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  • Di., 26. Mai 2015, 11:45 Uhr
    Lautstarker Demonstrationszug zur Unterstützung der Streikforderungen in Lampertheim sorgte für Aufmerksamkeit

    „Erzieher sind wie Dessous: Spitzenqualität für einen Hauch von Nichts"

    Verliehen ihren Forderungen lautstark Ausdruck: Lampertheimer Erzieherinnen bei ihrem Demonstrationszug. Foto: Benjamin Kloos


    LAMPERTHEIM - „Wir sind es wert" hallte es am Dienstag laut durch die Lampertheimer Innenstadt: Begleitet von Trillerpfeifen, Trommeln und lautstarken Willensbekundungen zogen Erzieherinnen, Eltern und Kinder vom Europaplatz über das Haus am Römer bis zum Schillerplatz, um für ihre Ziele zu demonstrieren.
    Erzieherinnen aus den Kindertagesstätten und -krippen Saarstraße, Guldenweg, Europaring, Rosengarten, Zwergenschloss und Zauberwald hatten sich versammelt, um ihren Forderungen während des andauernden Streikes für mehr Anerkennung und mehr Gehalt Ausdruck zu verleihen. In den betroffenen Kindertagesstätten und -krippen wurde ein Notdienst eingesetzt.
    „Erzieher sind wie Dessous: Spitzenqualität für einen Hauch von Nichts" stand ebenso zu lesen wie „Kinder brauchen Knete. Wir auch!" oder „Zukunftsgestalterin" und „Mit dem Einkommen kein Auskommen" - genauso kreativ wie bei der Auswahl der Sprüche zeigten sich die Erzieherinnen auch bei ihren Reden: „Wir arbeiten für die Gesellschaft. Wir arbeiten für die Zukunft. Wir arbeiten richtig gut", riefen die Demonstranten immer wieder, und Sabine Bondzio, Gewerkschaftssekretärin bei Ver.di, brachte es auf dem Schillerplatz auf den Punkt: „Die Eingruppierungsregeln sind veraltet, nach wie vor verdienen Menschen in den sogenannten typischen Frauenberufen weniger als in typischen Männerberufen. Und das, nachdem Erzieher in ihre fünfjährigen Ausbildung vier Jahre keinen Cent sehen. Soziale Arbeit wird nicht gewürdigt! Das Ziel muss es sein, mit dem Gehalt einer Erzieherin eine Familie ernähren zu können. Unsere Forderungen sind maßvoll und finanzierbar", sieht Bondzio den Handlungsspielball bei den Arbeitgebern. „die sich leider überhaupt nicht bewegen. Sie unterschätzen den Druck, den wir ausüben können."

    Kreativität nicht nur im Beruf: Auch bei den Plakaten und T-Shirts zeigten die Erzieherinnen, dass sie Wertschätzung verdient haben. Foto: Benjamin Kloos


    Denn alleine in Südhessen befinden sich derzeit mehr als 1.400 Erzieherinnen und Erzieher im Streik. Am Donnerstag findet in Frankfurt eine weitere Kundgebung für die Forderungen der Erzieher statt: Auf dem Römer werden 13.000 Menschen erwartet, um während der parallel stattfindenden Sitzung der kommunalen Arbeitgeberverbände nochmals Druck auszuüben.
    Die Elternschaft reagiert gespalten, wobei ein Großteil der Eltern den Streik unterstützt. So wie Tanja Hoock, die am Demonstrationszug teilnahm. „Viele Eltern haben Probleme, die Betreuung für ihre Kinder während des Streikes zu organisieren. Aber die Erzieherinnen sind täglich einer hohen Belastung ausgesetzt, dies muss auch finanzielle gewürdigt werden. Es geht um die Zukunft auch und gerade unserer Kinder. Diese sollten bestmöglichst betreut werden, und diese gute Arbeit der Erzieher muss auch belohnt werden." Benjamin Kloos

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