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  • Mo., 02. November 2015, 23:05 Uhr
    Lampertheimer Chor Ephata feierte Gottesdienst in der Justizvollzugsanstalt in Mannheim

    Gefangenen ein Stück Freiheit geschenkt

    LAMPERTHEIM – Einen Auftritt der ganz besonderen Art hatten die Sängerinnen und Sänger des Chores Ephata am 1. November in Mannheim. Auf Einladung der Gefängnisseelsorge gestaltete der Chor einen Gottesdienst in der Justizvollzugsanstalt (JVA) mit. Die JVA Mannheim hat derzeit ca. 700 männliche Gefangene und beschäftigt 300 Bedienstete. Eine der Beschäftigten ist die Lampertheimerin Dr. med. Bärbel Kilian, die sich um die Gesundheit der Häftlinge kümmert. Sie und das Chormitglied Peter Sturm hatten die Idee für diese Begegnung.

    Die Messe an Allerheiligen wurde zum Gedenken an alle Verstorbenen gehalten. Die Botschaft bestand darin, dass zwischen den Lebenden auf dieser Welt im Hier und Jetzt eine Brücke bzw. eine Verbindung zu den verstorbenen Menschen in einer anderen Welt bei Gott besteht. Jeder Gottesdienstbesucher wurde eingeladen eine angezündete Kerze mit seinen Bitten vor den Altar zu bringen. Die Lieder „Soon and very soon“, „Hold on to the Rock“, „True Light“, „Praise his holy name“ und „Gather at the river“ begeisterten die etwa 50 Gottesdienstbesucher und luden zum Mitklatschen und -bewegen ein. Ergreifend war das spontane Klavierspiel zweier Gefangener im Anschluss an den Gottesdienst im Kirchenraum. Beide verfügten weder über eine Ausbildung als Musiker noch über Notenkenntnisse, sondern spielten nur nach Gehör und aus dem Gedächtnis.

    Nach der Messe bestand die Möglichkeit bei Kaffee und Gebäck ein Gespräch mit einigen der Gefangenen zu führen. Wir erfuhren etwas über den streng geregelten Tagesablauf im Gefängnis, die Gestaltungen der Besuchszeiten und die Arbeitsbedingungen. Die JVA bietet etwa die Möglichkeit eines Vater-Kind-Tages an, um die Familienbindungen zu erhalten. Ferner gibt es Freizeitangebote, wie z.B. Sport in einem Kraftraum. Gottesdienste werden einmal pro Woche angeboten. An Weihnachten ist der Kirchenraum im Gefängnis laut Pfarrer Thomas Eisermann komplett gefüllt.

    Einer der Gefangenen verglich den wöchentlichen Gottesdienstbesuch „mit dem Leben in Freiheit“, da die Kirche im Gegensatz zu allen anderen Räumen in der JVA „keine Gitter“ habe. Die Freude der Insassen über den Chorbesuch zeigte sich darin, dass sich einige der Gefangenen persönlich bei der Leiterin des Chores, Maria Karb, und bei einigen Sängerinnen und Sängern bedankten. Ein Häftling erwarb sogar eine der Chor-CDs.

    Ein besonderer Dank gilt allen Musikern insbesondere Frank Willi Schmidt für sein ehrenamtliches Engagement sowie der Gefängnisärztin Dr. Bärbel Kilian und Peter Sturm für die Organisation dieses beeindruckenden Zusammentreffens. Herzlichen Dank auch an Pfarrer Thomas Eisermann für die Leitung des Gottesdienstes und der nachfolgenden Gesprächsrunde. zg

    Brachten mit ihrem Gesang ein besonderes Geschenk in die JVA Mannheim: Die Sängerinnen und Sänger des Chor Ephata. Foto: oh


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