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  • Mo., 20. November 2017, 12:44 Uhr
    Erfolgreich durch den Kriechkäfig und das Mannloch

    Feuerwehren im Kreis Bergstraße feierten 150. Atemschutzgeräteträgerlehrgang

    Beim 150. Atemschutzgeräteträgerlehrgang in Bürstadt waren alle Lehrgangsteilnehmer aus dem Kreis Bergstraße erfolgreich. Zur Feier wurde im Feuerwehrstützpunkt ein Jubiläumsmenü aufgetischt. Foto: Hannelore Nowacki


    BÜRSTADT – Wo Feuer ist, ist auch Rauch. Feuerwehrleute tragen deshalb Feuerschutzkleidung und wenn es brennt, greifen die Atemschutzgerätegeräteträger in verrauchten Gebäuden und Räumen an, um Menschen zu retten und zu löschen. Ein solches Gerät auf dem Rücken wiegt stolze 18 Kilogramm, zusammen mit der Atemschutzmaske und der üblichen Schutzkleidung haben die Einsatzkräfte 25 Kilogramm zu tragen, dazu noch das eigene Körpergewicht. Unten am Boden ist der Rauch weniger dicht, deshalb geht es im Kriechgang vorwärts. Das alles muss erlernt und geübt werden, denn solche Einsätze verlangen eine gute körperliche und mentale Kondition. Dem Grundlehrgang folgen die Atemschutzgeräteträgerlehrgänge I und II, die für den gesamten Kreis Bergstraße in der Atemschutzstrecke im Keller der Freiwilligen Feuerwehr Bürstadt Mitte durchgeführt werden. Regelmäßig wird hier geübt und auch die Lehrgänge finden hier statt. Am Samstagmittag endete der 150. Atemschutzgeräteträgerlehrgang I. erfolgreich mit der Übergabe der Urkunden. 30 Stunden an zwei Wochenenden hatte der Lehrgang gedauert. Zur Abschlussfeier im Versammlungsraum waren Bürgermeisterin Barbara Schader als oberste Dienstherrin der Freiwilligen Feuerwehren in Bürstadt und Landrat Christian Engelhardt eingeladen, die in ihren Grußworten den Einsatz der ehrenamtlichen Feuerwehrleute, der Ausbilder und Organisatoren würdigten. Kameradschaft, Leistungsbereitschaft und körperliche Höchstleistungen sowie theoretisches Wissen zeichneten die Teilnehmer aus. Den Feuerwehren im Kreis Bergstraße bescheinigte der Landrat „großartige Jugend- und Ausbildungsarbeit“. Bürgermeisterin Schader dankte der Feuerwehr Bürstadt für die „so fantastische Arbeit“ und wies auf die vielen Herausforderungen der Feuerwehr in der Praxis hin. Nach den schriftlichen Prüfungen am Sonntagvormittag stand das gemeinsame Mittagessen für insgesamt fünfzig Feuerwehrleute und Gäste auf dem Plan – ein besonderes Jubiläumsmenü mit Kürbissuppe mit Kokos und Ingwer, als Hauptgang Rouladen, Wirsing und Rotkohl, Semmelknödeln und Kartoffelbrei, abschließend kam aus der Feuerwehrküche der Nachtisch mit Apfelstrudel, Eiscreme und Schlagsahne. Clivia Engert und Michael Bohrer hatten gekocht, unterstützt wurden sie von Alfred Engert, Anita und Uwe Jakob und Michael Reischert. Für diese Leistung dankte Kreisbrandinspektor Wolfgang Müller dem Küchenteam, bevor er im förmlichen Teil der Feier einen Überblick über die vergangenen vier Jahrzehnte gab. Angesichts von sieben Teilnehmern, die das Handtuch geworfen hatten, meinte der Kreisbrandinspektor: „Das ist schon sehr anstrengend“. Doch sei es wichtig zu wissen, was man kann und was nicht. Mit der Bemerkung, dass die „Folterkammer im Kreis Bergstraße“ in Bürstadt stehe, hatte der Kreisbrandinspektor humorvoll ins Schwarze getroffen. Mit Bürgermeisterin und Landrat überreichte er die Urkunden. Die Freude war groß – alle Teilnehmer hatten bestanden. Als Lehrgangsbester hatte Tillmann Niederführ aus Fürth-Erlenbach 55,5 Punkte von möglichen 60 Punkten erreicht. Die Durchschnittsnote von 2,2 stufte Müller als „schon sehr gut ein“. Die Teilnehmer kamen aus Abtsteinach, Bürstadt, Einhausen, Fürth, Gorxheimertal, Heppenheim, Lampertheim, Mörlenbach, Rimbach und Viernheim. Sabine Mettler aus Viernheim war mit 45 Jahren die älteste Lehrgangsteilnehmerin und eine von drei Frauen, die durchgehalten hatten. Zufrieden strahlend, seit Sonntag als Atemschutzgeräteträgerin, erzählte sie im Gespräch mit dem TIP, dass sie als „Seiteneinsteigerin“ vor zwei Jahren zur Feuerwehr gekommen war, das heißt, sie war vorher nicht in der Jugendfeuerwehr. Die Begeisterung für die Freiwillige Feuerwehr liegt in der Familie. Ihr „Junior“ kam vor sieben Jahren in die Kinderfeuerwehr, wodurch sie mehr Einblick hatte, ihr Mann ist seit vier Jahren aktiv. Bergsteigen und Wandern seien ihre Hobbys. Hannelore Nowacki

    Die Atemschutzstrecke

    Bei der späteren Besichtigung der Anlage mit Stadtbrandinspektor Uwe Schwara und Kreisbrandmeister und Lehrgangsleiter Volker Steiger wurde Bürgermeisterin Barbara Schader und Landrat Christian Engelhardt ordentlich eingeheizt. Wie Kreisbrandmeister, Kreisausbilder und Lehrgangsleiter Volker Steiger erklärte, sind die Heizstrahler beim Kriechkäfig sonst über Stunden in Betrieb, um 35 bis 40 Grad Celsius zu erzeugen, nun jedoch nur für ein paar Minuten. Bei wenig Licht vernebelt Discorauch den Lehrgangsteilnehmern die Sicht, Geräusche aus den Lautsprechern erschweren die Verständigung. In voller Ausrüstung kriechen die Zweierteams voran, bis sie am Mannloch den roten Deckel aufklappen und geschmeidig in den vergitterten Kriechgang darunter gelangen. Das probierte der Landrat nicht selbst aus, aber auf dem Laufband und am Hammerzug testete er die wirkenden Kräfte. Im Belastungsraum sind außerdem Tests auf der Endlosleiter und auf dem Fahrradergometer zu bestehen. Fünfzigmal 25 Kilogramm sind beim Hammerziehen zu bewegen. Eine ärztliche Untersuchung vor dem Lehrgang klärt die Eignung. Mit Vollschutz und Maske zu kriechen, „das ist nicht ohne“, meinte Kreisbrandinspektor Wolfgang Müller. Mindestens einmal im Jahr sei die Strecke zu begehen. Aber: „Der Bart muss ab“. Die Atemmaske müsse dicht sitzen, das gehe nicht bei einem Drei-Tage-Bart.

    Im Kriechkäfig wird den Feuerwehrleuten höchste Anstrengung abverlangt. Durch das enge Mannloch mit dem roten Deckel zwängen sie sich mit voller Ausrüstung. Foto: Hannelore Nowacki


     

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