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  • Fr., 17. Mai 2024, 11:49 Uhr
    GEDENKEN: Neun Stolpersteine zum Gedenken an Familie May gelegt

    Erinnerungen in Worten und Bildern rührten zu Tränen

    LAMPERTHEIM – Die Familiengeschichte reicht bis ins Jahr 1650 zurück wie der Stammbaum von Ferdinand May aus Lampertheim zeigt, ein Stammbaum mit Verzweigungen in Lampertheim, Worms und später in weiteren Städten und Gemeinden im In- und Ausland, in Frankreich, USA, Kanada und Chile. Doch viermal endete das Leben von Familienmitgliedern 1942 im KZ Auschwitz, Josef May kam bereits 1938 im KZ Buchenwald ums Leben. Anderen Familienmitgliedern wie Lore May (Rasmussen) gelang die Flucht 1938 zunächst nach Frankreich, von dort emigrierte sie in die USA, heiratete und bekam die Söhne Peter, Steven und David Rasmussen.

    Mit der ganzen Großfamilie und Freunden waren sie für eine Woche nach Lampertheim gekommen, um den Spuren ihrer Vorfahren nachzugehen, wobei Lore Mays Söhne eigene Erinnerungen an ihr Leben in Lampertheim haben. Mit Stadtarchivarin Carmen Daramus führte sie der Weg zum Jüdischen Friedhof und zu Stationen, an denen die Familie May gelebt hatte.

    Die Großfamilie Rasmussen berichtete auf berührende Weise aus dem Leben ihrer Vorfahren. Foto: Hannelore Nowacki


    Nach dem Empfang am Dienstag im Rathaus mit Bürgermeister Gottfried Störmer versammelte sich die Familie Rasmussen zur Stolpersteinverlegung gemeinsam mit Stadtverordneten, Magistratsmitgliedern, Verwaltungsmitarbeitern, Vertretern der Bürgerstiftung, der Sparkasse und Buchautoren Volker Ochs und Karl Klemm („Der Erinnerung einen Namen geben“) sowie weiteren interessierten Bürgern in der Kaiserstraße. Gunter Demnig hatte mit Unterstützung von Bauhofmitarbeitern neun Stolpersteine vor der Hausnummer 34 ins Pflasterbett versenkt. Unzählige Stolpersteine hat er in Deutschland und im Ausland bereits verlegt.

    Musikalisch einfühlsam haben Daria Chikovani gesanglich und Sophie Lutzi mit berührendem Geigenspiel die Feier begleitet. Während der zu Herzen gehenden Violinenklänge der „Méditation Thais“ von Jean Massenet legten Familienmitglieder, Bürgermeister Gottfried Störmer, Erster Stadtrat Marius Schmidt sowie Vertreter der Lokalpolitik weiße Rosen auf die Stolpersteine. Zur Erinnerung an ihren Besuch in Lampertheim überreichte Bürgermeister Störmer den Familienangehörigen eine Geschenktüte mit einem Lampertheinmer Bildband und Kalender, eine „Friedenskerze“ und Weinkühler.

    Die Historische Tafel gegenüber der Adresse Kaiserstraße 34 enthüllten Erich Maier und Elzbieta Liermann vom Vorstand der Bürgerstiftung an der Seite von Peter Rasmussen. Foto: Hannelore Nowacki


    Worte und Bilder, die berühren

    Auch nach Jahrzehnten sind Erinnerungen noch lebendig, besonders die schmerzhaften Erinnerungen können zu Tränen rühren, wie es bei der Stolpersteinverlegung den Älteren und Söhnen ging, als die Familie Rasmussen aus dem Leben ihrer Mutter, Großmutter und Urgroßmutter Lore May und weiteren Familienangehörigen berichtete und dabei Fotografien in Händen hielt. Vier Urenkel im Alter von sieben, 14, 17 und 18 Jahren waren mitgereist.

    Die Familie May und das Kaufhaus May

    1872 gründete Ferdinand May im Alter von 32 Jahren das Kaufhaus May in der Wilhelmstraße 79, heiratete seine Jettchen und führte das Kaufhaus erfolgreich bis zu seinem frühen Tod im Alter von 59 Jahren. Jettchen May und später die Nachfahren führten das Kaufhaus weiter, das 1912 ins neu erbaute Gebäude in der Kaiserstraße mit der heutigen Hausnummer 34 (damals 22) umzog. Die Nazis gingen wie überall in Deutschland auch in Lampertheim gegen die jüdischen Mitbürger vor – im April 1938 wurde Ludwig May unter Mitwirkung des damaligen Nazi-Bürgermeisters gezwungen, das Haus zu ungünstigen Bedingungen zu verkaufen, im Mai 1939 mussten Jettchen und Ludwig May die Firma offiziell durch ihre Unterschrift auflösen.

    Zum Gedenken legten Bürgermeister Gottfried Störmer, Familienangehörige und weitere Teilnehmer der Feier weiße Rosen über die neun Stolpersteine. Danach verabschiedete Bürgermeister Gottfried Störmer die Großfamilie aus USA, Kanada und Chile. Foto: Hannelore Nowacki


    Ludwig May gelang für drei Personen die Überfahrt nach Chile, die zurückgebliebenen Familienmitglieder wurden in Mannheim verhaftet und ins Internierungslager Gurs in Frankreich deportiert und später im KZ Auschwitz ermordet. Das Gebäude verkaufte die Bezirkssparkasse Lorsch an die spätere Kreis- und Stadtsparkasse Worms. Heute ist das Gebäude im Besitz der Rheinhessen Sparkasse, deren Filiale mittlerweile geschlossen ist. Eine Messingtafel zum Gedenken an Familie May und ihr Kaufhaus wurde im Einverständnis mit der Sparkasse auf eigene Kosten angebracht und am Dienstag im Rahmen der Stolpersteinverlegung enthüllt. Das „Historische Schild“ auf der Straßenseite gegenüber haben die drei Söhne von Lore May gemeinsam mit der Bürgerstiftung gestaltet. Erich Maier, Vorsitzender der Bürgerstiftung und Vorstandsmitglied

    Elzbieta Liermann enthüllten das Schild an der Seite von Peter Rasmussen. In einem 76 Seiten starken Buch erzählen Peter, Steven und David Rasmussen ihre Geschichte und die ihrer Familie, ein Exemplar konnte sich jeder mitnehmen.

    Hannelore Nowacki

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