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  • Mi., 04. November 2020, 12:29 Uhr
    JUSOS RIED: Petition gestartet / „Gesellschaftliche Integration und ein gutes Miteinander gehen anders!”

    „Freizeitkickergelände erhalten - bhb in die Stadtmitte!"

    Die Jusos haben eine Petition gestartet – zum Erhalt des Freizeitkickergeländes und für einen innenstadtnahen Standort der bhb. Foto: Hannelore Nowacki


    BÜRSTADT – Die Jusos Ried haben eine Petition „Freizeitkickergelände erhalten - bhb in die Stadtmitte!" gestartet, die sich an die Bürgermeisterin sowie an die Stadtverodneten der Stadt Bürstadt richtet. Zum Hintergrund: Auf der Suche nach einem Standort für ein Wohnhaus der Behindertenhilfe Bergstraße (bhb) kam die Bürstädter Verwaltung durch Unterstützung der CDU/FDP-Koalition auf die Idee, dass das Freizeitkickergelände hierfür am besten geeignet sei. Konkret wird die „Südwest-Ecke des Bereichs“, nahe der Bahnlinie, vorgezogen.

    „Zunächst ist es zu begrüßen, dass die bhb in Bürstadt ein Wohnhaus für Menschen mit Behinderung realisieren möchte”, so die Jusos. „Die nachvollziehbare Bedingung seitens der bhb für ein solches Vorhaben ist es, dass dieses Gebäude von einer Wohnnutzung umgeben ist. Das ist wichtig, damit die BewohnerInnen bestmöglich in die Stadtgesellschaft integriert werden. Da dies am Ortsrand bzw. am Freizeitkickergelände nicht der Fall wäre, hat die CDU/FDP-Koalition nun dem Wunsch der Verwaltung zugestimmt, ‚eine mögliche Bebauung mit dem Schwerpunkt Wohnnutzung planerisch zu entwickeln‘ und die Freizeitnutzung des Geländes somit aufzugeben“.

    Außerdem soll „die derzeitige Skate-Anlage in den Bildungs- und Sportcampus verlegt werden”, befürchten die Jusos. „Den SkaterInnen bzw. wenigen Einzelpersonen wurde dies in Gesprächen angeboten, nachdem zuvor der Wunsch der Erweiterung der Anlage mit weiteren Elementen – zum Beispiel einer „Halfpipe“ – an die Bürgermeisterin herangetragen wurde. Unter Verweis auf eine ‚grobe Betrachtung durch einen Schallgutachter‘, wonach die höchstzulässigen Lärmwerte bei Erweiterung der Anlage auf dem derzeitigen Standort nicht einzuhalten wären, wird für die Skate-Anlage eine Verlegung auf den Bereich hinter dem Sportplatz der Eintracht Bürstadt vorgeschlagen.” Warum bei der erst vor wenigen Jahren erfolgten Umgestaltung der Skate-Anlage Lärmwerte noch unproblematisch waren, plötzlich aber eine Verlegung der Anlage angeblich notwendig machen, ist aus Sicht der Jusos nicht nachvollziehbar. „Die Vermutung, dass dies als Vorwand für die geplante Bebauung des Freizeitkickergeländes dient, liegt folglich nahe. Das ‚grobe Gutachten‘ wurde den städtischen Ausschüssen jedenfalls noch nicht vorgelegt und bleibt weiterhin unbekannt.”

    Aus der Verwaltungsvorlage für den am 28.10. im Umwelt- und Stadtentwicklungsausschuss verabschiedeten Beschluss geht außerdem hervor, dass für den Standort des Freizeitkickergeländes nicht nur Wohnhäuser, sondern auch ein Ärztehaus angedacht ist. „Ein solches Ärztehaus ist zunächst eine gute Idee und wäre ein wichtiger Schritt in Richtung Sicherstellung der ärztlichen Versorgung. Allerdings wird mit diesem Vorhaben bereits klar, wohin die Reise gehen soll: Das Freizeitkickergelände wird mittel- bis langfristig bebaut und die letzte große, grüne, freizeitlich genutzte und nicht von Vereinen belegte Fläche wird damit geopfert”, so die Jusos weiter. „Wir schätzen das Gelände in seiner jetzigen Form, als attraktive Grünfläche zur Erholung, zum freizeitlichen und vereinsungebundenen Sportbetrieb, zum Drachen steigen lassen, zum Spazieren gehen, zum Skaten, zum Basketballspielen, als Treffpunkt für Jung und Alt.”

     

    Nicht nur meckern: Wie geht’s besser?

    „Seit Jahren bringt die Verwaltung das Freizeitkickergelände für die verschiedensten Ideen ins Gespräch: 2014 für ein mögliches neues Jugendhaus, 2015 für den Bau von Unterkünften für Geflüchtete und 2020 erst für die mögliche Unterbringung von Obdachlosen und nun für Menschen mit Behinderung. Trotz mehrfacher Ablehnung einer entsprechenden Bebauung des Geländes durch BürgerInnen und/oder Politik schlägt die Verwaltung immer wieder vor, bestimmte Personen am Ortsrand unterzubringen und dafür die freizeitliche Nutzung der Fläche (teilweise) zu opfern”, betonen die Jusos. „Dabei gibt es Alternativen - man muss sie nur wollen und tatkräftig angehen. Behindertenhilfe in Bürstadt, Wohnbebauung, Ärztehaus, Erweiterung der Skateanlage und Erhalt des Freizeitkickergeländes schließen einander nicht aus. Auch der Beethovenplatz ist bislang unbebaut und würde genug Platz für ein bhb-Projekt mit Wohn- und Ärztehaus bieten. Die BewohnerInnen würden von der mittigen Lage und von der Nähe zu Geschäften sowie Bus- und Bahn profitieren. Seit Jahren werden im Haushalt der Stadt Mittel für die Entwicklung des Beethovenplatzes bereitgestellt, passiert ist bislang jedoch nichts, viel früher hätte die Verwaltung zur Klärung beitragen können, ob der Boden belastet ist oder nicht. Eine mögliche Bodenkontaminierung als Argument gegen den Beethovenplatz als Standort für bhb-Projekte ist deswegen hinfällig, da eine Probebohrung bei egal welcher Nutzung des Platzes erfolgen sollte und Mittel hierfür bzw. für die Entwicklung des Platzes bereits jahrelang zur Verfügung stehen. 

    „Bürstadt muss mutiger und kreativer in Sachen (Wohn-)Bebauung denken, der Verbrauch grüner oder landwirtschaftlich genutzter Flächen für Bauvorhaben sollte die letzte in Betracht zu ziehende Variante sein“, so die Jusos abschließend. Zur Petition im genauen Wortlaut gelangen Sie hier: https://www.change.org/FreizeitkickerErhalten zg

     

     

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