Fähre auf Werft und beim Kuckucksmarkt in Eberbach
„Frischling“ verlässt Lampertheim
LAMPERTHEIM – Jetzt wird es wieder ernst für den „Frischling“. Wie in jedem Jahr steht wieder der Einsatz der Fähre am Kuckucksmarkt in Eberbach an. Rechtzeitig vor Reiseantritt hat der Fährverein „Nibelungenland“ e.V. den „Frischling“ wieder reisefertig gemacht. Gründlich geputzt und mit frischer Motoren- und Getriebeinspektion tritt der „Frischling“ dann zu seiner Reise nach Eberbach an.
Allerdings ist die Anreise in diesem Jahr mit einem Werftaufenthalt verbunden. Auf der Werft Ph. Ebert in Neckarsteinach sind einige Arbeiten durchzuführen, die von der Schiffsuntersuchungskommission (SUK), dem TÜV für Schiffe, als Mängel bei der letzten Untersuchung im April 2015 festgestellt wurden.
In der Hauptsache resultieren diese Mängel, so Werner Reuters, 2. Vorsitzender des Fährvereins Nibelungenland und Kapitän der Fähre, mitteilte, aus der Umsetzung von neuen Gesetzen und Verordnungen im Bereich der Binnenschifffahrt.
Einen hervorragenden Zustand des Rumpfmaterials der Fähre bestätige der Prüfer, welcher die Fähre Mitte April 2015 an Land untersucht hatte. Bei dieser Gelegenheit wurden dann auch von den Mitgliedern des Fährvereins der Unterwasserteil der Fähre gesäubert und die Über- und Unterwasserteile neu gestrichen. „Alles sei in bester Ordnung“, so der Prüfer.
Wie Reuters weiter mitteilte, konnte ein Teil der Mängel bereits in Eigenleistung behoben werden. Die noch offenen Punkte, wie beispielsweise eine neue Belüftung des Dieseltanks, ein zweites Funkgerät und eine Erneuerung der Auspuffanlage müssen auf der Werft durchgeführt werden. Deshalb die frühzeitige Fahrt nach Neckarsteinach. Die Kosten hierfür liegen im oberen vierstelligen Bereich.
Vom Fährvereins sind noch zusätzlich investiert worden: eine neue Plane im Heck der Fähre und einige Dichtungsarbeiten am Dach. Das Dach dürfte die nächste größere Investition werden, zeigen sich doch jetzt nach 25 Jahren im Einsatz Materialermüdungserscheinungen. „Das dünne Blech des Daches arbeitet ja. Je nach Witterung zieht es sich zusammen oder dehnt sich aus, da sind Ermüdungsbrüche vorprogrammiert“, so Reuters.
In diesem Jahr kam zu den Arbeiten an der Fähre selbst noch die Erfüllung einer weiteren neuen Vorschrift aus der Rheinschifffahrts-Personalverordnung hinzu. Die Fährhelfer, also diejenigen, die die Fährführer beim An- und Ablegen und bei der Kontrolle der Fahrkarten, sowie der Personenzahl behilflich sind, müssen laut dieser Verordnung nun ein Schifferdienstbuch vorweisen können, berichtet Werner Reuters.
Bereit für die große Reise: Der „Frischling”. Archivfoto: Hannelore Nowacki
War es dem Fährverein Nibelungenland und den Stadtwerken Eberbach für 2014 noch gelungen, eine einmalige Ausnahmeregelung vom Wasser-und Schifffahrtsamt Heidelberg zu erhalten, so war dies nunmehr nicht mehr möglich. Für den Erhalt des Schifferdienstbuches mussten sich die interessierten Helfer einer ärztlichen Prüfung unterziehen und anschließend das Schifferdienstbuch beantragen.
Das Schifferdienstbuch weist seinen Inhaber als Mitglied einer Deckmannschaft aus. Der Fährführer bzw. der Schiffsführer hat im Schifferdienstbuch die Arbeitszeiten des jeweiligen Mitarbeiters zu dokumentieren. Damit ist der Inhaber des Schifferdienstbuches automatisch auch bei der Berufsgenossenschaft versichert und unterliegt dem Mindeslohngesetz, erklärt der zweite Vorsitzende des Fährvereins. Eine wie bisher ehrenamtliche Unterstützung des Fährbetriebes durch Mitglieder des Fährvereins ist somit nicht mehr möglich und führte zu einem erheblichen bürokratischen und finanziellen Aufwand.
„Aber“, so der 2. Vorsitzende des Fährvereins, „es ist uns gelungen, einen entsprechend großen Kreis von Fährhelfer zu rekrutieren, so dass der Einsatz der Fähre am Kuckucksmarkt und auch in Lampertheim nicht gefährdet ist“.
Nach dem Kuckucksmarkt in Eberbach wird der „Frischling” dann am 4. September wieder zurück in Lampertheim sein. zg