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  • Fr., 18. September 2026, 08:50 Uhr
    SICHERHEIT IM VERKEHR: Rote Sicherheitsstreifen in Nordheim – nicht zulässig auf Kreisstraße? / Rund 30.000 Euro an Kosten inklusive Entfernung

    Für Erhalt der roten Streifen 354 Unterschriften gesammelt

    Ein Piktogramm in beiden Fahrtrichtungen weist auf die rot gestreifte Fußgängerfurt im Bereich der Kultur- und Sporthalle hin. Hier ist es die Kreisstraße K 61.
    Foto: Hannelore Nowacki

    BIBLIS-NORDHEIM – Das Thema „rote Streifen“ auf der Wormser Straße in Nordheim im Bereich der Kultur- und Sporthalle schlägt seit Monaten hohe Wellen und wurde bereits im Mai in der Ortsbeiratssitzung zur Sprache gebracht. Wenn es nach dem Willen der Aufsichtsbehörden in Darmstadt und Heppenheim geht, müssen die roten Sicherheitsstreifen und die beiden Piktogramme entfernt werden, da die Wormser Straße als K 61 in diesem Bereich eine Kreisstraße sei und es sich nicht um regelkonforme Markierungen handele. Ganz ähnliche Markierungen auf einer Gemeindestraße an der kommunalen Kita Pusteblume blieben dagegen ohne Beanstandung. Rüdiger Glaser und seine Mutter Gretl Glaser hat es keine Ruhe gelassen: Im Ort haben sie mit vielen Leuten gesprochen und bis zum 16. September genau 354 Unterschriften gesammelt. 70 Unterschriften hat Gretl Glaser beigetragen. „Keiner hat nein gesagt – und das in heutiger Zeit“, berichtet sie. Ihr Anliegen ist vor allem die Sicherheit der Kinder, die aus der Schule und der Nachmittagsbetreuung kommen und hier in den Bus einsteigen. Die Verkehrslage hat sie von ihrem Haus aus immer vor Augen. Aber auch die Kosten für eine Maßnahme, die sie und viele andere nicht für sinnvoll und nicht mit dem gesunden Menschenverstand vereinbar halten, spielen eine Rolle. 

    Die 354 Unterschriften sind jetzt auf dem Weg zum Regierungspräsidium Darmstadt. Rüdiger Glaser und seine Mutter Gretl Glaser dankten Bürgermeister Konstantin Großmann und der  Nordheimer Ortsvorsteherin Tamara Brüderle, dass sie sich für ihr Anliegen eine Stunde Zeit genommen hatten.
    Foto: Hannelore Nowacki

     

    Die Stellungnahme „Ich bin dafür, dass die roten Streifen in der Wormser Straße in Nordheim bleiben und nicht für ca. 25.000 Euro entfernt werden“ haben bislang 352 Bürger unterstützt. Während des Pressetermins mit Bürgermeister Konstantin Großmann und der Nordheimer Ortsvorsteherin Tamara Brüderle am Mittwoch im Rathaus erhielt Rüdiger Glaser auch ihre Unterschriften. Einen frankierten großen Umschlag hatte Bürgermeister Großmann vorbereitet in Händen, gemeinsam wurde die Post zum Briefkasten auf der anderen Straßenseite gebracht, adressiert an das Regierungspräsidium Darmstadt, das als Straßenverkehrsbehörde und Baulastträger wie auch der Kreis Bergstraße die Beseitigung der roten Streifen und Piktogramme verlangt haben. Im Lauf des Gesprächs prüfte Bürgermeister Großmann noch einmal die Aktenlage und kam auf Gesamtkosten von der Erstellung bis zur Beseitigung von ca. 30.000 Euro, wovon 8.000 Euro auf die Beseitigung entfallen würden. Rüdiger Glaser will weiter Unterschriften sammeln, jetzt mit der geänderten Kostensumme. 

    Bürgermeister: „Es ist nicht unsere Straße“

    Tatsächlich verläuft die Kreisstraße von der Einfahrt aus Richtung Wattenheim bis tief nach Nordheim hinein und wird dann unsichtbar zur Gemeindestraße. Ein Schild mit „K 61“, das hier mal zu sehen war, ist seit einigen Monaten abgerissen, wie Rüdiger Glaser anhand eines Fotos zeigen kann. Es sei zwar „nicht unsere Straße“, solle aber ein sicherer Schulweg sein, meint Großmann. Mit dem Ortsbeirat sei er einig, es gehe um den gemeinschaftlichen Schulterschluss wie das Areal um die Schule zukünftig zu sichern sei. Die Sicherheit der Kinder, die Vermeidung unnötiger Kosten aus Sicht der Gemeinde gerade in Zeiten sparsamer Kassenführung, sollte Gewicht haben, meinen Rüdiger und Gretl Glaser. Eine interne Prüfung habe laut Großmann für das Entfernen 8.000 Euro ergeben, 20.000 für das Aufbringen, also rund 30.000 Euro Gesamtkosten. Alles sei dokumentiert. Von der Eigenschadensversicherung würden die 8.000 Euro nach Schadensmeldung zwar übernommen, aber das ist für Gretl Glaser nicht ausschlaggebend: „Ich sehe die Betreuungskinder über die Straße gehen und die alten Leute mit Rollator, Sicherheit ist meine Priorität“. 

    Dass von Gemeindeseite auch Fehler gemacht worden seien, kam beim Pressetermin zur Sprache. So habe sein Amtsvorgänger die Markierungen ohne weitere Rücksprache beim KMB in Auftrag gegeben, erklärte Großmann, nachdem bei der Kita Pusteblume gute Erfahrungen gemacht worden seien. Da auch der Kreis Bergstraße hier ein Wort mitredet, wendet sich Rüdiger Glaser an Landrat Christian Engelhardt, dem er vorhält, zwar für den schlanken Staat zu werben, sich in diesem Fall aber noch nicht zur Sache geäußert habe. Und auch aus dem „Entbürokratisierungsministerium“ von Manfred Pentz vermisse er eine Reaktion. Ein Schreiben aus dem Hessischen Ministerium für Wirtschaft, Energie, Verkehr, Wohnen und ländlichen Raum vom 19. Dezember 2025 an drei Regierungspräsidien sowie zur Kenntnis an Hessen Mobil liegt Bürgermeister Großmann vor. Darin stellt der Referatsleiter klar, dass sowohl Art der Zeichen und Markierungen als auch die Farben Weiß oder Gelb abschließend geregelt seien. Um auf besondere Verkehrssituationen in Einzelfällen aufmerksam zu machen, könne dies entsprechend den Regelwerken in der Verwaltungsverordnung mit der Randnummer 55 und der Straßenverkehrsordnung geschehen. Die Verwendung anderer Farben, Sinnbilder und Piktogramme könne zu „Verunsicherungen bzw. Ablenkungen der Verkehrsteilnehmenden führen, die der Verkehrssicherheit letztlich nicht dienlich sind“. Ein solcher Zweifel dürfe nicht aufkommen – ein „Prinzip der Normenklarheit“. 

    Hannelore Nowacki

     

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