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Di., 23. August 2022, 12:06 Uhr
MITTELSTAND: Sommerfest der Mittelstands- u. Wirtschaftsunion Bergstraße mit Blick auf politische Großwetterlage
Familiengeführter Mittelstand vor „unvorstellbaren Belastungen“
Tilman Kuban, Vorsitzender der Jungen Union Deutschland und CDU-Bundestagsabgeordneter, kam mit seiner Rede bei den Zuhörern gut an. MIT-Kreisvorsitzender Matthias Wilkes (rechts) sprach dem familiengeführten Mittelstand aus dem Herzen und Landwirt Werner Hartmann (Mitte) ging auf Probleme der Landwirtschaft vor Ort ein. Foto: Hannelore Nowacki
LAMPERTHEIM – Vor dem Vergnügen kommt die Politik, das muss kein Widerspruch sein, wenn die Mittelstands- und Wirtschaftsunion Bergstraße (MIT) zum traditionellen Sommerfest einlädt. Ein Sommertag wie aus dem Bilderbuch erwartete die Mitglieder, Freunde und Gäste auf dem Nibelungenhof. Im Garten hat ein hübsch bemalter Nibelungendrache seinen Platz, große Bäume spenden Schatten, der einem Platz an der Sonne durchaus vorzuziehen war. Auf der Gästeliste standen über hundert Teilnehmer, einige kamen noch spontan dazu. Zahlreiche Gäste begrüßte der MIT-Kreisvorsitzende Mattias Wilkes in seiner Rede namentlich wie den Bundestagsabgeordneten Michael Meister und die Landtagsabgeordnete und neue CDU-Kreisvorsitzende Birgit Heitland. Die Blicke richteten sich besonders auf den Bundesvorsitzenden der Jungen Union Tilman Kuban, der als Bundestagsabgeordneter auch Mitglied im Wirtschaftsausschuss und im Ausschuss für die Angelegenheiten der Europäischen Union ist, und als Gastredner zu den aktuellen Themen Stellung nahm - das Weltgeschehen und die Folgen für Deutschland im Fokus, aus erster Hand und aus der Rolle der Opposition heraus. Zur Freude von Wilkes war die Junge Union stark vertreten und zum ersten Mal seien auch Spitzenvertreter der CDU aus dem Odenwaldkreis da. Dem Kreis Bergstraße stellte er wie schon früher als Landrat ein begeisterndes Zeugnis aus - als kleines Weinbaugebiet mit den meisten Königinnen im schönsten Kreis mit Wirtschaftsströmen zwischen Süd und Nord. Ehrenmitglied Werner Hartmann und seiner Frau Ruth galt sein Dank für die Gastfreundschaft und Bewirtung im angenehmen Gartenambiente. Junge Union und MIT verbinde einiges, betonte Wilkes, Kuban sei seit vielen Jahren Sprachrohr der jungen Generation. „Wir müssen einen langen Atem haben“, sagte Wilkes und meinte die Lage familiengeführter mittelständischer Unternehmen, die in Sachen Nachhaltigkeit und langfristigen Managements seit jeher in Jahrzehnten und Generationen, nicht in Quartalszahlen wie große Unternehmen denken. Als Mittelständler blicke man mit großer Sorge auf die Politik in der Welt, die ein vernetztes globales Dorf sei. Unvorstellbare Belastungen kämen gerade auf den Mittelstand zu, zu Corona kämen die Auswirkungen des Ukrainekriegs. In der Einschätzung der politischen Großwetterlage prangerte Wilkes die Rekordverschuldung des Bundes als Last für die nächste Generation an, Investitionen seien jedoch wichtig, denn man könne nicht von der Substanz leben. Dem Energiehunger von acht Milliarden Menschen auf der Welt könne man ohne Atomkraftwerke nicht entsprechen. Der Bundesregierung wirft er Scheinlösungen vor, die nun aus dem Bundeshaushalt finanziert werden.
Gruppenbild nach dem offiziellen Teil mit (von links): CDU-Kreisvorsitzender Odenwaldkreis Kevin Schmauß, MIT-Vorsitzender Matthias Wilkes, JU-Vorsitzender Deutschland Tilman Kuban, CDU-Kreisvorsitzende Bergstraße Birgit Heitland, stellvertretender MIT-Vorsitzender Stefan Griesheimer, MIT-Ehrenvorsitzender Werner Hartmann und MIT-Vorstandsmitglied Rita Spitz. Foto: Hannelore Nowacki
Beim Thema Verteidigungsbereitschaft kam Wilkes in Fahrt, verärgert über die zuständige Ministerin Lambrecht aus dem nahe gelegenen Viernheim. Von Tilman Kuban wünscht er sich hier aus der Opposition heraus „Attacke“. Dass er mit Kuban in Berlin nicht nur einen Verbündeten im Geiste hat, wurde an dessen Ausführungen deutlich. Entschieden stellte sich Kuban gegen Forderungen aus den eigenen Reihen in der Ukraine zum Beispiel den Konflikt einzufrieren. Das dürfe nicht die Position der CDU Deutschland sein. Dem Bundeskanzler will er den cum-ex-Skandal nicht durchgehen lassen und beim „Philosophen aus dem hohen Norden“ fragt Kuban: „Liefert er auch?“ Vom Besuch in Katar „mit Knicks vor dubiosen Herrschaften“ sei der „werte Robert“ ohne einen Kubikmeter Gas zurückgekommen. Nicht besser kommt der für die Landwirtschaft zuständige „Cem“ weg, der angesichts von Hungersnöten in Afrika wegen fehlender Weizenlieferungen aus der Ukraine die Getreideproduktion in Deutschland verhindere. Trotz Kritik an der Koalitionsführung lasse sich von den Grünen Erfolg lernen, ließ Kuban wissen, die hätten nämlich ein knallhartes Konzept erarbeitet. Auf die Spur kommen müsse die CDU. „Klare Worte, klare Kante“, nannte Wilkes Kubans Einschätzung. Werner Hartmann kritisierte als Landwirt die Verwaltungsstrukturen einschließlich Regierungspräsidium, die mit einer „Zertifizierungswut“ einhergehen. Die verordneten Flächenstilllegungen sieht er kritisch wie Kuban. Der Wohlstand werde ausgebremst. Werner Hartmann meint: „Wir dürfen uns nicht selbst ruinieren“. Nach dem offiziellen Teil war das Büffet eröffnet und Raum für Gespräche in sommerlicher Gartenatmosphäre, musikalisch begleitet mit Unterhaltungsmusik live und querbeet von den „Zwoa Spitzbuam“ aus Lorsch.