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Di., 10. November 2015, 00:49 Uhr
Lampertheim gedachte der Opfer der Reichspogromnacht vor 77 Jahren und richtet den Fokus auch auf das Heute
Erinnerung an dunkle Stunden und unermessliches Leid
Am Montag gedachten zahlreiche Lampertheimer den Opfern des Nationalsozialismus. Eindrucksvoll erinnerten Schüler des LGL an die Gräueltaten – so wie hier Julia Schmitt, die auf ihrer Geige die Titelmelodie von Schindlers Liste spielte, zu der Katharina Scharlach bewegende Bilder hochhielt. Foto: Benjamin Kloos
LAMPERTHEIM – Am Montag hatten sich zum 77. Jahrestag der Reichspogromnacht am ehemaligen Standort der Lampertheimer Synagoge zahlreiche Menschen eingefunden, um an das Leid, das der jüdischen Bevölkerung während der Nazi-Diktatur angetan wurde, zu erinnern. „Wir tun das immer wieder und das ist nicht nur richtig, sondern auch wichtig“, betonte Bürgermeister Gottfried Störmer, der gemeinsam mit der Stadtverordnetenvorsteherin Brigitte Stass sowie dem DGB-Ortsverbandsmitglied Norbert Fuchs zu der Gedenkstunde eingeladen hatte.
„Jene Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 war für die jüdischen Deutschen ein einziger Albtraum. Auch in Lampertheim waren die jüdischen Mitbürger, war ihr Hab und Gut ungehemmter Gewalt ausgesetzt. Die Synagoge in der Wilhelmstraße ging in Flammen auf, jüdische Nachbarn wurden drangsaliert, angegriffen und ausgeraubt.” Mit Blick auf die Gräueltaten in den Konzentrationslagern ergänzte Störmer: „Gedenken ist dem Gestern wie dem Heute verpflichtet.” Wichtig sei es heute vor allem, „Antisemitismus, Fremdenfeindlichkeit und Intoleranz entscheiden und konsequent entgegenzutreten. Es ist unsere Aufgabe, sogleich einzuschreiten, wenn Menschen anderen Glaubens oder anderer Herkunft, wenn Minderheiten oder Flüchtlinge angefeindet oder angegriffen werden.”
Im Anschluss gedachten Schüler des Lessing-Gymnasiums eindrucksvoll der Geschichte und den Gewalttaten gegenüber den jüdischen Mitbürgern während des Nazi-Regimes. Während Katharina Scharlach Bilder, die brennende Synagogen sowie schreckliche Szenen aus den Konzentrationslagern zeigten,hochhielt, berührte Julia Schmitt mit ihrer Geige, auf der sie die bekannte Titelmelodie aus Schindlers Liste spielte, die Herzen der Zuhörer. Ebenso eindringlich erinnerten Schüler des LGL mit einer Inszenierung, einem Lied und dem Vortrag aus dem Tagebuch von Michael Rosenberg aus Würzburg an jene Nacht, die so viel Leid über die jüdischen Deutschen bracht.
Nach dem Entzünden zahlreicher Kerzen vor der ehemaligen Synagoge, einer Geste der Erinnerung, richteten die Jugendlichen dann den Fokus auf das Heute. Die Aufgabe aller sei es, aus den Fehlern zu lernen, damit sich so etwas nicht wiederholen könne. Und mit Blick auf die aktuelle Situation rund um Menschen, die aus Kriegsgebieten auch nach Lampertheim kommen, betonten die Schüler abschließend: „Die Flüchtlinge sind Menschen wie Du und Ich. Lasst uns aus Fremden Freunde machen.” Benjamin Kloos