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  • Mi., 08. April 2020, 10:49 Uhr
    Markus Kern über die Auswirkungen der Coronakrise auf das Bestattungswesen

    Es ist schlimm, im Trauerfall so zu arbeiten 

    Markus Kern weist auch auf die derzeit schwierige Situation für Bestatter und Angehörige bei Trauerfällen hin. Foto: Benjamin Kloos


    RIED – „Ja, die Coronakrlse hat das Bestattungswesen zutiefst erschüttert und zwingt uns zu Maßnahmen die wir uns nie erträumt hätten”, berichten Markus Kern und seine Mitarbeiter vom gleichnahmigen Bestattungshaus in Lampertheim und Bürstadt. Kern und seine Mitarbeiter die noch vor wenigen Wochen Angehörigen einen würdevollen Abschied ermöglichten, müssen jetzt auf Dinge verzichten, die vor der Krise selbstverständlich waren. 

    Angefangen bei der Dekoration der Trauerhalle. Diese darf momentan nicht genutzt werden, da ausnahmslos die Trauerfeiern nur im Freien stattfinden dürfen. Dies ist nicht einfach, denn wenn das Wetter nicht mitspielt, ist dies alles – nur kein würdevolles Begräbnis, so Markus Kern. 

    Ohnehin sind die Menschen bestraft, da auf gewohnte Dinge verzichtet werden müsse. Somit darf keine Erde mehr ans Grab gestellt werden. Ebenso muss auf Blütenblätter am Grab verzichtet werden. Eine Kondolenzliste gibt es auch nicht, der Mindestabstand ist ebenso einzuhalten wie die Personenzahl, die auf 20 Trauergäste beschränkt ist. 

    Bei einer Erdbestattung muss man das Friedhofspersonal, den Bestatter und Pfarrer oder Redner, den Organisten abziehen. Man kann sich vorstellen, wer da noch von den Angehörigen Abschied nehmen darf…! Eine ganz, ganz schlimme Vorstellung für die Angehörigen, aber derzeit leider nicht zu ändern. Dennoch haben wir nach Möglichkeiten gesucht, wenigstens das ganze musikalisch zu umrahmen. So kann ein Orgelspieler Liederwünschen nachkommen, oder aber auch von CD Musikwünsche berücksichtigt werden. 

    Wenn zur Trauer dann solche Einschränkungen kommen, ist dies alles andere als erfreulich. Ferner müssen wir alle teilnehmenden Personen auflisten, damit im Fall der Fälle schnell reagiert werden kann. Manche Menschen haben hier leider kein Verständnis und auch wenn Menschen sich einige Gräber weiter stellen, so gilt hier die derzeit vorgeschriebene Personenzahl, weißt Kern hin. Uns sind selber die Hände gebunden und wir halten uns an Vorgaben, die zu erfüllen sind. Deshalb werden diesbezüglich auch keine Aushänge über Verstorbene gemacht, um die Zahl der Teilnehmer nicht zusätzlich zu erhöhen. Diese ist den Angehörigen vorbehalten. 

    In manchen Bundesländern sind nur zehn Personen gestattet. Was bleibt da noch von den Angehörigen übrig, die teilnehmen dürfen, zieht man das Personal des Friedhofes usw. ab? Eine schwere auch psysische Belastung für eine Familie, die einen Menschen verloren hat – und somit nur schwer vorstellbar. 

    Ohnehin ist der Beruf des Bestatters derzeit alles andere als einfach. Bei Menschen mit Coronavirus müssen nicht nur die Mitarbeiter geschützt werden, sondern auch hier gelten diverse Hygiene- und Sicherungsmaßnahmen die einzuhalten sind.Auch die Materialbeschaffung fällt uns nicht leicht, der Markt ist leergefegt.  Zudem müssen wir hier vorsorgend arbeiten, denn viele Verstorbene sind ja nicht auf Corona getestet, wir wissen also nicht, ob jemand infiziert ist oder eben nicht. Alles in allem eine schwere Zeit, auch für uns als Bestatter. Und dennoch tragen meine Mitarbeiter und auch ich unser Bestes dazu bei, damit es trotz der schweren Lage ein einigermaßen würdevolles Begräbnis wird. 

    Wenn auch unser Büro Tag für Tag besetzt ist, so beschränken wir uns bei einer Sterbefallberatung auf maximal zwei Personen der Familie. Die Vorsorgeberatung und auch Fragen über Sterbekassen die wir anbieten stellen wir derzeit etwas in den Hintergrund, oder beraten telefonisch um möglichst wenig Kundenverkehr im Büro zu haben. Aber auch das bekommen wir hin. Und es wird hoffentlich bald wieder die Zeit kommen, wo alles seinen normalen Weg geht. 

    Denn solch ein Ablauf wie er derzeit bei Trauerfeiern gibt ist nicht dass, was wir gerne als Bestatter für unsere Angehörigen tun würden. 

    Hoffentlich bleibt die schlimmere Variante aus, nämlich ohne Angehörige ein Begräbnis durchzuführen, dass wäre nicht nur für Angehörige fatal, sondern auch für uns als Bestatter. Man stelle sich vor, keinen Abschied mehr nehmen zu können ... Nein, dass will ich mir nicht vorstellen betont Markus Kern und appelliert an die Vernunft der Menschen, ihren Sicherheitsabstand einzuhalten, die Hände mehrmals zu waschen und wenn möglichst zu Hause zu bleiben. 

    Denn auch wir hoffen, dass alles bald ein Ende hat, doch letztlich wird man nach der Krise auf vieles achten und vielleicht auch verzichten müssen. zg

     

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