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So., 07. Juni 2020, 17:59 Uhr
Falschparker erschweren nicht nur Rollstuhlfahrern den Alltag
Falschparker erschweren nicht nur Rollstuhlfahrern den Alltag
Denkzettel statt Strafzettel: Das falsch geparkte Auto von Bernd Kraus, dessen Frau Doris Zachmann-Kraus im Behindertenbeirat aktiv ist, wurde von den Mitgliedern des Gremiums demonstrativ mit Haftnotizzetteln zugeklebt. Denn hier kam weder ein Rollator, noch ein Kinderwagen und geschweige denn ein Rollstuhl vorbei. Foto: Eva Wiegand
LAMPERTHEIM - Rücksichtslose Fahrweise und falsches Parken – der Ton im Straßenverkehr wird rauer und rauer. Besonders hart trifft das Menschen mit Behinderungen, ältere Verkehrsteilnehmer, Radfahrer und Fußgänger. Sie müssen im Zweifelsfall an unpassierbaren Stellen und zugeparkten Gehwegen auf die Straße ausweichen. Auch für Rollstuhlfahrer Janis Steffan ist das leider nichts neues. „Das kommt schon oft vor, dass ich auf dem Gehweg nicht durchkomme“, erzählt der junge Mann, der in Ludwigshafen arbeitet und auch dort immer wieder Probleme hat mit seinem Rollstuhl vorwärts zu kommen, weil ein Auto im Weg ist. Aber auch in Lampertheim stößt er auf viele Hindernisse. „Hier gibt es viele enge Straßen“, weiß Steffan. Deshalb war er am Samstag nur zu gerne mit seinen Kollegen aus dem Behindertenbeirat bei einer Aktion dabei. Mit Haftnotizzettel beklebten sie ein schlecht geparktes Auto, dass es sowohl Rollstuhlfahrern, Müttern mit Kinderwagen und Menschen mit Rollatoren unmöglich machte, auf dem Gehweg vorbei zu kommen. Dass es das Auto von Bernd Kraus war, dessen Frau Doris Zachmann-Kraus Mitglied im Behindertenbeirat ist, spielte dabei keine Rolle. Denn es sollte nur deutlich werden, wie schwer es manchen Verkehrsteilnehmern doch manchmal gemacht wird. „Mit der Aktion wollen wir auf die grundsätzlich schlechte Parksituation in Lampertheim aufmerksam machen“, erklärte die Vorsitzende des Behindertenbeirats, Petra Brandt. Mit einem Augenzwinkern wolle das Gremium dazu aufrufen, doch Rücksicht auf andere zu nehmen. „Oft kommt man auch zwischen den geparkten Autos nicht mehr auf die Straße durch und muss den Weg wieder komplett zurück“, schildert sie die Erlebnisse der mobilitätseingeschränkten Verkehrsteilnehmer. Ganz extrem sei die Situation in der Neuen Schulstraße, so Brandt. Hier parkten die Autos auf beiden Straßenseiten, so dass ein Durchkommen nahezu unmöglich werde. „Hier würde ich zum Beispiel auf einer Straßenseite für ein absolutes Halteverbot plädieren“, betonte die Vorsitzende des Behindertenbeirats. 22 offizielle Behindertenparkplätze gibt es in Lampertheim, doch auch hier sei es unter der Zeit tatsächlich sehr schwierig für Menschen mit Einschränkungen. Denn nicht selten nutzen auch andere Verkehrsteilnehmer die ausgewiesenen Parkplätze. Problematisch sei oft auch, dass sich hinter den Parkplätzen tiefe Kuhlen befänden, die es den Rollstuhlfahrern schwer machten, wieder weg zu kommen. Zumindest für die Falschparker hat sich der Behindertenbeirat auch für die Zukunft etwas einfallen lassen: Unter dem Motto „Denkzettel statt Strafzettel“ kleben die Mitglieder weiter Haftnotizzettel auf schlecht oder falsch geparkten Autos auf Gehwegen und Behindertenparkplätzen. Darauf lautet es unter anderem: „Sie haben meinen Parkplatz. Wollen Sie auch meine Behinderung?!“
Wer bei der Aktion mitmachen will, kann sich per E-Mail unter behindertenbeirat@stadtlampertheim.de an den Behindertenbeirat wenden und die Aufkleber anfordern, solange der Vorrat reicht. Eva Wiegand