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  • Di., 24. März 2020, 11:24 Uhr
    Mitglieder des Evangelischen Posaunenchors setzten ein Zeichen für das Miteinander / Choräle nach dem Glockengeläut  

    „Freude schöner Götterfunken“ vom Balkon aus

    Querflötistin Melina Pauly spielt auf dem Balkon Beethovens „Ode an die Freude“. Alleine und doch gemeinsam machten die Mitglieder des Evangelischen Posaunenchors Hofheim am Sonntagabend bei der Aktion „Musiker für Deutschland“ mit. Foto: Petra Gahabka


    HOFHEIM – Punkt 18 Uhr am Sonntag haben Musiker bundesweit auf Balkonen und an offenen Fenstern Ludwig van Beethovens „Ode an die Freude“ gespielt und in der Corona-Krise ein gemeinsames Zeichen gesetzt. Auch die Mitglieder des Evangelischen Posaunenchors Hofheim machten bei der Aktion „Musiker für Deutschland“ mit.   

    Die Sonne scheint, es weht ein kalter Wind als Melina Pauly auf den Balkon tritt und den Notenständer samt Notenblatt aufstellt. Ein Blick auf die Uhr, ein kurzes Warten, dann setzt sie die Querflöte an und beginnt zu spielen. Die Schubertstraße ist menschenleer, auf Publikum müssen Musiker in diesen Tagen verzichten. „Freude, schöner Götterfunken“ klingt es durch Hofheims Straßen, überall dort, wo Mitglieder des Posaunenchors wohnen. Die neunte Sinfonie, uraufgeführt 1824, gilt als Höhepunkt des kompositorischen Schaffens Beethovens. Hier setzte er erstmalig die menschliche Stimme als Instrument ein, als Text wählte der Klaviervirtuose das Gedicht „An die Freude“ von Friedrich Schiller. Die Idee, mit Musik ein Zeichen gegen die Corona-Krise zu setzten, kommt ursprünglich aus Italien – viele Länder ziehen nun nach. Der Aufruf zum Fenster-Flashmob am Sonntag hatte sich in den sozialen Netzwerken schnell verbreitet. 

    Nach rund zwei Minuten ist das private Open-Air-Konzert vorbei und während Melina Pauly ihre Querflöte einpackt, ist ein paar Häuser weiter „Nehmt Abschied Brüder“ zu hören. Es ist Musikerkollege Rolf Drucktenhengst, der mit seinem Flügelhorn auf dem Balkon steht und spielt, zu sehen ist er von der Straße aus nicht. Eine Nachbarin sitzt auf einem Stuhl vor ihrer Haustür und lauscht den Klängen, am Schluss applaudiert jemand. Seit vergangenem Dienstag läuten täglich um 19 Uhr fünf Minuten lang die Glocken der evangelischen Kirche und laden zum „Gebet für Hofheim“ ein. Abschließend darf geklatscht werden, um all denen Danke zu sagen, die sich in diesen schwierigen Tagen für die Gesellschaft einsetzten. Ein weiteres hörbares Zeichen, um zu zeigen „Wir stehen zusammen“ ist trommeln oder auf Töpfe schlagen, der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt.

    Rolf Drucktenhengst entschied sich für Musik, von seinem Balkon aus spielte er unter anderem „Nun ade zur guten Nacht“ und „Kommt, sagt es allen weiter“. Der Evangelische Posaunenchor beschloss kurzerhand, das Musizieren nach dem Geläut gemeinsam zu gestalten, berichtet Pressewartin Pauly. Nicht versammelt wie gewohnt, sondern jeder von zu Hause aus. Start war am Donnerstagabend, Punkt 19.06 Uhr, mit dem gemeinsamen Choral „Lobet den Herren“. Die Bläser hätten einander in der Nachbarschaft sogar meist hören können. Selbst aus Bensheim, Chemnitz und weiteren Orten, wo Mitglieder des Posaunenchors wohnen, seien Telefonanrufe geschaltet und dort die Fenster geöffnet worden, um mitzumachen. „Die Gemeinschaft wurde deutlich trotz räumlicher Trennung“, so Pauly. Auch Radio Regenbogen berichtete von der Aktion mit einem Zusammenschnitt der Musiker sowie einem Interview mit Matthias Luz, Pastor der hiesigen Liebenzeller Gemeinde, von dem die Idee zum „Gebet für Hofheim“ stammt.  

    Bestärkt durch die vielen positiven Rückmeldungen der Mitbürger, möchte die Chorfamilie das Glockengeläut mit einem musikalischen Gebet fortsetzen „Wir wollen ein Zeichen des Zusammenhalts, der Hoffnung und des Mutes in dieser schweren Zeit aussenden“, sagt Melina Pauly. Alle Mitbürger sind herzlich eingeladen den Musikern von zuhause aus zuzuhören. Die nächsten Termine sind am Donnerstag, 26. März, und Sonntag (29.), jeweils um 19.06 Uhr nach dem Geläut.

    Petra Gahabka

    Friedenskirche wieder offen

    Pfarrer Holger Mett teilte am Montagmorgen mit, dass die evangelische Kirche tagsüber wieder geöffnet ist. „Ich wurde von einzelnen Menschen angesprochen, die sich wünschen, dass die Kirche trotz der verschärften Ausgangsregelungen offen ist für das persönliche (einzelne) Gebet.“ Dem komme er gerne nach. 

     

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