremismus auseinanderzusetzen und diesen Ideologien etwas entgegenzusetzen. Zuversichtlich stimme, dass Schüler großes Interesse an Geschichtsprojekten zur NS-Zeit zeigten und sich auch dieses Jahr Jugendliche an der Gedenkstunde beteiligten. Zu Wort kamen im Anschluss an die Rede des Bürgermeisters die Schüler der Projektgruppe „Trialog der Kulturen“ des Lessing-Gymnasiums, die sowohl mit instrumentalen Beiträgen als auch mit Redebeiträgen an der Gedenkstunde teilnahmen. Sie erinnerten dabei an die Menschen, die jene Nacht nie werden vergessen können und zitierten dabei unter anderem Anita Lasker-Wallfisch, einer der letzten Überlebenden des Mädchenorchesters Auschwitz.
Nach dem Entzünden zahlreicher Kerzen vor der ehemaligen Synagoge, einer Geste der Erinnerung, richteten die Jugendlichen dann den Fokus auf das Heute. Die Aufgabe aller sei es, aus den Fehlern zu lernen, damit sich so etwas nicht wiederholen könne. „Wir müssen alles tun, damit die Demokratie erhalten bleibt“, lautete die Aussage der Jugendlichen. Eva Wiegand
Eine Geste der Erinnerung: Zur Gedenkstunde zündeten die Menschen - wie hier Bürgermeister Gottfried Störmer - Kerzen an und gedachten am Standort der ehemaligen Synagoge der Opfer. Foto: Eva Wiegand