Mo., 25. Februar 2019, 09:11 Uhr
Stefan Nickel bleibt Fraktionsvorsitzender und kandidiert nicht für das Bürgermeisteramt
Fraktionsspitze der Grünen rotiert nicht
LAMPERTHEIM – Nun ist klar – einen Bürgermeisterkandidaten von Bündnis90/Die Grünen wird es für die Wahl am 26. Mai nicht geben. Im Pressegespräch am Freitagabend im Alten Rathaus mit Jürgen Meyer und Helmut Rinkel vom Parteivorstand sowie Stefan Nickel und Carmen Kunz, er Fraktionsvorsitzender, sie stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Grünen in der Stadtverordnetenversammlung, ging es in der angekündigten Tagesordnung um personelle Mitteilungen der Fraktion, die Bürgermeisterwahl, Fraktions- und Parteiarbeitsthemen. Wird
Fraktionsvorsitzender Nickel Bürgermeister werden wollen – eine Frage, die bereits zu Spekulationen geführt hatte. Nein, er wird nicht zur Wahl antreten. Die Frage war schnell beantwortet, während die Erklärung Nickels deutlich machte, dass er sich diese Entscheidung nicht leicht gemacht hat. Sollen die Grünen einen eigenen Kandidaten aufstellen, diese Frage sei innerhalb der Fraktion an ihn herangetragen worden, auch von außerhalb seien Anfragen und Unterstützungsavancen gekommen. Nickel rief in Erinnerung, dass er parteilos sei und bis 2015 bei der Stadtverwaltung Lampertheim beschäftigt war, seitdem ist er beim hessischen Rechnungshof in Darmstadt tätig. Eine Arbeit, die ihm gefalle, ihn aber zeitlich stark beanspruche. Auch familiär sei er eingespannt, die Kinder aber volljährig. Machst du es, machst du es nicht? „Ich habe mit mir gerungen“, berichtete Nickel. Nach langer Überlegung
stand für ihn fest: „Nein, ich trete nicht an“. Für ihn sei es die richtige Entscheidung. Andererseits sollten bei einer Wahl mindestens zwei, besser drei Personen auf dem Wahlzettel stehen, aber da habe es bereits Signale gegeben, dass es da jemanden gibt. Rinkel bedauerte die Entscheidung, habe sie aber akzeptiert. Nickel wäre als „unserer und unabhängiger Kandidat“ unterstützt worden. Meyer erklärte, dass die Grünen sich insgesamt Gedanken gemacht hätten, doch weitere Personen hätten sich nicht aufgedrängt und Matthias Schimpf sei wohl als Grüner bekannt, aber doch eher auf Kreisebene aktiv. Im weiteren Verlauf des Wahlkampfes will die Grünen-Fraktion den unabhängigen Bürgermeisterkandidaten Marco Steffan einladen sein Programm vorzustellen. Dann könne man Schnittstellen feststellen oder nicht. Vom Amtsinhaber oder Nachfolger erwarten die Grünen laut Nickel eine gute Zusammenarbeit. Dass der Personalkörper in der Stadtverwaltung stark ausgebaut worden sei, werde sich leider rächen, meinte Nickel, zwar waren dies Mehrheitsbeschlüsse im Parlament, doch Bürgermeister Störmer habe den Ausbau forciert. Den Blick voraus auf die nächste Kommunalwahl in zwei Jahren und auf eine mögliche Koalitionsbeteiligung gerichtet, sieht Nickel die Grünen als mögliche Mehrheitsbeschaffer. Parteikollegin Kunz gab den Hinweis: „Abwarten, wie die Wähler wählen“. Gute Chancen sieht Rinkel, wenn die Grünen Natur-Themen am Leben erhalten, beispielsweise blühende Ackerrandstreifen gegen das Artensterben. Mehr jungen Nachwuchs für die Parlamentsarbeit und Parteifunktionen wünscht sich Meyer, die weiteren Aufgaben würden sich auf mehr Schultern verteilen. Wobei die klassische Oppositionsarbeit nicht einfach sei, meinten die Grünen-Vertreter am Tisch: Anträge würden von der Mehrheit in der Stadtverordnetenversammlung abgeschmettert oder für sich vereinnahmt, wofür Kunz als Beispiel das Thema Toilette für mobilitätseingeschränkte Personen nannte. Besonders erfolgreich seien die Grünen bei Anfragen, ergänzte Meyer, damit erzielten die Grünen Wirkung, andererseits gestalte man damit wenig. Nickel sieht darin eher eine Überwachung der Verwaltung als Gestaltung. In der Fraktionsspitze bleibt nun alles wie es ist. Nach dem Ausscheiden des damaligen Fraktionsvorsitzenden Helmut Rinkel im Herbst 2017 als Stadtverordneter wurde Nickel sein Nachfolger. Eigentlich sei für den Jahreswechsel 2018/2019 die Rotation in der Fraktionsspitze verabredet gewesen, doch gebe es in der Fraktion keine gewillten Kandidaten, zumal ein Fraktionsmitglied aus privaten Gründen kürzer treten wolle, teilte Nickel mit. Daher sei in der Fraktionssitzung beschlossen worden, dass er Fraktionsvorsitzender bis zum Ende der Wahlperiode 2021 bleibt, ebenso Carmen Kunz als Stellvertreterin. Hannelore Nowacki