Abenteuerreise in die Mathematik, Technik, Musik und Welt der Fantasie
Ferienakademie 2017 feierte Abschluss
Umweltfreundliche Mobilität mit Wasser, Luft und Strom? Im Kurs zur Energiewende bewiesen Lukas und Keno an Modellautos, dass es funktionieren kann. Foto: Hannelore Nowacki
HÜTTENFELD – Eine ganz besondere viertägige Abenteuerreise in die weiten Gebiete von Musik, Technik, Mathematik und kreativem Schreiben unternahmen vierzig hochbegabte Mädchen und Jungen gleich zu Ferienbeginn – das Programm der Ferienakademie 2017 sah täglich etwa sechsstündige Erkundungen im ausgewählten Arbeitsgebiet und interessante Freizeitangebote in den kursfreien Zeiten vor. Im Litauischen Gymnasium als Ferienort war den jungen Gästen Übernachtung mit Vollpension geboten – ein Ort mit weitläufigem Garten und allem, was beim Lernen in den Ferien förderlich ist. Im Schlosssaal der Schule versammelten sich am Donnerstagnachmittag alle Teilnehmer, Kursleiter und Freizeitbetreuer Eltern und interessierte Besucher aus den Schulen der teilnehmenden Kinder zum feierlichen Abschluss mit der ersten Präsentation der Bläserklasse. Grußworte sprachen der Kreisbeigeordnete Philipp-Otto Vock in Vertretung des Landrats und Bürgermeister Gottfried Störmer. Das Staatliche Schulamt war vertreten durch die Gymnasialdezernentin Birgit Knarf-Goedeking und die Beauftragte für die Ferienakademie Dr. Melanie Eberhardt. Organisatorin vor Ort war die Oberstufenleiterin Dr. Gabriele Hoffmann. Gefördert wird die Ferienakademie, die seit 15 Jahren stattfindet, vom Hessischen Kultusministerium, dem Landkreis Bergstraße und der Sparkassenstiftung Starkenburg, da die Teilnahmegebühr nur einen Teil der Gesamtkosten deckt, wie es im Flyer heißt. Gefördert wird die Ferienakademie auch vom Zentrum für Mathematik in Landau. Beratungslehrer für Hochbegabte an den zwölf Schulen, darunter drei Grundschulen, in den Landkreisen Bergstraße und Odenwaldkreis sind bei den Anmeldungen die Ansprechpartner.
Impressionen aus der Ferienakademie
Wie hört es sich an, wenn man noch nie ein Blasinstrument in der Hand hatte und am Ende des vierten Kurstages ein kleines Konzert gibt? Die Bläserklasse unter der Leitung von Christian Seeger leistete Erstaunliches und das Publikum im Schlosssaal des Litauischen Gymnasiums war begeistert. Nach jedem der drei Stücke wurden die jungen Saxofonspieler im Alter von zehn bis zwölf Jahren mit jubelndem Applaus belohnt. Mit der Auswahl der Musikstücke präsentierten die Kinder eine große Bandbreite, beginnend mit , Beethovens „Ode an die Freude“, dann das Spiritual-Stück „When the Saints go marchin‘ in“ und zum Abschluss „An Tagen wie diesen“, ein Hit der „Toten Hosen“. Die Ergebnisse der drei weiteren Kurse erlebten die interessierten Besucher wenig später bei einem Rundgang zu den Präsentationen in den Schulräumen.
Konrad (links) und Jan - zwei Gedankenleser, die an der Mathematik die Logik schätzen, die auch für diesen zauberhaften Zahlentrick verantwortlich ist. Foto: Hannelore Nowacki
Im Rahmen des Themas Technik mit Kursleiter Dimitrios Kostopoulos hatten sich zehn Kinder mit der Energiewende befasst, die Solartechnik und Brennstoffzellen erkundet. Den wissbegierigen Besuchern erklärten sie, wie sie mit Sonnenlicht oder auch ganz normalen Strahlern Modellautos zum Laufen bringen und dass Brennstoffzellen mit Wasser, Luft und Strom betrieben werden können. Der zwölfjährige Lukas und der zehnjährige Keno waren das erfolgreiche Team der Brennstoffzellenautos, sie hatten sich erst im Kurs kennengelernt. An Technik sei er sehr interessiert, erzählte Lukas, zuhause habe er drei Elektrobaukästen. Einen Berufswunsch hat er bereits – Hochenergiephysiker will er werden. Die Kunst ein Auto mit Solarenergie zu betreiben, wenn ein Modul ausfällt, erklärte der zwölfjährige Daniel seinem Publikum. In die „Magie der Mathematik“ führte Kursleiterin Lena Adam-Rothenheber zehn junge Mathefans ein, die Mathematik als Werkzeug für ganz wunderbare Dinge erlebten. Wobei nicht das Rechnen wie in der Schule gefragt war, sondern die Anwendung von Logik und systematisches Vorgehen. So vielfältig wie das Leben waren die Ergebnisse. So blieben Würfel immer auf der gleichen Seite liegen und bei dreiteiligen Zeichnungen mit Leuchtturm und vier Windmühlen verschwand eine Windmühle beim Teileverschieben ganz einfach. Allerdings sei es gar nicht so einfach gewesen, das zu erreichen, erklärte die Kursleiterin. Auch die witzige Endloskarte sei Resultat angestrengten logischen Denkens. Als Zauberer mit der scheinbaren Kraft des Gedankenlesens bewiesen der zehnjährige Jan und der zwölfjährige Konrad, dass sie die Logik der Zahlen durchdrungen hatten. Man merke sich als Besucher eine Zahl, die auf den vorgelegten Karten steht, dann werden die Karten nacheinander vorgelegt und gefragt, ob diese Zahl draufsteht. Am Schluss wussten die beiden Schüler ohne Zögern, welche Zahl die Besucher sich gemerkt hatten. „Dieser Trick ist rein logisch zu verstehen“, versicherten die beiden, „aber wir dürfen ihn nicht verraten“. Nur so viel: Es gehe um Dualsystem und Zweierpotenz. Die beiden Mathefreunde finden „Mathematik macht Spaß“, im Unterricht wünschten sie sich mehr mit Logik zu machen und ganz besonders: „Alle Kinder sollten Zugang zur Logik haben“. „Kreatives Schreiben“ habe kaum etwas mit dem Schreiben von Aufsätzen zu tun, erklärte Kursleiterin Janine Kolling auf Nachfrage. Aufsätze seien eher gelenkt, beim kreativen Schreiben im Kurs kam die Fantasie aufs Papier – im Sinn des Kursmottos nach Wilhelm Raab: „Keinen Drachen kann man so hoch steigen lassen wie den der Fantasie“. „Mit allen Sinnen“ beschrieben die Kinder, sechs Mädchen und vier Jungen, ihre Geschmackserlebnisse, die ihnen zum Beispiel der Genuss von Chilischokolade mit verbundenen Augen vermittelte. In Gedichten verarbeiteten die Kinder Assoziationen zu Farben, sie vollendeten die Geschichte „Der Meteoritenlöffel“ nach eigenen Vorstellungen und fassten ihre offenkundig wohldurchdachten Antworten auf die Frage „was wäre, wenn …“ in schriftliche Aussagen. Was wäre, wenn es keine Liebe oder Freude gebe oder wenn die Menschen wie Tiere handeln würden? Hannelore Nowacki