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  • Mi., 19. Januar 2022, 08:42 Uhr
    CORONA: Menschenkette und „Spaziergänger“ auf getrennten Wegen unterwegs 

    Friedlicher Montagabend – unterschiedliche Meinungen

    Die beiden Organisatoren der Gegendemonstration, Erich Maier und Hans Linke, hatten die von ihnen angemeldete Menschenkette rund um den Schillerplatz im Blick. Mit Megafon teilte Erich Maier den Teilnehmern den Abschluss gegen 18.45 Uhr mit. Foto: Hannelore Nowacki


    LAMPERTHEIM – Still war es am frühen Montagabend in Lampertheim – und doch waren hunderte Menschen unterwegs. Das zeigte sich bei genauerem Hinschauen vor dem Haus am Römer in der Domgasse, dort standen gegen 18 Uhr Leute in Gruppen, die wenig später in lockeren Gruppen und paarweise zu ihrem „Spaziergang“ auf dem Gehweg in die Römerstraße Richtung Neuschloßstraße zu einem nicht genannten Ziel aufbrachen. Der TIP hatte Gelegenheit mit mehreren Teilnehmern und Gruppen ins Gespräch zu kommen. Seit einigen Wochen finden diese „Spaziergänge“ zum Thema Coronamaßnahmen und Impfen in Lampertheim statt, die bei der Stadtverwaltung nicht angemeldet wurden und deren Veranstaltungsleiter offiziell nicht bekannt sind. Dennoch kamen an diesem Montagabend nach Polizeiangaben der Darmstädter Pressestelle 120 Teilnehmer zusammen. Nur ein paar Schritte weiter zeigte der Blick von der Wilhelmstraße aus in die Kaiserstraße eine lange Reihe von Menschen beidseitig entlang des Gehweges, die sich großenteils mit Schals auf Abstand hielten und Maske trugen, eine stille Versammlung, die sich rund um den Schillerplatz fortsetzte. Nach Polizeiangaben hatten etwa 240 Menschen an dieser angemeldeten Menschenkette als Gegendemonstration teilgenommen. Dabei handele es sich um vorläufige Zahlen, teilte die Pressesprecherin des Polizeipräsidiums Darmstadt am Montagmorgen auf Nachfrage telefonisch mit. Organisiert wurde die Menschenkette von Erich Maier und Hans Linke, unterstützt unter anderem vom Lampertheimer „Bündnis für Demokratie“ und SPD. Vereinzelt waren selbst gemachte Plakate an Stöcken am Straßenrand aufgestellt. „Impfen schützt mich und dich“ war beispielsweise die Botschaft. Lampertheimer Ärzte des Gesundheitsnetzwerks GALA machten mit umgehängtem Plakat auf sich aufmerksam: „Die Ärzte in GALA stehen für Schutz und Gesundheit. Wir impfen aus Überzeugung und Verantwortung!“ war darauf zu lesen. Die Organisatoren Erich Maier und Hans Linke hatten sich das Plakat umgehängt, mit dem sie zur Gegendemonstration aufgerufen hatten. „Wachbleiwe. Zusammenstehen in der Pandemie mit Abstand und Rücksicht. Lampertheim steht zusammen“ lautete der Aufruf. In seiner Ansprache über ein Megafon erklärte Maier am Rande des Schillerplatzes den Zuhörern in der Menschenkette, warum diese Demonstration stattfand. Mit Blick auf die „Spaziergänge“ in den vergangenen Wochen sei klar gewesen: „Wir haben gesehen, man kann es nicht laufen lassen“. In Anlehnung an Nachbarstädte wie Mannheim sei die Menschenkette initiiert worden. „Wir sind überwältigt von der Anzahl der Teilnehmer – wir überlassen in Lampertheim die Aktivitäten nicht irgendwelchen Spaziergängern“. Entscheidend sei, dass diese von Menschen unterwandert und infiltriert werden, verbunden mit Antisemitismus. So sei mal ein Lied von Xavier Naidoo gespielt worden, der laut Gerichtsurteil Antisemit genannt werden dürfe. Mit Bravo-Rufen und Applaus quittierten die Zuhörer Maiers Ausführungen. Auch der begeisterte Hans Linke meldete sich zu Wort und dankte den Teilnehmern „ganz herzlich“, dass sie ein Zeichen in Lampertheim setzten. Die Polizei habe sie über den Weg der „Spaziergänger“ entlang der Römerstraße informiert. Da die Organisatoren in Sorge waren, dass sich die Wege der „Spaziergänger“ und der Menschenkette kreuzen könnten, teilte Erich Maier per Megafon mit, dass die Aktion gegen 18.45 Uhr beendet werde. 

    Im Gespräch mit „Spaziergängern“

    Die „Spaziergänger“ machten sich von der Domgasse aus auf den Weg in die Römerstraße – eine stille Wanderung in der Dunkelheit. Foto: Hannelore Nowacki


    Eine Frau aus Biblis, die in der Pflege arbeitet,  wünscht sich, dass über die unterschiedlichen Meinungen zu den Corona-Maßnahmen ausgewogen berichtet wird. Festgestellt habe sie, dass der Druck zu impfen so zunehme, dass viele Leute gar nicht mehr darüber nachdenken, ob das für die Patienten, vor allem auch in den Pflegeheimen, gut sei. Ihr Begleiter findet, eine Impfpflicht für das Pflegepersonal sei nicht fair, wenn Impfpflicht, dann für alle, aber am besten keine Impfpflicht. Seine Meinung: „Jeder sollte das allein entscheiden können“. Sie seien zum ersten Mal am Montagabend dabei. Anlass sei der Aufruf zur Gegendemonstration gewesen, der auch im TIP gestanden habe, den sie empörend fanden. Beide finden es ärgerlich, wenn gesagt werde, dass man unsozial sei und „nur mit der Nadel im Arm solidarisch“. Ihre Namen sind der Redaktion bekannt, da sie jedoch berufliche Nachteile fürchten, möchten sie ihren Namen nicht in der Zeitung lesen. Mehrere Teilnehmer hörten interessiert zu, eine „Spaziergängerin“ hatte Kärtchen mit Internet-Adressen zur Information dabei, auf der Vorderseite ein Herz und das Zitat von Antoine de Saint-Exupéry: „Nur mit dem Herzen sieht man gut“. Eine Gruppe von über zehn jungen Leuten schien gut gelaunt. Wie sie gerne mitteilten, sind sie zwischen 14 und 20 Jahre alt und kennen sich. Nach einiger Überlegung kamen sie zum Ergebnis, ihre Namen lieber nicht zu nennen, auch wenn sie nur der Redaktion bekannt seien. Zu viele Nachteile wären zu erwarten, wenn sie irgendwie bekannt würden. Aus der Gruppe melden sich mehrere zu Wort. Ein junger Mann wünscht sich, dass es keine Impfpflicht gibt, das sollte für alle gelten. Er verweist auf Artikel 2 Grundgesetz mit der körperlichen Unversehrtheit. Außerdem führe Zwang nicht zu mehr Impfungen. „Das ist ein Holzweg“, meint er. Das sehen auch die anderen in der Gruppe so. Unterstützung hat er auch bei diesem Wunsch: „In der Debatte den rationalen Diskurs anstreben“. Diese jungen Leute beobachten mit Sorge: „Die Fronten verhärten sich, das wollen die meisten Leute nicht“. Zustimmung aus der Gruppe erhielt der junge Mann auch, als er sagte: „Wir fürchten um unsere Grundrechte, es sind schon viele eingeschränkt worden“. Interessiere Zuhörer verfolgten das Gespräch. Hannelore Nowacki 

     

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