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  • Do., 15. Oktober 2026, 10:00 Uhr
    KÜNSTLERVEREIN BÜRSTADT: 27. Ausstellung im Bürgerhaus mit über 60 mitwirkenden Künstlern beeindruckte Besucher

    Faszination der Bilder, Skulpturen und Worte

    Die dreitägige Kunstausstellung begeisterte zahlreiche Besucher, beginnend am Freitagabend mit der Vernissage.
    Foto: Hannelore Nowacki

    BÜRSTADT – Was gefällt, liegt ganz im Auge des Betrachters. Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt wie die 27. Kunstausstellung im Bürgerhaus am vergangenen Wochenende wieder einmal bewusst machte. Geheimnisvoll, mystisch, witzig und voller Lebensfreude, abstrakt und romantisch – die Ausstellung brachte die Vielfalt der Kunst zum Strahlen. An drei Tagen hatten die Besucher die Chance in viele verschiedene Welten einzutauchen, die Künstler im Gespräch kennenzulernen und interessante Geschichten aus ihrem Leben zu erfahren. Der Künstlerverein Bürstadt, der letztes Jahr sein 40-jähriges Jubiläum feierte, hatte sich zudem kleine Überraschungen einfallen lassen wie die Baustellen hier und da, die mit Flatterband und weißroten Pylonen auf sich aufmerksam machten – dreidimensional wollte Sigrid Stadtmüller die Wahrnehmung auf die Probe stellen. Bloß nicht in den Brunnen fallen! Zur Vernissage am Freitagabend hatten sich zahlreiche Besucher eingefunden, die schon vor der offiziellen Eröffnung durch Bürgermeister Boris Wenz bei einem ersten Rundgang mit einem Glas Begrüßungssekt in der Hand Eindrücke sammelten, musikalisch begleitet von Elly und Jürgen Gröhl. „Kunst macht eine Stadt lebendig“, sagte Wenz, eine Kunstausstellung lebe von den Kunstwerken und den Menschen, die sich begegnen und ihre Eindrücke austauschen. Vor der Bühne bei den großen roten Herzen, Skulpturen von Winfried Horn, und am Vulkan, einer Schieferskulptur von Sigrid Stadtmüller mit dem Titel „Urgewalt und Neuerwachen“, hielt Friederike Schünemann inne, an Palma erinnere sie der Vulkan. Aus Gießen sei sie gekommen. „Es hat sich gelohnt“ sagt sie. Seit letztem Jahr ist die Kunstausstellung mit  Literatur und Lesungen um eine weitere Dimension bereichert, allerdings nicht im Wettbewerb um den Kunstpreis. Dank der Unterstützung vieler Sponsoren seien die Kunstpreise überhaupt möglich, ließ Vereinsvorsitzende Martina Rausch das Publikum wissen. Die Werkschau war zugleich ein Wettbewerb um den Kunstpreis, zu dem die 62 teilnehmenden Künstler 124 Werke in den drei Kategorien Malerei, Fotografie/digitale Medien und Skulpturen eingereicht hatten. Bei der Preisverleihung am Sonntagnachmittag überraschte Martina Rausch, zusammen mit der 2. Vorsitzenden Angelika Laudert und Franziska Hofmann das Publikum als Tänzerinnen und Mona Lisa – die normalerweise nie spricht und extra im Zug aus Paris zum Mitfeiern angereist war. Am Samstagvormittag hatten sich die sieben ehrenamtlichen Juroren viele Stunden Zeit genommen für ihre Bewertungen nach Punkten. Die Juroren seien keine Vereinsmitglieder und kämen aus verschiedenen Regionen, teilte Rausch dem Publikum mit. Kunst entstehe auch im Moment des Betrachtens,  meint Rausch, was auch auf die Juroren zutreffe, die ihre Punkte ganz unterschiedlich vergeben hätten. In der Malerei ging der Kunstpreis Platz 1 an Loban Sabbagh für „Ghazal“, eine geheimnisvolle Verschmelzung von Pferd und Frau. Seine mystisch anmutende Fotografie „Geborgen im Licht“ brachte Mario Jazvic Platz 1 ein. Frank Schulze überzeugte die Juroren mit seiner Skulptur „Figur aus Gestrandetem“. Die Jugend wurde mit Siegerurkunde und Künstlerbedarf-Gutschein belohnt: Platz 1 belegte Jonas Engelhardt mit dem der Malerei „Blue 16.11.2025“. Lena Berger kam mit „Bunter Blick“ auf Platz 2. 

     

    Werkschau mit Charakter

    In den breiten Wandelgängen war viel Raum entlang der Blickachsen, die Kunstwerke waren wirkungsvoll platziert und offenbarten bei näherer Betrachtung manche Geheimnisse. Das große bemalte Ei musste auffallen - damit hatte Natalie Fritsch aus Hofheim, Erzieherin im Heppenheimer Kindergarten „Kleine Strolche“, gerechnet. Die Bilder an den hohen Stellwänden waren Werke von zehn Kindern aus ihrer Projektgruppe, die sich über drei Monate mit Malerei beschäftigt hatten. Freien Lauf habe sie den Kindern gegeben, berichtet sie, nur die Techniken habe sie zu Beginn erklärt. Am Ende war sogar noch ein ganzer Ordner mit Malereien gefüllt. Und weil jeder etwas anderes sieht, fand Natalie Fritsch die Geschichten der Kinder zu ihren Bildern interessant. Begeistert war eine  Besucherin aus Worms von den jungen Talenten, aber auch von der Ausstellung insgesamt, von der ihr Freunde vorgeschwärmt hätten. Belohnt wurden die Kinder am Sonntag mit einer Teilnahmebescheinigung und einem kleinen Kissen von Nähkünstlerin und Vereinsmitglied Katja Meier mit eingesticktem Namen. Michael Müller, zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit des Künstlervereins, hatte sich eine lustige Show ausgedacht als er die Betreuerin, die Kinder und Eltern auf die Bühne holte. Farben und Stimmungen, abstrakte und gegenständliche Stile vereinnahmten beim Rundgang die Sinne, die Ausstellung wirkte als Gesamtkunstwerk, das unwillkürlich Aufmerksamkeit einforderte. Ganz aufs Figürliche hat sich Martin Bähring bei seinen weiblichen Aktbildern verlegt. Seine „Anka“ erhielt Platz 2 in der Kategorie Malerei - ihre schlanken, kurvigen Konturen leuchten aus dem Schatten heraus. Dieter Kaiser aus Mannheim kommt bei seinen Computergrafiken ohne KI aus, er programmiert seine geradlinigen digitalen Formen wohl überlegt selbst und lässt dem Zufallsfaktor Raum. So entstanden die abstrakten Bilder „Altstadt“ und „Labyrinth“. Üppig und opulent malt Elke Emma Edinger ihre südafrikanischen Landschaften, ein buntes Paradies mit Kamel, Leoparden und Menschen in Märchengestalt. Liebevoll mit unendlichen Details gemalt ist ihr „Kleines Karoo“ bei Kapstadt in Erinnerung an ihre Zeit in Afrika. Als vielseitige Künstlerin war sie auch literarisch in der Lese- und Vorlese-Ecke vertreten, hier ließ sie Worte blühen. Mit Büchern von Dieter Hornung, Autor im Ruhestand, erleben die Leser Abenteuer, Krimis, Erotik- und Psychothriller. Gruselige Spannung verspricht „Auf leisen Sohlen kommt der Tod“. Urlaubsreisen nach Asien inspirieren ihn. Früher habe er Risikoanalysen zu großen Verpackungsmaschinen geschrieben, um Gefahren und Schutzmaßnahmen sei es gegangen. Gleich nebenan am Lesetisch fällt das literarische „Depri-Monster“ von Simone Lehnert auf. „Wie das Leben so spielt“ erklärt Karin Lachmann in einer ihrer Kurzgeschichten. Vereinsvorsitzende Martina Rausch, geehrt für 20-jährige Mitgliedschaft, beteiligte sich in den Kategorien Malerei und Skulpturen an der Kunstausstellung, hat sich aber auch als Autorin von Fantasy-Romanen etabliert. 

    Hannelore Nowacki

     

    Weitere Bildimpressionen der Ausstellung fiden Sie unter https://tip-suedhessen.de/impressionen-von-der-27-kunstausstellung-des-buerstaedter-kuenstlervereins-am-9-oktober

     

     

     

     

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