Do., 15. Oktober 2015, 00:19 Uhr
Magistratspressegespräch: Bürgermeister Störmer übt Kritik bezüglich S-Bahn-Ausbau
„Fahren bei Flüchtlingszahlen weiter auf Sicht”
LAMPERTHEIM – 230 Flüchtlinge leben derzeit in Lampertheim, für weitere 58 Personen steht Wohnraum zur Verfügung. „Mit der Florianstraße und der Ringstraße können wir die Zielsetzung von 450 Wohnraumplätzen für Flüchtlinge bis Ende 2016 realisieren”, freute sich der Erste Stadtrat Jens Klingler bei der Bekanntgabe dieser Zahlen im Rahmen eines Magistratspressegesprächs. „Damit haben wir in diesem Jahr unsere Hausaufgaben gemacht und sind gut aufgestellt. Auch wenn die Zahl von 450 lediglich eine Schätzung seitens unserer Verwaltung ist, eine genaue Planung ist aufgrund der nicht abzuschätzenden Entwicklung der Flüchtlingsströme schwierig. Eins ist klar, wir fahren hierbei auf Sicht.” Aber, so ein Fazit aus dem Kreis aller Bürgermeister der Bergstraße: Die Flüchtlingsströme werden sich im Winter stabilisieren und der Kreis Bergstraße wird keinen Katastrophenschutz ausrufen, wie dies in anderen Kreisen bereits geschehen ist.„Im Kreis Bergstraße werden außerdem keine Sporthallen für Flüchtlinge genutzt werden”, betonte Jens Klingler. „Stattdessen schreiten die Pläne mit Christophorus-Wohnheimen voran. In Bensheim ist der Spatenstich erfolgt, in Einhausen gibt es ebenfalls Planungen und für die Ringstraße in Lampertheim wurde der Bauantrag gestellt.”
Klingler lobte den Kreis als kommunenfreundlich. „Der Kreis ist gut aufgestellt, hat seine Aufgaben erledigt und die Kommunen mitgenommen und nicht sich selbst überlassen. Im Kreis funktioniere im Bereich der Flüchtlingsaufnahme zudem die kommunale Familie.” In den nächsten Jahren werden jedoch weitere Aufgaben auf alle zukommen, besonders im Bereich des sozialen Wohnungsbaus. „Viele Menschen, die sich hier eine Zukunft aufbauen wollen, werden ihre Familien nachholen.
Eine Neuigkeit gibt es auch für alle Ehrenamtlichen, die die Flüchtlinge unterstützen: So wird zum 1. November die Stelle einer Sozialarbeiterin besetzt, deren Aufgabenbereich die Flüchtlinge darstellen. Die Bewerberin, die sich aufgrund ihres Auftretens und ihrer Qualifikation, unter anderem im Bereich der Migrationsarbeit in Mannheim als äußerst qualifiziert bewiesen hat, verfügt als Mazedonierin ebenfalls über Migrationshintergrund.
S-Bahn-Ausbau verschiebt sich
Ein weiteres Thema des Magistratspressegesprächs war der Ausbau der S-Bahn: Zum zweiten Mal innerhalb von zwei Jahren soll dieser nach hinten geschoben werden. „Wir müssen davon ausgehen, dass statt wie ursprünglich einmal geplant in diesen Tagen mit dem Ausbau begonnen wird, sondern vielmehr eine Verschiebung von dem aktuellen Termin Ende 2017 auf Ende 2019 erfolgen wird”, erläuterte Bürgermeister Gottfried Störmer. Ursache hierfür ist, dass die entsprechenden Vorarbeiten auf baden-württembergischer Seite nicht geleistet wurden. „Von der aktuellen Entwicklung sind wir zutiefst enttäuscht und werden gemeinsam mit Bürstadt, Biblis und Groß-Rohrheim eine Beschwerde beim baden-württembergischen Verkehrsministerium einreichen”, stellte Bürgermeister Störmer klar. „Für uns ist dies besonders ärgerlich, da auch die Abstimmung unseres Busverkehrs auf die Bahn und damit ein breiteres Angebot für die Bürger im öffentlichen Personennahverkehr verschoben werden muss.” Benjamin Kloos