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  • Mo., 06. März 2023, 15:43 Uhr
    HANS PFEIFFER: Zum 100. Geburtstag feierliche Rückschau auf ein viel zu kurzes politisches Leben 

    Gedenken an Hans Pfeiffer als Bürgermeister mit der Nähe zu den Menschen 

    Am 100. Geburtstag von Hans Pfeiffer hatte die Stadt Lampertheim zum feierlichen Gedenken an den früheren Bürgermeister und Ehrenbürger zahlreiche Ehrengäste und mehrere Referenten eingeladen. Im Bild (von links): Thomas Pfeiffer, Walter Pfeiffer, Norbert Hofmann, Bürgermeister Gottfried Störmer, Heiner Weppelmann, Professor Philipp Gassert und Manfred Klenk. Foto: Hannelore Nowacki


    LAMPERTHEIM – Die Hans-Pfeiffer-Halle wurde nach ihm benannt, doch hat der frühere Bürgermeister von Lampertheim in seinem politischen Wirken seit 1956 und vor allem in seiner Zeit als Bürgermeister von 1966 bis 1981 vieles auf den Weg gebracht, das nicht seinen Namen trägt, aber auf seine Initiative hin entstand wie die Gründung der Stadtbücherei 1952, betrieben mit seiner Frau Ria zusammen, und die Gründung der Volkshochschule ein Jahr darauf. Die Einweihung der Kreisberufsschule fand 1965 statt, die Eröffnung der Integrierten Gesamtschule 1966 wie auch die Einweihung des Freibades. Das Stadthaus wurde 1971 eingeweiht, die Siedlerhalle ein Jahr später, als auch die Musikschule gegründet wurde. Das Hallenbad eröffnete 1973 und der Europabrücke, die beim Bau 1977 noch ganz einfach Straßenübergang genannt wurde, folgte 1978 die Eröffnung des Heimatmuseums. In der Zehntscheune entstand in den 70er Jahren das selbstverwaltete Jugendzentrum und der erste Jugendpfleger wurde eingestellt. Eine Herzensangelegenheit waren ihm seit 1966 die Städtepartnerschaften mit Ermont, Wierden, Maldegem und zuletzt 1979 mit Adria. Auch die Heimat lag ihm am Herzen: Für Heimatforschung und Heimatpflege gründete er einen Arbeitskreis und setzte einen hauptamtlichen Heimatpfleger ein. Der Wiederbelebung der Kerwe 1977 war schon 1965 die Berufung der ersten Spargelkönigin vorausgegangen. Auf ihn gehen seit 1979 die Vereinsförderrichtlinien zurück. Für die Jugend wurde in den 70er Jahren das selbstverwaltete Jugendzentrum in der Zehntscheune geschaffen und für die gesunde Bewegung ein Trimm-Dich-Pfad an der Heidetränke. Die Bilderausstellung im Stadthaus-Foyer zeigte die Stationen im Leben Hans Pfeiffers. Am Freitag hätte Hans Pfeiffer seinen 100. Geburtstag feiern können, das tat nun die Stadt Lampertheim mit einer eindrucksvollen zweistündigen Gedenkfeier im Sitzungssaal des Stadthauses mit zahlreichen geladenen Gästen, unter ihnen auch die beiden Söhne Walter und Thomas Pfeiffer mit Familien. Am 18. Dezember 1981 war Bürgermeister Hans Pfeiffer mit nur 58 Jahren verstorben. Bürgermeister Gottfried Störmer würdigte in seiner Rede Hans Pfeiffer als Politiker, der Brücken baute zwischen den Menschen und Stadtteile verband wie mit dem Bau der Europabrücke. Mit seiner Schaffenskraft als Baumeister seiner Stadt habe er in seine Zeit gepasst, auf sein Umfeld habe er motivierend gewirkt. Persönlich habe er Hans Pfeiffer als 10-jähriger Schüler bei der Einweihung der Sedanhalle erlebt. Wie Störmer deutlich machte, war Hans Pfeiffer die Lokalpolitik nicht in die Wiege gelegt, denn sein Vater wollte, dass er Metzger lerne, stattdessen machte er eine kaufmännische Lehre in Mannheim. Im Krieg war er als Soldat im Westen, unter anderem in den Niederlanden, geriet in amerikanische Gefangenschaft. Im September 1945 trat er in den Dienst der Gemeindeverwaltung ein, in politischen Gremien war er seit 1956 aktiv. Nichts sei bei der Programmgestaltung dem Zufall überlassen worden, ließ Störmer die Zuhörer wissen, auch was die Musikauswahl nach Vorlieben von Hans Pfeiffer anging: Matthias Karb am Piano spielte zu Beginn „Ein Lied kann eine Brücke sein“ von Joy Fleming, später noch „Morgenstimmung“ von Edvard Grieg. Zwei Referenten sprachen aus persönlicher Erfahrung – Landrat a. D. Norbert Hofmann als politischer Wegbegleiter und Lehrer an der Integrierten Gesamtschule sowie Manfred Klenk, der Hans Pfeiffer als seinen politischen und menschlichen Mentor beschreibt. 

    Würdigung in Vorträgen

    In seinem Vortrag mit dem Titel „Demokratie von unten“ zur zeitgeschichtlichen Einordnung des Kommunalpolitikers Hans Pfeiffer ging Professor Philipp Gassert, Lehrstuhlinhaber am Institut für Zeitgeschichte an der Universität Mannheim, auf Pfeiffers Lebensweg ein, der ihn von vormoderner Zeit im damaligen Lampertheim, einem dörflichen Umfeld, über seine Kriegserlebnisse in die Nachkriegszeit führte. Als Protagonist des demokratischen Aufbaus habe er sich in einer Zeit atemberaubender Modernisierungen für die Verbesserung der Lebenschancen der Menschen eingesetzt – immer nahe bei den Menschen. Nicht ideologisch angetrieben, habe er für eine pragmatische Demokratie gestanden und sich mit dem Bad Godesberger Programm der SPD identifiziert. Bürgerbeteiligung habe er zum Beispiel beim Hallenbad betrieben, lange vor Erfindung dieses Begriffs. Auf diesen Vollblut- und Lokalpolitiker könne Lampertheim stolz sein, lautet sein Fazit. Informationen hatte Gassert vom Stadtarchiv, Walter Pfeiffer und Landrat a. D. Norbert Hofmann erhalten, der unter der Überschrift „Der Jugend verpflichtet“ das Wirken Hans Pfeiffers in der lokalen Bildungspolitik beleuchtete. „Auch aus heutiger Sicht war Hans Pfeiffer seiner Zeit voraus“, folgerte Hofmann. Wie Manfred Klenk, Jahrgang 1950, unter dem Titel „Nichts kommt von selbst“ in seinem Vortrag deutlich machte, war dies die Maxime Hans Pfeiffers.  Heiner Weppelmann, Ehrenvorsitzender des Heimat-, Kultur- und Museumsvereins, führte die Zuhörer in die Hans Pfeiffers Welt der Gedichte ein, die er zu verschiedenen Themen selbst verfasst hatte. Zu Heiterkeitsausbrüchen führt sein lustiges Gedicht im Lampertheimer Dialekt „Großer Winterschlussverkauf“ immer noch.  Hannelore Nowacki

    Großes Interesse weckte die Bilderausstellung mit den Lebensstationen des früheren Bürgermeisters Hans Pfeiffer bei den Besuchern. Foto: Hannelore Nowacki

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