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  • Mi., 08. Oktober 2025, 16:45 Uhr
    KERWETREIBEN: Trotz Wetterkapriolen tragen Bürstädter an allen Festtagen die Sonne im Herzen

    „Feiert das Leben, feiert die Kerwe“

    Darauf musste „einer getrunken sein“. Kerwevadder Jonas von Dungen nahm nach der Anmoderation von Patrick Brenner und den Grußworten von Bürgermeister Boris Wenz im Beisein der Sonnenbotschafterin Michelle I. und der Sainäwwelskett das Geschehen in der Sonnenstadt aufs Korn.
    Foto: Steffen Heumann

    BÜRSTADT – Regen, Sonne, kalter Wind! Am Kerwesamstag in Bürstadt gab es auch witterungsbedingt das volle Programm. Nachdenkliche Worte, traditionelle Unterhaltung und buntes Treiben. Von St. Michael bis zum Marktplatz verbreiteten die Akteure gute Laune und den Besuchern sichtlich Vergnügen. Draußen Regen, drinnen trocken, der Gottesdienst wurde in St. Michael gestaltet und musikalisch von Katholischen Kirchenmusik untermalt. „Wenn Jesus in Bürstadt wäre, würde er auch auf die Kerwe gehen“, so Pfarrer Rauch und Müsebeck, die bei den Gottesdienstteilnehmern mit ihrer Ermutigung selbstredend auf offene Ohren stießen. Bei der Kollekte wurde ebenfalls ökumenisch gehandelt. Der Erlös geht gleichermaßen an die evangelische und katholische Jugendarbeit. „Feiert das Leben, feiert die Kerwe“, so das Credo der Geistlichen vor dem Auszug aus dem Gotteshaus. Ehe sich der Umzug vom dominanten akustischen Knattern der Traktoren des Bulldog-Clubs begleitet, in Bewegung setzte, kam es vor der Kirche noch zu einem besonderen Moment. „Immer eine gute und unfallfreie Fahrt“, wünschte Pfarrer Christian Rauch mit Pfarrer Markus Müsebeck im Rahmen einer Segnung der aus Spenden finanzierten Rikscha samt Orga-Team und Lenkern, die künftig in der Stadt unterwegs seien.

    Auf der Marktplatzbühne war zwischenzeitlich alles vorbereitet. Mit dem Einzug der Offiziellen füllte sich die Kerwe-Arena merklich. Zudem machten Abordnungen aus Riedrode und Bobstadt ihre Aufwartung, um der Premiere beizuwohnen. Patrick Brenner begrüßte am „Kerwekuchebacke-Samstag“ neben Sonnenbotschafterin Michelle I., der Sainäwwels-Kett als Bürstädter Wahrzeichen, erstmals den neuen Bürgermeister Boris Wenz, der nach dem Genuss einer Traktorfahrt seine Grüße übermittelte. „Es geht nicht darum, dass immer die Sonne scheint“, verwies Wenz auf das Wetter. Wichtig sei, dass man die Sonne im Herzen trage. „Das zeichnet uns Bürstädter aus“, betonte Boris Wenz, was mit Applaus quittiert wurde.

    Den Fassbieranstich übernahm die Sonnenbotschafterin Michelle I.
    Foto: Steffen Heumann

     

    Kervevadder Jonas von Dungen glossierte das Stadtgeschehen. Die Wahl zum Bürgermeister war natürlich ein Top-Thema. „Die Bärbel hat’s geschafft – und wir die Bärbel auch“, leitete der Kerweborsch zum neuen „Bürgermeistermodell“ über. An Skandale im Rahmen des Wahlkampfs wurde erinnert. „Wenz guuuud werre soll – auch wenns knapp war“, merkte der Kerweborsch augenzwinkernd an. Darauf musste „einer getrunken sein“. Die Rede ist von Rebensaft, der dem Redner die Kehle feucht hält. Die Kita-Platz-Problematik beschäftigte den Kerveadder ebenfalls. Milliarden in die Rüstung, aber kein Geld für die Sanierung vom schimmeligen Wänden in alten Gebäuden? „Lieber das ganze Geld in die Zukunft und die Kinder investieren“, schlug Jonas vor. Auf das Drama musste verständlicherweise „einer getrunken sein“. Neben dem Schwimmbad, besser die „kalte Brühe“ im größten Kneipp-Bad Deutschlands, weil unbeheizt, war die Schlaglochparade für Rad- und Autofahrer vieler Straßen eine Bemerkung wert. Die vielen Betonblumenkübel als Sicherheitspoller? Denkbar! Im Sommer auch als Pool nutzbar? Warum nicht! Der Campus als Leuchtturmprojekt? Naja, inzwischen sei die Mängelliste auch aufgrund von Mängeln der Barrierefreiheit immer länger. Schindeln fliegen vom Dach, Lichter gehen aus. Schuldige sind nicht nirgends zu finden. Das hätten besser hiesige Handwerker erledigen sollen. Darauf musste zum Abschluss der launigen Kerwerede natürlich „einer getrunken sein“. 

    Vor dem Aufhängen wurde der Kerwekranz traditionell geweiht.
    Foto: Steffen Heumann

     

    Freibier für die durstigen Kehlen von Sonnenbotschafterin Michelle I. ausgeschenkt und Freifahrtscheine für die Reitschule, ganz nach dem Geschmack der jüngeren Gäste, rundeten den offiziellen Kerweauftakt ab. Nicht fehlen im Zeremoniell durfte das Begießen und Hissen des Kerwekranzes. Gemäß der Tradition, denn nur einmal im Jahr „is’ Bärschdedder Kerb“! Und gute Laune herrschte dem Vernehmen nach auch beim 23. EWR-Stadtlauf am Sonntag mit rund 550 Teilnehmern. Es bliebt trocken, weshalb bei Organisatoren, Sportlern und Fans entlang der Strecke eitel Sonnenschein herrschte. 

    Steffen Heumann 

    Bürgermeister Boris Wenz und der fünfjährige Marlon waren die Freiwilligen, die im Rahmen der Segnung in der Rikscha Platz nehmen durften.
    Foto: Steffen Heumann

     

     

     

     

     

     

     

     

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